LMU-Lehrinnovationspreis

Mit dem im Rahmen von Lehre@LMU vergebenen LMU-Lehrinnovationspreis wurden bisher folgende Projekte ausgezeichnet.

Dr. Susann Sturm (Fakultät für Betriebswirtschaft), „Einführung in das Rechnungswesen: Ein Lehrkonzept zur Individualisierung einer Massenveranstaltung durch Digitalisierung“: Die Lehrveranstaltung „Einführung in das Rechnungswesen“ ist zentral im Lehrplan des betriebswirtschaftlichen Studiums verankert und vermittelt jährlich rund tausend Studierenden die grundlegenden Aspekte der Finanzbuchhaltung. Dr. Susann Sturm hat die Vorlesung vollständig neu gestaltet mit dem Ziel, trotz der beachtlichen Veranstaltungsgröße alle Studierenden zu aktiver Teilnahme zu motivieren. Verantwortlich für den von Studierendenvertreterinnen und -vertretern bestätigten Erfolg ist die im Kontext einer so großen Lehrveranstaltung einmalige und sehr aufwendige Kombination von vier pädagogischen Elementen: Digitale Live-Feedbacksysteme erlauben eine wöchentliche Rückmeldung zum Lernfortschritt; Lehrvideos und klausurähnliche Fragestellungen auf einer E-Learning-Plattform ermöglichen eigenständiges und flexibles Lernen; digitale Sprechstunden sorgen für eine hervorragende Erreichbarkeit der Dozentin. Zudem werden LMU-Studierende durch einen virtuellen Wettbewerb mit Studierenden der Universität Bayreuth weiter motiviert. Diese Elemente sind auf ähnliche große Lehrveranstaltungen übertragbar und werden bereits vielfältig eingesetzt. Die Kombination dieser Elemente sowie das außergewöhnliche Engagement der Dozentin waren für den Erfolg der Veranstaltung entscheidend.

Dr. Daniel Mahla und Philipp Grammes (Bayerischer Rundfunk) (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), „Podcasten für HistorikerInnen: ‚Juden in Deutschland nach 1945‘ (WS 2020/21) und ‚Israel im Podcast‘ (WS 2018/2019)“: Mit dem Seminar „Podcasten für HistorikerInnen“ haben Dr. Daniel Mahla und Philipp Grammes ein gemeinsames Veranstaltungsformat entwickelt. In dessen Rahmen arbeiten Studierende in Kooperation mit dem BR historische Fakten auf professionell hohem Niveau für die Öffentlichkeit auf, indem sie Podcasts entwickeln und online zur Verfügung stellen. Die Studierenden beschäftigen sich dabei nicht nur mit fachlichen Inhalten, sondern auch mit der geeigneten Vermittlung der Inhalte und deren technischer Aufbereitung. Das Format vermittelt bedeutende Kompetenzen für eine sich immer schneller digitalisierende Arbeitswelt und ist problemlos auf andere Fächer übertragbar. Besonders überzeugt haben die Jury das hohe Niveau, das bei der Erstellung der Podcasts durch die Studierenden angestrebt wird, die Kooperation mit einem außeruniversitären Partner und die Integration von Zeitzeugen-Interviews. Im Rahmen des Projektes entstand auch eine Broschüre, die Tipps für die Erstellung von Podcasts gibt und auf der Homepage der Fakultät abgerufen werden kann. Die Jury hofft auf vielfältige Nachahmer.

Prof. Dr. Julia Pongratz (Fakultät für Geowissenschaften), „Vorlesung „‚Klimawandel & das Erdsystem‘“ und Seminar ‚ „Klimawandel & Klimafolgen‘ “: Die Vorlesung „Klimawandel und das Erdsystem“ sowie das Seminar „Klimawandel und Klimafolgen“ sind Teil des Master-Studiengangs Umweltsysteme und Nachhaltigkeit. Prof. Julia Pongratz ist es gelungen, in einer neu konzipierten Veranstaltung die klassische Aufteilung zwischen Vorlesung und Seminar aufzubrechen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Planspiel. Unter Anleitung der Dozentin und zweier studentischer Moderatoren wurde der Verlauf der für 2023 geplanten Weltklimakonferenz simuliert. Das Planspiel ermöglicht es, die in der Vorlesung erlernten theoretischen wissenschaftlichen Inhalte aktiv anzuwenden, und trägt so zu einem vertieften Verständnis bei. Es wird ein hohes Maß an Praxisorientierung erreicht, da die Studierenden lernen, wie politische Entscheidungsfindung erfolgt und welchen Einfluss wissenschaftliche Erkenntnisse haben. Die simulierte Klimakonferenz entwickelt größere Formate wie die bekannten „Model United Nations“ so weiter, dass sie als Planspiele in bestehende Lehrveranstaltungen integriert werden können. Dieser Ansatz ist mit wenigen Anpassungen auf andere Fächer mit ähnlich ausgerichteten Themen übertragbar. Eine Interdisziplinarität wird auch durch die Einbeziehung studentischer Moderatoren aus der Politikwissenschaft und die Kooperation mit dem Geschwister-Scholl-Institut der LMU erreicht.

Prof. Dr. Ralf Ludwig, Prof. Dr. Markus Vogt und Dr. Christian Hoiß (Katholisch-Theologische Fakultät und Fakultät für Geowissenschaften), „el mundo – Bildung für nachhaltige Entwicklung im Lehramt“: Mit dem Projekt „el mundo – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zeichnet die Hochschulleitung ein Zusatzstudienangebot aus, im Rahmen dessen Lehramtsstudierende aller Fächer und Schularten ein Zertifikat im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung erwerben können. Das Zertifikat kann im Rahmen einer Regelstudienzeit von fünf Semestern erworben werden und umfasst Module im Umfang von 30 ECTS aus sechs Fakultäten. Das Zertifikat bereitet auf die Herausforderungen einer globalisierten Welt vor und sensibilisiert für Aspekte der Nachhaltigkeit im Schulunterricht. Beeindruckt haben die Jury, neben der Aktualität der Thematik, die Vielfalt an Methoden, die in diesem Studiengang umgesetzt werden, die enge Zusammenarbeit zwischen Fachwissenschaftlern , die sich gemeinsam einer Thematik des Lehramts annehmen, und die enge Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Initiativen. Die Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit entlang eines Querschnittsthemas, das Lernen in der Praxis mit fachlichen Inhalten aus verschiedenen Disziplinen verknüpft, scheint der Jury ein Ansatz, der Breitenwirkung entfalten sollte. Sie hofft, dass er auch anderen Universitäten zum Vorbild wird.

Dr. med. dent. Marc Auerbacher, Prof. Dr. med. Michael Drey, Monika Fintz, Dr. Yvonne Marina Pudritz, Birgit Wershofen (Medizinische Fakultät), "Interprofessionelles geriatrisches Assessment im Pflegeheim (IgAP)": Das von der Fakultät für Medizin für den Lehrinnovationspreis eingereichte Projekt „IgAP“ sticht besonders durch seinen innovativen und interdisziplinären Charakter hervor: Studierende der verschiedenen universitären und nicht-universitären Gesundheitsberufe (Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Pflege, Physiotherapie) werden zusammen an einem außer-universitären Lernort – einem Pflegeheim – unterrichtet, um Studierende und Auszubildende auf ihr künftiges Arbeitsfeld in der Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten vorzubereiten. Mit dem Seminar wird eine hoch relevante gesellschaftspolitische Forderung nach mehr Personal in den Pflegeberufen aufgegriffen, in dem versucht wird, den geriatrischen Versorgungsbereich attraktiv zu machen. Neben fachlichen Inhalten steht das Üben von interprofessioneller Zusammenarbeit im Vordergrund. Dabei werden auch digitale Medien integriert, indem Studierende im Vorfeld berufsübergreifende Fälle in der Lernplattform CASUS bearbeiten. Es wäre wünschenswert, dass dieses interdisziplinäre Seminar Vorbild für andere Universitäten wird.

Laura Kuen, Dr. Gesa Lüdecke, Prof. Dr. Christof Mauch, Talitta Reitz (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften, Rachel Carson Center for Environment and Society), "Ecopolis München: Umwelt- und Entdeckungsgeschichten": Studierende des Zertifikat-Studiengangs „Environmental Studies“ erforschten in einem interdisziplinären Seminar die ökologische Geschichte der Stadt München. Besonderes Interesse galt dabei der Stadt als Ökosystem, in dem unbelebte Komponenten mit biotischen Organismen in einem komplexen Beziehungsverhältnis stehen. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der Ausstellung „Ecopolis“ auf dem Gelände des Werksviertels den Münchnerinnen und Münchnern zugänglich gemacht – flankiert von einem Katalog und einer virtuellen Ausstellung. Dieses Veranstaltungsformat zeigt modellhaft, wie ein erfolgreicher Brückenschlag von interdisziplinärer Umweltforschung in die Stadtgesellschaft gelingen kann: Es verbindet in vorbildlicher Weise die eigenständige wissenschaftliche Arbeit der Studierenden an komplexen Umweltthemen mit der multimedialen und multisensorischen Aufbereitung der Forschungsergebnisse für ein interessiertes Publikum. Zudem knüpft das Projekt an frühere Projektveranstaltungen des Rachel Carson Centers an, aus denen ehemalige Studierende lehrend und beratend beteiligt wurden – somit wird nachhaltiger Wissenstransfer innerhalb des Studienangebots sichergestellt.

PD Dr. habil. Alexander Wiethoff (Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik), "Design Workshop 2": Die Veranstaltung „Design Workshop 2“ ist Teil des Master-Studienganges „Mensch-Computer-Interaktion“ (MCI). Sie hat zum Ziel, die Studierenden an eine gestalterische Denkweise und die Zusammenarbeit mit Designern heranzuführen. Dazu werden Teams aus jeweils zwei MCI-Studierenden und zwei Studierenden eines gestalterischen oder künstlerischen Faches mit einer aktuellen Fragestellung aus der Industrie konfrontiert. Die Teams entwickeln dazu maßgeschneiderte Konzepte für die Mensch-Maschine-Interaktion und weisen deren Umsetzbarkeit anhand eines Prototyps nach. Die Projekte werden durch wechselnde Industriepartner begleitet und in einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert. Die Lehrveranstaltung stellt ein am Institut für Informatik bisher einmaliges Format dar. Das Konzept lässt sich auf andere Kontexte übertragen, verbindet digitale Medien und praktische Arbeit in einem integrierten Konzept und ist interdisziplinär angelegt.

Prof. Dr. Anja Ballis und Dr. Kim Wünschmann (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften und Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften), "Erinnerungsorte an der LMU. Projektorientiertes Arbeiten in der Germanistik und Geschichte": Lehramtsstudierende der Unterrichtsfächer Deutsch und Geschichte befassten sich in dieser Projektveranstaltung mit dem Widerstand der Weißen Rose in Geschichte und Erinnerung und untersuchten lokale Gedächtniszeichen im Raum der LMU. Sie konzipierten drei thematische Rundgänge zu verschiedenen Wirkungsstätten und Erinnerungsorten der Weißen Rose – und das sehr erfolgreich: Anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust nahmen über 100 Personen an den Rundgängen teil. Während der Rundgänge konnten durch den Einsatz digitaler Medien der Wandel und die Vielfalt der Überlieferung zur Weißen Rose gezeigt werden. Selbstorganisierte wissenschaftliche Arbeit einer studentischen Projektgruppe an einem gesellschaftsrelevanten Thema wird in dieser innovativen Veranstaltung beispielhaft mit der Frage nach einer zeitgemäßen und reflektierten Vermittlung an eine breite Öffentlichkeit verbunden. Insbesondere der Aspekt der Vermittlung kann auf die praxisbezogene Ausbildung in vielen Studiengängen übertragen werden – damit haben die didaktischen Dimensionen des Projektes Modelcharakter weit über das Lehramtsstudium hinaus.

Dr. Martin Heidebach (Juristische Fakultät), "Law Clinic zur Vorbereitung einer Popularklage gegen die Änderungen des Bayerischen Polizeiaufgabengesetzes": Während das Jurastudium weitgehend theoretisch ausgerichtet ist, erlaubt es die Law Clinic den Studierenden, erste praktische Erfahrung zu sammeln. In der Veranstaltung, die Dr. Heidebach in Kooperation mit einer Kollegin und einem Kollegen der Universitäten Würzburg und Erlangen durchgeführt hat, ging es also nicht allein um die Vermittlung verfassungs- und polizeirechtlicher Grundlagen, sondern insbesondere auch darum, an einem konkreten Fall zu überprüfen, inwiefern die Voraussetzungen selbst Gegenstand des Rechts werden können. Die Studierenden lernten, als Juristinnen bzw. Juristen zu agieren, indem sie eine konkrete und authentische Klageschrift aus der Anwaltsperspektive mit verfassten. Dabei mussten im Rahmen der Auswertung von Stellungnahmen des Landtags und der Staatsregierung nicht nur rechtliche Aspekte, sondern auch politische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt und ein Bewusstsein für die entsprechenden Hintergründe des Rechts entwickelt werden. Nicht zuletzt im Zusammenspiel mit der in das Projekt integrierten Kooperation mit Studierenden anderer bayerischer Universitäten verwirklicht das Projekt seinen Modellcharakter.

Prof. Dr. med. Christian Sommerhoff (Medizinische Fakultät), "Einführung von eKlausuren mit Tablet-Computern im Klinischen Abschnitt des Medizinstudiums": Durch den Einsatz von tablet-basierten Prüfungen hat Professor Christian Sommerhoff die Prüfungs- und somit auch die Lehrlandschaft der Medizinischen Fakultät modernisiert. Durch die Nutzung von Computern in den Prüfungen des klinischen Studienabschnitts können audiovisuelle Medien aller Art in den Prüfungen – auch für eine große Anzahl an Studierenden – genutzt werden. In die Tests, die ansonsten überwiegend Multiple-Choice-Formate aufweisen, können so auch reale Patientenfälle integriert werden. So werden die Prüfungen nicht nur authentischer, sondern auch praxisrelevanter, als dies bisher der Fall war. Die veränderte Prüfungskultur hat positive Auswirkungen auf die Motivation und das Lernverhalten der Studierenden, die von einem schnellen und unkomplizierten Feedback zu ihren Leistungen profitieren.

Prof. Dr. Matthias Kling und PD Dr. Vladislav Yakovlev (Fakultät für Physik), "Inverted Classroom Lehrveranstaltung ,Ultrafast Nanophotonics‘": Professor Matthias Kling und PD Dr. Vladislav Yakovlev wurden in den letzten Jahren bereits mehrfach durch Lehre@LMU und das Multiplikatorenprogramm gefördert. Sie überarbeiteten in diesem Rahmen in vorbildlicher Weise das gesamte Lehrspektrum der Physik von kleinen Spezialvorlesungen und Seminaren bis hin zu den großen Anfängervorlesungen der Physik. Die Inverted Classroom Vorlesung ‚Ultrafast Nanophotonics‘ setzt, statt auf Tafel und Kreide, auf eine Digitalisierung der Lehrabschnitte. Dafür nutzen die Dozenten die Online Lehrplattform Moodle. Die Idee hinter der neuartigen Vorlesung ist, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Inhalte über online zur Verfügung gestellte Videos, Handouts und Zusatzmaterialien aneignen, damit die Präsenzzeit anschließend effektiv genutzt werden kann, um Fragen zu klären und tiefergehend zu diskutieren. Das Wissen der Studierenden wird mit einem Online-Quiz überprüft, so dass Lehrende wie Lernende ein rasches Feedback über den Leistungsstand erhalten. Das Lehrformat ist auf andere Veranstaltungen übertragbar.

Franziska Behling und Dr. Christian Förtsch (Fakultät für Biologie), "Praxisseminar Biologieunterricht": Franziska Behling und Dr. Christian Förtsch haben ein Seminar entwickelt, das den gymnasialen Biologie-Unterricht an der Schule praktisch vermittelt. In dem neu konzipierten Seminar geht es vor allem darum, konkrete Unterrichtssituationen erfahrbar und handhabbar zu machen. Der große Vorteil für die Studierenden liegt darin, dass sie erlerntes und theoretisch vermitteltes Wissen der Biologiedidaktik unmittelbar umsetzen, reflektieren und evaluieren können. Im Gegensatz zu den bekannten Schulpraktika erlaubt diese Art von praxisorientierter Lehrveranstaltung, die Erfahrung der Schule mit den Erkenntnissen auch neuester empirischer Forschungen zusammenzubringen. Insofern ist es besonders wichtig, dass die Studierenden im Wechsel zwischen Theorie und Praxis von der Dozentin oder dem Dozenten intensiv betreut werden. Die Studierenden planen und führen ihre Unterrichtseinheit, die sich nicht wie bisher auf eine einzelne Sitzung beschränkt, sondern eine komplette Wissenseinheit umfasst, selbständig, aber betreut, durch. So garantiert dieser neue Typus von Veranstaltung die optimale Vorbereitung auf den Schulalltag.

Prof. Dr. Martin Burgi und Prof. Dr. Ann-Katrin Kaufhold (Juristische Fakultät), "Gesetzgebungswerkstatt": Die „Gesetzgebungswerkstatt“ führt in die Theorie und Praxis der Rechtssetzung ein. Sie erweitert damit die Juristenausbildung um einen zusätzlichen Aspekt, der den Studierenden neben dem Erwerb praxisnahen Wissens auch erweiterte Berufsperspektiven ermöglicht. In vorbildlicher Weise leistet das Projekt eine Verbindung von akademischen Grundlagen und berufsorientierten Qualifikationen: Ein Paket aus Einführungsvorlesung, Exkursion und begleiteter Projektarbeit versetzt Studierende in einem zweimonatigen Planspiel in die Lage, unter den Augen von erfahrenen Praktikern und Wissenschaftlern eine kommunale Satzung beschlussreif vorzubereiten. Damit steht das Projekt modellhaft für ein zukunftsorientiertes und praxisnahes Jurastudium.

Prof. Dr. Dr. Markus Kipp (Medizinische Fakultät), "Blended 3D-Learning in der Medizin und den Lebenswissenschaften": Die topographische Anatomie des Gehirns zu verstehen stellt eine besondere Herausforderung für das räumliche Vorstellungsvermögen dar. Das hier ausgezeichnete Lehrprojekt bietet Studierenden eine effiziente und äußerst anschauliche Möglichkeit, unter eindrucksvoller Einbeziehung von neuen Medien dieses Verständnis zu erwerben. Mithilfe innovativer 3D-Beamer-Technologie können Präparate sowie präparatorische Schritte in Live-Demonstrationen für eine Vielzahl Studierender veranschaulicht werden. Der zusätzliche Einsatz von moderner bildgebender Technologie (MRT) bis hin zu plastischen Modellen ergänzt bestehende Materialien unter anderem durch virtuelle Datensätze und schult zudem den Umgang mit klinischer Bildgebung. Verwendbar in allen weiteren medizinischen Disziplinen besitzt dieses Projekt darüber hinaus auch in den Bereichen der Lebenswissenschaften eine hohe Relevanz. Die vielseitige Technologie kann somit in zahlreichen weiteren Veranstaltungen eingesetzt werden.

Regina Bäck, David Plecher und Matthias Tischler (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), "Augmented Reality II. Digitale Konzepte im Museum zwischen Kunst und Geschichtsdidaktik": Das Projekt überzeugt durch seine beispielhafte Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und Praxisorientierung in den Lehramtsstudiengängen Geschichte und Kunstpädagogik sowie im Bachelorstudiengang Kunst und Multimedia. Es integriert dabei nicht nur in vorbildlicher Weise digitale Medien, sondern stellt auch ein gelungenes Modell interdisziplinärer Lehre dar, indem Lehramtsstudierende mit Bachelorstudierenden eines anderen Studiengangs kooperieren. Die Studierendengruppen entwickeln in Tandems gemeinsam mit der IT-Gruppe Geisteswissenschaften nach dem Vorbild der Museums- und Gedenkstättenpädagogik Unterrichtskonzepte zum Einsatz von Augmented-Reality an historisch bedeutsamen Orten. Die Konzepte wurden schließlich im Rahmen eines Projektes mit schulischen Kooperationsklassen erprobt. Überzeugend waren vor allem die Interdisziplinarität des Projektes, aber auch die praktische Anwendung theoretisch erworbener Inhalte an außerschulischen Lernorten. Weitere Lehrveranstaltungen nach diesem Modell sind bereits in Vorbereitung.

Prof. Dr. Henrike Rau, Michael Mögele, PD Dr. Monika Popp, Dr. Philipp Namberger (Fakultät für Geowissenschaften), Transdisziplinäres Projektseminar „Stadtentwicklung, unternehmerische Standortverlagerungen und Mobilität in München": Das Projekt zeigt exemplarisch, dass Transdisziplinarität und Praxisbezug bei innovativen Lehrmodellen Hand in Hand gehen. In dem Seminarprojekt geht es um die Frage, wie sich das Mobilitätsverhalten der Arbeitnehmer eines Münchner Unternehmens nach dessen Standortverlagerung innerhalb des Stadtgebiets verändert. Hier wird gezeigt, wie die Geowissenschaft in andere Wissenschaftsbereiche wie Volkswirtschaftslehre oder Soziologie ausstrahlen kann und dies wiederum in einem transdisziplinären Modell wissenschaftstheoretisch aufgefangen wird. Fragen der Mobilität werden mit Fragen nach der Bedeutung von Urbanität verbunden. Die Veranstaltung hat Modellcharakter und kann auf ideale Weise neue Medien integrieren. Sie erfordert ein hohes Engagement der Dozierenden, was wiederum auf ein begeistertes studentisches Publikum trifft.

Professor Mark Hengerer (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), "Tulpen und Kanonen: Online- und Druck-Edition der Briefe Erzherzog Leopold Wilhelms an Kaiser Ferdinand III. aus dem Reichsarchiv Stockholm (1646/47)“: So alt und schwer leserlich und doch so neu: Das von Professor Hengerer entwickelte Lehrformat macht Masterstudierende mit den Praktiken der Berufs- und Arbeitsfelder Digital Humanities, digitales Edieren und Publizieren sowie Projektmanagement am Beispiel der Briefe Erzherzog Leopold Wilhelms an Kaiser Ferdinand III. aus den Jahren 1646/47 vertraut. Das Konzept überzeugt durch die beispielhafte Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und Praxisorientierung. Der eigens für das Projekt entwickelt Editor ist vielseitig verwendbar, so dass er auch für Lehrveranstaltungen zu anderen Epochen und Themen eingesetzt werden kann. Damit erfüllt das Projekt in beispielhafter Weise die Kriterien für den Lehrinnovationspreis 2016.

Professor Christian Wahl-Schott und sein Team (Fakultät für Chemie und Pharmazie), „Patientenorientierte Pharmazie für Ärzte und Apotheker": Das Projekt ist Teil des durch Lehre@LMU finanzierten Multiplikatorenprogramms und verknüpft in vorbildlicher Weise Theorie und Praxis in der Pharmazieausbildung. Vor allem im Bereich der Kooperation mit der klinischen Medizin werden hier neue und innovative Wege gegangen. Im Rahmen des Projektes gehen Studierende der Pharmazie und der Medizin gemeinsam ans Krankenbett. Bei der Stationsvisite lernen sie, wie sich die jeweils andere Seite dem Patienten nähert. Dem Auswahlkomitee schien es als richtungsweisend, wie es dem Projekt gelingt, durch Interdisziplinarität aktuelle Veränderungen im Berufsfeld aufzugreifen. Die an der LMU entwickelte Veranstaltungsform kann sowohl auf andere Veranstaltungen innerhalb der LMU übertragen werden als auch Ausstrahlungskraft auf andere Pharmaziestudiengänge in Deutschland haben.

Das CCD-Projektteam an der Medizinischen Fakultät, "Clinical Case Discussion": Das studentisch initiierte Projekt vereinigt eine ganze Reihe innovativer Aspekte. Es wurde eine Veranstaltung mit Modellcharakter etabliert, außerdem wurden neue Medien systematisch integriert. Die Studierenden haben dabei ein Höchstmaß an Engagement unter Beweis gestellt; sie arbeiten als Gruppe an der strukturierten Lösung eines komplexen Patienten-Falles aus dem New England Journal of Medicine (NEJM). Sie müssen dafür vorhandenes medizinisches Wissen auf diese echten Patientenfälle anwenden und üben dabei auch gleichzeitig die englische Fachsprache. Ebenso ist die Verwendung aktueller Publikationen und neuester Guidelines (z.B. durch die Harvard-Datenbank www.utdol.com) in den CCD-Prozess eingebettet. Gemeinsam mit erfahrenen Studierenden als Moderatoren und mit der Unterstützung einer klinisch tätigen Ärztin oder eines Arztes als Expertin oder Experte wird durch strukturiertes Vorgehen erlernt, Schritt für Schritt die vorhandene klinische Situation zu evaluieren und entsprechende Entscheidungen in der Diagnosefindung zu treffen. Schließlich ist auch eine spezifische Patientenperspektive berücksichtigt worden.

Simone Reuß M.A., Patrick Schenk M.A., Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick (Fakultät für Kulturwissenschaften), "Archäologische Daten und Statistik: Statistische Grundlagen, Analysemethoden, grafische Darstellung": Die Lehrveranstaltung ist in besonderem Maße innovativ, weil sie zwei nicht auf den ersten Blick zusammenhängende Kompetenzen, die aber für ein modernes Fachverständnis der Archäologie unabdingbar sind, in genuiner Interdisziplinarität in der Lehre miteinander verknüpft: Statistik, Informatik und Archäologie. Die Lehrveranstaltung wurde aus diesem Grund völlig neu gestaltet. Sie vermittelt Grundlagen in der Erfassung von und Umgang mit archäologiebezogenen Daten sowie Grundlagen der Statistik – eine Schlüsselqualifikation für Arbeitsmarkt und Alltag, aber auch für die unterschiedlichen Aufgaben des wissenschaftlichen Arbeitens im Fach. Denn auch in primär kulturwissenschaftlich arbeitenden archäologischen Disziplinen sind heute aufgrund stark angewachsener Datenmengen statistische Analyseverfahren wesentliche Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens und folglich als Lerninhalt von Studierenden aller Ausbildungsstufen sehr nachgefragt. Die Lehrveranstaltung bietet den Studierenden des Faches erstmals eine sehr fachspezifische Vermittlung relevanter statistischer Verfahren. Die Einbettung neuer Medien, insbesondere die Softwarekompetenz für statistische Datenanalyse, vor allem der Rückgriff auf das kostenlose Open Source Paket R, ist Grundprinzip der Veranstaltung.

Professor Rudolf Streinz und Professor Ulrich Becker (Juristische Fakultät), "Praxismodul zum Flüchtlingsrecht": Der Umgang mit Flüchtlingen ist ein Testfall für den Rechtsstaat. Das Praxismodul vermittelt auch Fachfremden, wie komplex die Verfahren zwischen Jurisprudenz, staatlicher Administration und dem Schicksal der Betroffenen sind. Das integrative Modul zum Asylrecht, das Studierenden aller Fakultäten offensteht, die sich in diesem Bereich auch ehrenamtlich engagieren wollen, macht die Aktualität und den Alltagsbezug deutlich sichtbar. Besonders gelungen ist die Kombination aus theoretischen und praktischen Vorlseungsanteilen, Exkursionen, simulierten Beratungsgesprächen, Workshops und Rechtsberatung. Gleichzeitig findet im Rahmen dieses Projekts eine Vernetzung zwischen Universität, Ämtern und der Gesellschaft statt.

Regina Wohlfarth und Dana Kühnau (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), "Projekt 'Sommer am Gärtnerplatz. Veranstaltungsmanagement und Kommunikation für das Gärtnerplatz-Open Air 2014"': In diesem Projekt hatten Studierende die Aufgabe, eine Großveranstaltung in Kooperation mit externen Partnern zu planen und durchzuführen. Veranstaltungsmanagement ist ein wichtiger, praxisbezogener Bestandteil der Ausbildung. Trotz seines Charakters als Einzelereignis bietet das Projekt doch zahlreiche Möglichkeiten der Wiederholung und Institutionalisierung. Das Projekt macht auf völlig neue Weise das ausdifferenzierte Zusammenspiel unterschiedlicher kultureller Beteiligter und Institutionen für Studierende deutlich und zeigt nicht nur, wie komplex Kulturvermittlung heutzutage ist, sondern auch, dass hierbei ein vertiefter Kulturbegriff vermittelt werden muss. Für die Organisation wurde auch eine Kollaborationssoftware genutzt, die auch zukünftigen Projekten zur Verfügung steht.

Dr. Sabine Anselm, Professor Sven Hanuschek, Dr. Ute Hofmann, Dr. Marcel Schellong, Andreas Schöffmann und Dr. Anke Werani (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften), "Projekt 'Brückensteine'": Das Modell verbindet drei zentrale Bereiche der Lehrerbildung aufs Engste: Die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Ausbildung einerseits und die Praxiserprobung des Gelernten und Erarbeiteten in der Schule sowie dessen Reflexion andererseits. Überzeugt haben vor allem die interdisziplinäre Kooperation von Fachwissenschaft und Fachdidaktik und die sich daraus ergebenden Synergieeffekte. Das Modell kann Vorbild für andere Lehramts-Unterrichtsfächer sein. Die Einbindung neuer Medien erfolgt auf verschiedenen Ebenen: Als Thema der Veranstaltung, als Medieneinsatz in einem Portal sowie im Rahmen von Videofeedback.

Dr. Daniela Meilinger (Fakultät für Biologie), "Lehrmodul 'iRES hands-on research'": In diesem Projekt geht es darum, eine Brücke zwischen universitärer Grundausbildung und forschungsorientierter Weiterbildung zu schlagen, indem Studierende zwar fachspezifisch, aber durchaus mit einer überfachlichen Perspektive in die Grundstrukturen der Forschungspraxis eingeführt werden. Die Studierenden lernen, wie Forschung initiiert, entwickelt und gefördert wird. Im Blickpunkt stehen dabei sowohl theoretisch-konzeptionelle Grundlagen wie insbesondere der Umgang mit unterschiedlichen Methoden, aber auch praktische Perspektiven, wie Forschung methodisch überhaupt erst auf den Weg gebracht werden kann.

Dr. Mirjam Zadoff und Dr. Gregor Pelger (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften) erhielten den Lehrinnovationspreis 2013 für ihr Lehrangebot „Jüdische Geschichte im Unterricht – didaktische Konzepte und praktische Anwendungen“. Das fünfstufige Fortbildungskonzept, in dem Dozentinnen und Dozenten, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler an der Entwicklung von Unterrichtseinheiten ziel- und ergebnisorientiert zusammenarbeiten, hat zum Ziel, fachwissenschaftlich fundiertes Unterrichtsmaterial zu entwickeln. Themen der jüdischen Geschichte sollen auf diese Weise praxis- und forschungsnah sowie praktikabel – auch unter dem Einsatz neuer Medien - an Mittel- und Oberstufen vermittelt werden. Das fünfstufige Konzept dieses Projektes lässt sich auch auf andere Bereiche des Lehramtsstudiums ausdehnen. Besonders hervorgehoben wurde, dass ein schulisch eher unterrepräsentierter Stoff für das Lehramtsstudium und die Schulen exzellent aufbereitet wurde und damit auch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Universität gefördert wird.

Professor Michael Mackensen (Fakultät für Kulturwissenschaften) wird für sein Lehrangebot „Wissenschaftliche Bearbeitung (inkl. Dokumentation) einer ausgewählten Keramikgattung“ ausgezeichnet. Zielsetzung des Angebotes ist die Erstellung eines wissenschaftlichen Bestandskatalogs glatter, appliken- und stempelverzierter nordafrikanischer Feinkeramik und die monografische Publikation. Die Gefäße in unterschiedlichster Form und Verzierung müssen unter anderem zeichnerisch als archäologische Primärquellen dokumentiert werden. Diese und weitere Kompetenzen, die im Lehrangebot erworben werden, sind für den Berufseinstieg unausweichlich und zudem eine hervorragende Referenz. Die Veranstaltung besticht zudem durch ihren internen systematischen Zusammenhang, der von der Vermittlung grundlegender wissenschaftlicher Arbeitsweisen der Archäologie über die konkrete Feldarbeit am konkret umrissenen Beispiel der Keramikgattung bis hin zu einer Dokumentation dieser Arbeit reicht.

Professor Helmut Küchenhoff und Professor Paul W. Thurner (Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik bzw. Sozialwissenschaftliche Fakultät) wurden für ihr Lehrangebot „Interdisziplinäre Wahlforschung/Wählerwanderung in München bei der Landtags und der Bundestagswahl 2013“ geehrt. Ziel dieses Lehrformats war die Verbindung von Forschung und Lehre mit gleichzeitigem Praxisbezug im Bereich der Wahl- und Wählerforschung. Zudem sollte ein interdisziplinäres Lehrangebot in einem Kernbereich der politikwissenschaftlichen Forschung entwickelt werden, der auf die permanente Rezeption von neuen statistischen Verfahren angewiesen ist. Herausgehoben wurde bei der Bewertung die Verknüpfung eines aktuellen Ereignisses mit den grundlegenden Fragen des jeweiligen Faches – zudem auf interdisziplinärer Basis.

Das „MeCuM-SiGma-Team“ der Medizinischen Fakultät erhielt den LMU Lehrinnovationspreis für sein Lehrangebot „Simulation Gesundheitsmanagement“. „Simulation Gesundheitsmanagement“ ist ein Lehrangebot, das Medizinstudenten einen Blick über den Tellerrand ermöglicht. Sie sollen neben medizinischer Expertise auch einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen im Gesundheitssystem und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte erlernen. Herausragend bewertet wurden das moderne didaktischen Konzept, die Verwendung einer Vielzahl neuer Medien sowie die starke Praxisorientierung. Zudem kann die Veranstaltung überfakultär und interdisziplinär gestalten werden.

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