Ferenc Krausz (*1962)
Nobelpreis für Physik 2023
Der Physiker Ferenc Krausz erhielt 2023 den Nobelpreis für Physik für die Entwicklung von Attosekunden-Lichtpulsen. Mit ihnen machte er Elektronenbewegungen in Atomen erstmals direkt sichtbar. So untersuchte er auch das „Tunneln“: Dabei durchdringt ein Elektron eine Energiebarriere, die es nach klassischer Physik nicht überwinden dürfte – ähnlich wie ein Ball, der scheinbar durch eine Mauer gelangt. Dieses Verständnis ultraschneller Prozesse eröffnet neue Perspektiven für Elektronik und Medizin.
Zusammen mit Krausz ausgezeichnet wurden Anne L’Huillier von der Universität Lund sowie Pierre Agostini von der Ohio State University.
Svante Pääbo (*1955)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2022
Svante Pääbo erhielt 2022 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Begründung der Paläogenetik und die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. Ihm gelang es erstmals, DNA aus fossilen Überresten zu isolieren und zu analysieren, wodurch grundlegende Erkenntnisse zur Evolution des Menschen und zur genetischen Vermischung früher Menschenformen gewonnen wurden. Pääbo war ab 1990 Professor für Allgemeine Biologie an der LMU, wo er zentrale Arbeiten zur Analyse alter DNA durchführte und damit die Grundlagen für sein späteres wissenschaftliches Durchbruchswerk legte.
Reinhard Genzel (*1952)
Nobelpreis für Physik 2020
Reinhard Genzel erhielt 2020 gemeinsam mit Roger Penrose sowie Andrea Ghez den Nobelpreis für Physik. Penrose wurde für den theoretischen Nachweis ausgezeichnet, dass Schwarze Löcher eine zwingende Konsequenz der Allgemeinen Relativitätstheorie sind, während Genzel und Ghez die Existenz eines supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße experimentell nachwiesen. Genzel ist Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching und seit vielen Jahren Honorarprofessor an der LMU München, wo er eng in Forschung und akademische Lehre eingebunden ist.
Joachim Frank (*1940)
Nobelpreis für Chemie 2017
Joachim Frank erhielt 2017 gemeinsam mit Jacques Dubochet und Richard Henderson den Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie, die die hochauflösende Strukturanalyse biomolekularer Komplexe ermöglicht. Er studierte Physik in München und absolvierte von 1963 bis 1966 mit sieben Semestern einen wesentlichen Teil seiner akademischen Ausbildung an der LMU, bevor er seine Promotion an der Technischen Universität München abschloss. Die in München erworbenen physikalischen und methodischen Grundlagen prägten maßgeblich seine späteren Arbeiten zur Strukturbiologie.
Wolfgang Ketterle (*1957)
Nobelpreis für Physik 2001
Wolfgang Ketterle studierte Physik an der Universität Heidelberg und promovierte 1986 bei Herbert Walther, damals Professor für Experimentalphysik an der LMU sowie Direktor des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik in Garching. Ketterle kehrte anschließend zurück an die Universität Heidelberg, wo er sich vor allem mit Physikalischer Chemie befasste und unter anderem zu Verbrennungsmotoren forschte. 1990 wechselte Ketterle in die USA an das Massachusetts Institute of Technology. 2001 wurde Ketterle zusammen mit Eric A. Cornell und Carl E. Wieman „für die Erzeugung der Bose-Einstein-Kondensation in verdünnten Gasen aus Alkaliatomen und für frühe grundsätzliche Studien über die Eigenschaften der Kondensate“ mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Gerhard Ertl (*1936)
Nobelpreis für Chemie 2007
Gerhard Ertl studierte Physik in Stuttgart, Paris und in München an der LMU. Von 1973 bis 1986 forschte und lehrte er an der LMU als Professor für Physikalische Chemie. 1986 ging er als Direktor der Abteilung für Physikalische Chemie am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft nach Berlin.
Den Nobelpreis erhielt Ertl für die Aufklärung wichtiger Reaktionen an Oberflächen von Festkörpern, also von katalytischen Prozessen. Wichtige Ergebnisse seiner Forschungen dafür hat er an der LMU erzielt. Dazu gehört die Aufklärung der chemischen Vorgänge beim sogenannten Haber-Bosch-Verfahren, das die Landwirtschaft mit stickstoffhaltigem Dünger versorgt. Bei diesem Prozess wird aus einem Gasgemisch von Wasserstoff und Stickstoff Ammoniak gewonnen – erst Ertl konnte die zugrunde liegenden chemischen Vorgänge entschlüsseln.
Edmund S. Phelps (1933-2026)
Wirtschaftsnobelpreis 2006
Für seine Analyse intertemporaler Zielkonflikte in der makroökonomischen Politik wurde der US-amerikanische Ökonom mit dem Wirtschaftsnobelpreis – Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an Alfred Nobel – ausgezeichnet.
Er untersuchte in diesem Zusammenhang, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen kurzfristig und langfristig unterschiedliche – teilweise widersprüchliche – Folgen haben, besonders beim Verhältnis von Inflation und Arbeitslosigkeit. 1984 besuchte Phelps die LMU auf Einladung des Ökonomen Edwin von Böventer.
Theodor W. Hänsch (*1941)
Nobelpreis für Physik 2005
Theodor W. Hänsch erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahr 2005 zusammen mit dem US-amerikanischen Forscher John L. Hall. Die Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigte damit den Beitrag der beiden Physiker zur Entwicklung der laserbasierten Präzisionsspektroskopie, mit deren Hilfe die Farbe des Lichts von Atomen und Molekülen extrem genau bestimmt werden kann. Die beiden Forscher teilten sich eine Hälfte des Preises. Die andere Hälfte ging an den US-amerikanischen Forscher Roy J. Glauber, der ebenfalls auf dem Gebiet der Quantenoptik arbeitet.
Hänsch studierte Physik an der Universität Heidelberg und wurde dort 1969 promoviert. Von 1975 bis 1986 war er Professor für Physik an der Stanford University, USA, bevor er an die LMU auf den Lehrstuhl für Experimentalphysik und gleichzeitig zum Direktor des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik in München berufen wurde. Seit 2006 hält er an der LMU eine Stiftungsprofessur der Carl Friedrich von Siemens Stiftung.
Günter Blobel (1936–2018)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1999
Mit der Entdeckung der Signalsequenzen, die den gezielten Transport von Proteinen innerhalb der Zelle steuern, entdeckte Günter Blobel ein Grundprinzip der modernen Zellbiologie. Dafür wurde er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Er studierte Medizin unter anderem in München, wo er im Wintersemester 1957/58 an der LMU eingeschrieben war.
Bert Sakmann (*1942)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1991
Bert Sakmann studierte Medizin an der Universität Tübingen und an der LMU, wo er 1967 auch sein Staatsexamen ablegte. Von 1968 bis 1970 war er Arzt im Praktikum am Klinikum der Universität München. Sakmann habilitierte sich 1981 an der Universität Göttingen – es folgten Professuren unter anderem in Göttingen sowie an der Universität Heidelberg. Seit 2008 ist Bert Sakmann Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Neurobiologie Martinsried. 1991 erhielt Sakmann zusammen mit Erwin Neher den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entwicklung der Patch-Clamp-Technik. Das ist eine elektrophysiologische Analysemethode, mit der durch die Zellmembran gerichtete Ströme dargestellt werden können. Von 1999 bis 2007 gehörte Bert Sakmann zudem dem Hochschulrat der LMU an.
Hartmut Michel (*1948)
Nobelpreis für Chemie 1988
Hartmut Michel studierte von 1969 bis 1975 Biochemie an der Universität Tübingen, an der LMU und am Max-Planck-Institut (MPI) für Biochemie in Martinsried. 1977 wurde er an der Universität Würzburg promoviert, 1986 erfolgte die Habilitation an der LMU. Zeitgleich war Michel wissenschaftlicher Mitarbeiter und Arbeitsgruppenleiter am MPI für Biochemie. Bereits zwei Jahre nach seiner Habilitation wurde er zusammen mit Johann Deisenhofer und Robert Huber mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Sie erhielten die Auszeichnung für die Bestimmung der dreidimensionalen Molekülstruktur des Reaktionszentrums der Fotosynthese im Purpurbakterium Rhodopseudomonas viridis. Seit 1987 ist Michel Direktor im Bereich Molekulare Membranbiologie am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main.
Gerd Binnig (*1947)
Nobelpreis für Physik 1986
Gerd Binnig, der 1978 an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main promoviert wurde, erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahre 1986 zusammen mit Heinrich Rohrer für die Entwicklung des Rastertunnelmikroskops. Beide waren zu der Zeit am IBM-Forschungslabor in Zürich. Bei dem ausgezeichneten Verfahren tastet eine äußerst feine Spitze die Atomoberfläche ab. Die Regelung des gleichbleibenden Abstandes zwischen Spitze und Oberfläche erfolgt durch den sogenannten Tunnelstrom, der zwischen Spitze und Probe fließt, wenn elektrische Spannung an beide angelegt wird. Im Gegensatz zum Elektronenmikroskop arbeitet das Rastertunnelmikroskop einfacher und störungsfreier. Gerd Binnig ist seit 1986 Honorarprofessor an der LMU.
Ernst Otto Fischer (1918–2007)
Nobelpreis für Chemie 1973
Fischer begann 1941/42 ein Chemiestudium an der Technischen Universität München (TUM), das er 1949 abschloss. 1952 wurde Fischer an derselben Universität promoviert. 1957 wurde er außerordentlicher Professor für anorganische Chemie an der LMU; von 1959 bis 1964 hatte er ein persönliches Ordinariat an der LMU inne – einen nur auf seine Person bezogenen Lehrstuhl, der nach Emeritierung nicht mehr wiederbesetzt wurde. Fischer forschte unter anderem zu metallorganischen Sandwichkomplexen, also Hauptgruppen- beziehungsweise Übergangsmetallkomplexen, die zwei parallele, planare oder zyklische organische Liganden aufweisen. Gemäß dem Nobelpreiskomitee leistete er Pionierarbeit auf diesem Gebiet und bekam dafür im Jahr 1973 den weltweit wichtigsten Forschungspreis zusammen mit dem Briten Geoffrey Wilkinson. Von 1964 bis 1985 war Fischer Ordinarius an der TUM.
Karl Ritter von Frisch (1886–1982)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1973
Karl Ritter von Frisch war einer der bedeutendsten deutschen Verhaltensforscher. 1910 kam er ans Zoologische Institut der LMU, wo er sich zwei Jahre später habilitierte. Nach Zwischenstationen in Rostock und Breslau wurde er 1925 Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie an der LMU. Von 1946 bis 1950 in Graz, kehrte er wieder an die LMU zurück, wurde dort 1954 emeritiert und vertrat seinen eigenen Lehrstuhl bis 1958. Seine Forschungen setzte er auch danach noch intensiv fort.
Hierbei befasste er sich vor allem mit der westlichen Honigbiene; im Fokus seiner Forschung standen dabei unter anderem ihr Geruchs- und Geschmackssinn und vor allem ihr Orientierungsvermögen. So fand er etwa heraus, dass die Bienen Himmelsrichtungen einhalten können, indem sie die Sonne als Kompass benutzen.
Er erhielt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zusammen mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen (1907–1988) „für ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern“.
Konrad Lorenz (1903–1989)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1973
Konrad Lorenz studierte Medizin in New York und Wien. 1928 promovierte er in Wien. Bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1973 leitete er das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen.
Konrad Lorenz gilt als Begründer der vergleichenden Verhaltensforschung. Lorenz wies unter anderem nach, dass Tiere über ein Repertoire von angeborenen Verhaltensweisen verfügen, mit denen sie auf bestimmte Reize oder Signale reagieren. Werden bestimmte Verhaltensmuster nur in eng begrenzten Lebensphasen unwiderruflich festgelegt, spricht man von Prägung. So akzeptieren Graugansküken das Lebewesen als Mutter, das sie als Erstes nach dem Schlüpfen sehen – selbst wenn es sich dabei um einen Menschen handelt. Entsprechende Versuche machte Lorenz auch mit Dohlen. Konrad Lorenz war von 1957 bis 1989 Honorarprofessor an der LMU.
Der Verhaltensforscher war Mitglied der NSDAP und konnte sich mit der NS-Ideologie und ihrem Rassismus identifizieren. Zudem war er Mitarbeiter an rassekundlichen Experimenten der Wehrmacht.
Lorenz hat sich nie von seiner ideologischen Einstellung während des sogenannten „Dritten Reichs“ distanziert.
Odd Hassel (1897–1981)
Nobelpreis für Chemie 1969
Der Norweger Odd Hassel sowie der Brite Derek H. R. Barton wurden für ihre Arbeiten zur Entwicklung des Konformationsbegriffs und dessen Anwendung in der Chemie mit dem Nobelpreis geehrt. Hassel absolvierte im Wintersemester 1922/23 sowie im Sommersemester 1923 einen Studien- und Forschungsaufenthalt an der LMU, wo er unter anderem im Labor des Chemikers Kasimir Fajans arbeitete und wertvolle Erfahrungen in der experimentellen Forschung sammelte.
Hans Bethe (1906–2005)
Nobelpreis für Physik 1967
Hans Bethe studierte von 1926 bis 1928 an der LMU bei Arnold Sommerfeld, bei dem er auch im Jahr 1928 promoviert wurde. Nach kurzen Aufenthalten in Frankfurt und Stuttgart kam Bethe wieder an die LMU, wo er sich 1930 habilitierte und bis 1933 als Privatdozent wirkte. Hier arbeitete er weiter mit Sommerfeld zusammen. Bei Machtübernahme der Nazis verließ er als sogenannter „Halbjude“ Deutschland über England, um schließlich 1935 an die Cornell University in Ithaka, USA, zu wechseln. Dort blieb er bis zum Ende seines Lebens. In Los Alamos, USA, war Bethe zudem an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt, wenngleich er sich in späteren Jahren von der atomaren Aufrüstung distanzierte und eine friedliche Nutzung der Kernenergie propagierte.
Mit seiner Forschung zur Energieerzeugung der Sonne und der Sterne legte er einen wichtigen Grundstein für die moderne Astrophysik. Hierfür wurde er 1967 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Haldan Keffer Hartline (1903–1983)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1967
Haldan Keffer Hartline wurde 1967 gemeinsam mit Ragnar Granit und George Wald mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Hartline erhielt den Preis für grundlegende Entdeckungen über die physiologischen Prozesse des Sehens. Durch Experimente an der Netzhaut konnte er zeigen, wie Nervenzellen im Auge auf Lichtreize reagieren und wie durch sogenannte laterale Hemmung Kontraste verstärkt werden – ein zentraler Beitrag zum Verständnis der neuronalen Verarbeitung visueller Informationen.
Hartline studierte im Sommersemester 1930 sowie im Wintersemester 1930/31 an der LMU München, wo er Vorlesungen beim bedeutenden theoretischen Physiker Arnold Sommerfeld besuchte. Die dort gewonnenen physikalischen Grundlagen beeinflussten seine spätere neurophysiologische Forschung.
Feodor Lynen (1911–1979)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1964
Feodor Lynen war Schüler Heinrich Wielands an der LMU, wo er Chemie studierte. 1942 habilitierte er sich an der LMU und wurde hier 1947 zunächst außerordentlicher, 1953 ordentlicher Professor für Biochemie. Seine Arbeiten über die Abläufe des Stoffwechsels, insbesondere des Abbaus von Fettsäuren im Organismus, gaben der Erforschung und Therapie von Stoffwechselkrankheiten wichtige Impulse. Der Biochemiker Lynen erhielt den Nobelpreis für Medizin zusammen mit dem deutsch-amerikanischen Forscher Konrad Bloch (1912–2000) für ihre Entdeckungen über den Mechanismus und die Regulation des Stoffwechsels von Cholesterin und Fettsäuren. Er blieb München und der LMU, an der er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1979 Ordinarius war, treu. Selbst einen Ruf an die Harvard University lehnte er ab.
Linus Carl Pauling (1901–1994)
Nobelpreis für Chemie 1954 / Nobelpreis für Frieden 1962
Linus Carl Pauling wurde 1954 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet für seine grundlegenden Forschungen zur Natur der chemischen Bindung und zur Struktur von Molekülen. Seine Arbeiten verbanden Quantenmechanik mit Chemie und prägten das Verständnis der molekularen Struktur nachhaltig. Während eines Europaaufenthalts im Rahmen eines Stipendiums der Simon Guggenheim Memorial Foundation forschte Pauling 1926 auf Einladung des Physikers Arnold Sommerfeld auch am Institut für Theoretische Physik der LMU. Hier kam er mit den neuesten Entwicklungen der Quantenmechanik in Kontakt.
Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen engagierte sich Pauling intensiv gegen Atomwaffen und setzte sich für internationale Abrüstung ein. Für dieses Engagement wurde ihm 1962 der Nobelpreis für Frieden verliehen – damit ist er einer der wenigen Laureaten, die zwei Nobelpreise erhielten.
Fritz Albert Lipmann (1899–1986)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1953
Für die Entdeckung des Coenzyms A und seine zentrale Rolle im Zellstoffwechsel wurde Fritz Albert Lipmann 1953 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Er teilte sich den Preis mit Hans Adolf Krebs. Er studierte Medizin, im Sommersemester 1920 auch an der LMU.
1933 wurde Lipmann als jüdischer Wissenschaftler aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb verdrängt. Er emigrierte zunächst nach Dänemark, später in die USA.
Hermann Staudinger (1881–1965)
Nobelpreis für Chemie 1953
Hermann Staudinger erhielt 1953 den Nobelpreis für Chemie für seine wegweisenden Arbeiten zur makromolekularen Chemie, mit denen er den Grundstein für die moderne Polymerwissenschaft legte. Seine Forschung veränderte nachhaltig das Verständnis von Kunststoffen und biologischen Makromolekülen. Er studierte im Sommersemester 1900 sowie im Wintersemester 1900/1901 an der LMU.
Hans Adolf Krebs (1900–1981)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1953
Hans Adolf Krebs erhielt 1953 den Nobelpreis für die Entdeckung des Citratzyklus, eines zentralen Stoffwechselwegs der Zellatmung. Er teilte sich den Preis mit Fritz Albert Lipmann. Zwei Semester – Wintersemester 1921/22 und Sommersemester 1922 – seines von 1918 bis 1923 dauernden Medizinstudiums verbrachte er an der LMU.
1933 wurde Krebs als jüdischer Wissenschaftler zunächst beurlaubt und anschließend entlassen; daraufhin floh er nach England, wo er seine wissenschaftliche Karriere erfolgreich fortsetzte.
Wendell Meredith Stanley (1904–1971)
Nobelpreis für Chemie 1946
Zusammen mit John H. Northrop wurde Stanley mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit ihre Leistung bei der Darstellung von Enzymen und Virus-Proteinen in reiner Form.
Stanley war 1930 Dozent an der Universität von Illinois und erhielt in dieser Zeit ein Stipendium des National Research Council im Fach Chemie, das er im akademischen Jahr 1930 bis 1931 bei Heinrich Wieland in München absolvierte. Seine Arbeit in Wielands Institut befasste sich mit der Charakterisierung der Sterole in Hefe.
Wolfgang Pauli (1900–1958)
Nobelpreis für Physik 1945
Pauli studierte ab 1919 an der LMU bei Arnold Sommerfeld Physik und beendete das Studium bereits 1921 mit der Promotion. Es folgten Tätigkeiten unter anderem an den Universitäten Göttingen, Kopenhagen, Princeton und schließlich – nach dem Zweiten Weltkrieg – an der ETH Zürich. Pauli forschte insbesondere auf dem Gebiet der Quantenmechanik. Im Jahre 1945 wurde Wolfgang Pauli, der zu dieser Zeit an der Princeton University in den USA tätig war, für die Entdeckung des Ausschließungsprinzips – des nach ihm benannten „Pauli-Prinzips“ – mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Das Prinzip dient der quantentheoretischen Erklärung des Aufbaus eines Atoms. Es postuliert, dass keine Elektronen in einem Atom in allen Quantenzahlen übereinstimmen können. Wolfgang Pauli war auch an der Begründung des CERN in Genf beteiligt.
Otto Hahn (1879–1968)
Nobelpreis für Chemie 1944
Otto Hahn bekam den Nobelpreis für Chemie 1944 für die Entdeckung der Kernspaltung schwerer Atomkerne, eine zentrale Grundlage der Kernchemie und Kernphysik. Während seines Studiums verbrachte er sein zweites Studienjahr in München an der LMU – Sommersemester 1898 und Wintersemester 1898/99. Obwohl Hahn kein Mitglied nationalsozialistischer Organisationen war, war seine Forschung zur Kernspaltung indirekt in die deutschen Bemühungen um den Bau einer Atombombe eingebunden.
Isidor Isaac Rabi (1898–1988)
Nobelpreis für Physik 1944
Der Physiker Isidor Rabi unternahm nach dem Erwerb des PhD an der Columbia University 1926 eine Forschungsreise nach Europa, wo er unter anderem auch eine Zeit lang bei Arnold Sommerfeld am Institut für Theoretische Physik an der LMU forschte.
1944 wurde er mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, mit dem er für seine Entdeckung der Magnetresonanzmethode geehrt wurde, die wesentlich sicherere experimentelle Ergebnisse bei der Messung des Kernspins ermöglichte. Diese Methode entwickelte sich zu einem bedeutenden Forschungsgebiet und wurde zur Grundlage der medizinischen Diagnosetechnik, die als Magnetresonanztomographie (MRT) bekannt ist.
Adolf Butenandt (1903–1995)
Nobelpreis für Chemie 1939
Der Nobelpreis für Chemie des Jahres 1939 ging an Adolf Butenandt. Geehrt wurde er für seine Forschungen auf dem Gebiet der Sexualhormone. Er teilte sich die Auszeichnung mit dem an der ETH Zürich forschenden Leopold Ruzicka. Butenandt studierte in Marburg Chemie und Biologie und wechselte anschließend nach Göttingen, wo er auch promoviert wurde. 1931 habilitierte sich Butenandt in Göttingen und war von 1933 bis 1936 Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt. Seit 1936 war er Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biochemie in Berlin, das während des Zweiten Weltkriegs in die Entwicklung chemischer Kampfstoffe eingebunden war.
1952 wurde er an das Institut für Physiologische Medizin der LMU berufen, das heute seinen Namen trägt. Von 1955 bis zu seinem Amtsantritt als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft im Jahr 1960 war Butenandt in Personalunion Vorstand des Instituts für Physiologische Chemie der LMU und Direktor des Max-Planck-Instituts für Biochemie. Für Butenandt wurde eigens ein zusätzliches Ordinariat für Physiologische Chemie geschaffen, das er bis zu seiner Emeritierung innehatte. Seine Rolle während der NS-Zeit ist bis heute umstritten. So hat das NSDAP-Mitglied Butenandt unter anderem an der Zeitschrift „Der Biologe“ mitgewirkt, die von der SS-Forschungseinrichtung Deutsches Ahnenerbe herausgegeben wurde.
Richard Kuhn (1900–1967)
Nobelpreis für Chemie 1938
Kuhn studierte zunächst Chemie in Wien und später bei Richard Willstätter an der LMU, bei dem er 1922 seine Promotion abschloss. Bevor er einen Ruf an die ETH Zürich annahm, war Kuhn nach seiner Habilitation von 1925 bis 1926 Privatdozent an der LMU. Er befasste sich vor allem mit theoretischen Problemen der Organischen Chemie, ebenso wie mit Biochemie.
Den Nobelpreis für Chemie erhielt er im Jahr 1938 für seine Arbeit an den Carotinoiden und Vitaminen. Zu dieser Zeit forschte er am Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Obwohl er Nationalsozialist war, durfte er den Preis nicht annehmen.
Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war Kuhn vor allem mit der Entwicklung von chemischen Kampfstoffen befasst; so entstand in Zusammenarbeit mit Konrad Henkel das Giftgas Soman. Im Jahr 1936 denunzierte Kuhn drei jüdische Mitarbeiter des KWI.
Die 1968 von der BASF gestiftete und von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergebene Richard-Kuhn-Medaille wird aufgrund der Vergangenheit des Forschers zur Zeit des Nationalsozialismus seit 2005 nicht mehr verliehen.
Peter Debye (1884–1966)
Nobelpreis für Chemie 1936
Der Niederländer Peter Debye studierte an der RWTH Aachen Physik und war dort Assistent im Bereich Technische Mechanik. Schließlich folgte er seinem Aachener Lehrer Arnold Sommerfeld bei dessen Wechsel an die LMU im Jahr 1906. Zwei Jahre später promovierte er bei Sommerfeld und im Jahr 1910 folgte – als Assistent bei Sommerfeld – die Habilitation. Debye war von 1910 bis 1911 Privatdozent an der LMU. 1911 wurde er Professor für Theoretische Physik an der Universität Zürich. Seine wissenschaftlichen Leistungen betrafen unter anderem die Quantenphysik, die Röntgenstrukturanalyse oder die Mikrowellenspektroskopie von Flüssigkeiten. Im Jahr 1936 wurde Peter Debye für seine Studien zu Molekülstrukturen und Dipolmomenten sowie zur Bestimmung der Molekülstruktur von Substanzen mithilfe der Beugung von Röntgenstrahlen mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Er war zu diesem Zeitpunkt Direktor am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin.
Otto Loewi (1873–1961)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1936
Otto Loewi wurde 1936 gemeinsam mit Henry H. Dale mit dem Nobelpreis ausgezeichnet für den Nachweis, dass Nervenimpulse chemisch übertragen werden – eine Entdeckung, die mit dem „Vagusstoff“ Acetylcholin den ersten Neurotransmitter identifizierte. Zu Beginn seines Medizinstudiums absolvierte Loewi im Wintersemester 1893/94 und im Sommersemester 1894 einen Studienabschnitt in München an der LMU, bevor er nach Straßburg wechselte und dort promoviert wurde. Als jüdischer Wissenschaftler war Loewi nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt; er wurde kurzzeitig inhaftiert und zur Emigration gezwungen. Später setzte er seine Forschung in den USA fort.
Hans Spemann (1869–1941)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1935
Hans Spemann erhielt 1935 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung des sogenannten Organisator-Effekts, der zeigt, dass bestimmte Regionen des Embryos die Entwicklung benachbarter Zellen steuern.
Spemann studierte zunächst Medizin in Heidelberg und absolvierte im Wintersemester 1893/94 einen Studienabschnitt in München an der LMU. Anschließend wechselte er nach Würzburg, wo er 1895 promoviert wurde und sich 1898 habilitierte. Seine wissenschaftlich prägendste Arbeit entstand später als Professor in Rostock und Freiburg.
Werner Heisenberg (1901–1976)
Nobelpreis für Physik 1932
1920 begann Werner Heisenberg ein Studium der Physik an der LMU, wo sein Vater Professor für Byzantinistik war. Mit einem Stipendium der Stiftung Maximilianeum studierte er bei Arnold Sommerfeld, der ihn förderte. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem Wilhelm Wien und Arnold Sommerfeld. Anschließend studierte Heisenberg in Göttingen; promoviert wurde er 1923 wiederum an der LMU. In Göttingen habilitierte er sich und wechselte schließlich nach Kopenhagen. Von 1927 bis 1941 war Heisenberg Professor in Leipzig. Wegen einer gewissen Zurückhaltung gegenüber dem Nationalsozialismus wurde Heisenberg 1936 nicht auf den Lehrstuhl für Physik an der LMU berufen. Ab 1941 war er dann Professor an der Universität und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik in Berlin. Heisenberg war maßgeblich am sogenannten Uran-Projekt – dem deutschen Atomwaffenprogramm – beteiligt.
Bereits mit 31 Jahren erhielt er den Nobelpreis für Physik „für die Begründung der Quantenmechanik, deren Anwendung – unter anderem – zur Entdeckung der allotropen Formen des Wasserstoffs geführt hat“, so die Laudatio. Heisenbergs Name ist zudem mit der nach ihm benannten Unschärferelation beziehungsweise Unbestimmtheitsrelation verbunden. Seine Theorie zur Quantenmechanik hatte er bereits 1925 veröffentlicht, als er 24 Jahre alt war.
Er bereitete den Umzug des Max-Planck-Instituts für Physik von Göttingen nach München ab dem Jahr 1955 vor. Als dessen Direktor ging er mit nach München, wo er zudem von 1959 bis zu seinem Tod 1976 als Honorarprofessor an der LMU wirkte. Heisenberg war Mitunterzeichner der „Göttinger Erklärung“ von 1957, mit der sich 18 renommierte Atomforscher für den ausschließlich friedlichen Einsatz der Atomenergie und gegen die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen aussprachen.
Hans Fischer (1881–1945)
Nobelpreis für Chemie 1930
Hans Fischer studierte zunächst Chemie und Medizin in Lausanne und Marburg, wo er 1904 mit einer chemischen Arbeit promoviert wurde. Er wechselte nach München zu dem bekannten Internisten Friedrich von Müller, wo er seine chemischen Kenntnisse einbringen konnte, und wurde dort 1908 mit einer medizinischen Dissertation promoviert. 1911 von einem Berliner Studienaufenthalt nach München zurückgekehrt, habilitierte sich Fischer 1912 für das Fach der Inneren Medizin und wirkte an der II. Medizinischen Klinik als Privatdozent und ab 1915 als außerordentlicher Professor für Physiologie. Nach Professuren in Innsbruck und Wien kehrte er 1922 überraschend nach München zurück, nun allerdings als Nachfolger Heinrich Wielands auf den Lehrstuhl für Organische Chemie an der Technischen Hochschule München – heute TUM.
Fischers wissenschaftliche Arbeit fokussierte vor allem auf die Erforschung der Eigenschaften von Pigmenten im Blut, in der Gallenflüssigkeit, aber auch in Pflanzen. Ihm gelang die Synthese von Hämin – einer komplexen Porphyrinverbindung mit einem Eisenatom als zentralem Atom. Für diese Arbeit wurde ihm 1930 der Nobelpreis zuerkannt, als er als Professor an der Technischen Hochschule tätig war. Aufgrund der Zerstörung seines Münchner Labors und damit der Basis seiner Forschungsarbeit im Zweiten Weltkrieg nahm sich Fischer 1945 das Leben.
Karl Landsteiner (1868–1943)
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1930
Karl Landsteiner erhielt 1930 den Nobelpreis für die Entdeckung des AB0-Blutgruppensystems, das erstmals sichere Bluttransfusionen ermöglichte. Landsteiner studierte Medizin in Wien, wo er auch promoviert wurde, sowie Chemie, unter anderem im Sommersemester 1892 und im Wintersemester 1892/93 an der LMU. Als jüdischer Wissenschaftler war Landsteiner Opfer des NS-Regimes: Er emigrierte in die USA, wo er seine Forschung am Rockefeller Institute fortsetzte.
Hans von Euler-Chelpin (1873–1964)
Nobelpreis für Chemie 1929
Hans von Euler-Chelpin erhielt 1929 den Nobelpreis für Chemie für seine grundlegenden Arbeiten zur chemischen Natur der Gärung und zur Rolle von Enzymen. Er bekam die Auszeichnung zusammen mit dem Briten Arthur Harden. Euler-Chelpin war ab dem Wintersemester 1891/92 durchgängig bis zum Sommersemester 1893 für Chemie an der LMU eingeschrieben. Danach wechselte er nach Berlin, wo er 1895 promoviert wurde. Der Forscher, der seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in Schweden forschte, zeigte politisch eine deutliche Nähe zum Nationalsozialismus; er sympathisierte mit ideologischen Positionen der NSDAP und unterstützte deren Rassenlehre.
Thomas Mann (1875–1955)
Nobelpreis für Literatur 1929
Der Schriftsteller Thomas Mann, der im Jahr 1929 den Nobelpreis für Literatur vor allem für seinen Roman Die Buddenbrooks erhalten hat, war eng mit München verbunden. An der LMU hörte er Vorlesungen in Geschichte, Ökonomie und Literatur und war Gast auf zahlreichen akademischen Veranstaltungen. Zudem hielt er Vorträge an der Universität. Er war jedoch nicht an der LMU immatrikuliert oder Dozent.
Heute erinnern eine Büste und eine Gedenktafel in der nach ihm benannten Halle im Nordflügel des LMU-Hauptgebäudes an den Dichter.
Heinrich Wieland (1877–1957)
Nobelpreis für Chemie 1927
Heinrich Wieland folgte Richard Willstätter 1925 ans Chemische Institut der LMU nach. Wieland studierte nicht nur an der LMU; hier wurde er 1901 auch promoviert und habilitierte sich im Jahr 1905. 1925 wurde er zum ordentlichen Professor an der LMU berufen. Wieland erhielt den Nobelpreis für Chemie im Jahr 1927 für seine Forschungen über die Zusammensetzung der Gallensäure und verwandter Substanzen. Da er als kriegswichtig eingestufte Forschung betrieb, liefen während der NS-Diktatur nicht nur mehrere Denunziationsversuche gegen ihn ins Leere; er konnte auch mehrere sogenannte „Halbjuden“ als Gäste in seinen Arbeitskreis aufnehmen und so der Verfolgung durch die staatlichen Organe entziehen, so etwa die spätere Politikerin Hildegard Hamm-Brücher. Zudem setzte er sich – leider erfolglos – für seinen Studenten Hans Leipelt ein, als dieser wegen seiner Mitgliedschaft beim Widerstandskreis Weiße Rose vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt wurde.
Gustav Hertz (1887–1975)
Nobelpreis für Physik 1925
Gustav Hertz erhielt 1925 gemeinsam mit James Franck den Nobelpreis für Physik für das Franck-Hertz-Experiment, mit dem erstmals die Existenz diskreter Energiezustände in Atomen experimentell nachgewiesen wurde – ein grundlegender Beitrag zur Entwicklung der Quantenphysik.
Hertz studierte im Sommersemester 1907 Mathematik an der LMU.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Gustav Hertz aufgrund seiner familiären Herkunft aus dem akademischen Dienst verdrängt und enteignet.
Richard Adolf Zsigmondy (1865–1929)
Nobelpreis für Chemie 1925
Richard Adolf Zsigmondy erhielt 1925 den Nobelpreis für Chemie für seine grundlegenden Arbeiten zur Kolloidchemie und für die Entwicklung des Ultramikroskops, mit dem feinste Teilchen erstmals sichtbar gemacht werden konnten.
Zsigmondy studierte Chemie an der LMU im Wintersemester 1887/88 sowie im Sommersemester 1888.
Seine wegweisenden, zum Nobelpreis führenden Forschungen entstanden jedoch erst nach seiner Münchner Zeit an anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.
Johannes Stark (1874–1957)
Nobelpreis für Physik 1919
Johannes Stark studierte an der LMU unter anderem Physik, Mathematik und Chemie und promovierte 1897 bei Eugen von Lommel, für den er noch bis 1900 als Assistent tätig war. Er habilitierte sich später in Göttingen und lehrte bis 1922 dort sowie in Hannover, Aachen und Würzburg. Stark wurde 1919, als er an der Universität Greifswald war, mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Er erhielt den Preis für die Entdeckung des Dopplereffekts an Kanalstrahlen und die Aufspaltung der Spektrallinien in elektrischen Feldern.
Stark war Mitbegründer und Repräsentant der sogenannten „Deutschen Physik“, die während des Nationalsozialismus die moderne, durch Relativitätstheorie und Quantenmechanik geprägte Physik angriff und stattdessen die Experimentalphysik propagierte. Es gibt Belege, dass Stark das antisemitische Postulat aufstellte, vor allem jüdische Physiker hätten sich vom Experiment als Tatsachengrundlage gelöst und ihre Theorien würden lediglich auf Gedankenexperimenten beruhen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Stark im Spruchkammerverfahren zunächst als Hauptschuldiger, dann jedoch als „Mitläufer“ eingestuft.
Max Planck (1858–1947)
Nobelpreis für Physik 1918
1874 schrieb sich Max Planck an der LMU für ein Studium der Mathematik und Naturwissenschaften ein. Er studierte zwischenzeitlich ein Jahr in Berlin an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität), um dann an der LMU 1879 zu promovieren und sich 1880 zu habilitieren. Es folgte eine Privatdozentur an der LMU von 1880 bis 1885. Anschließend ging Planck nach Kiel, wo er an der Universität bis 1889 als außerordentlicher Professor tätig war. Planck wurde danach an die Friedrich-Wilhelms-Universität berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1926 blieb.
Er wurde Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, deren Nachfolgeorganisation seit 1948 seinen Namen trägt, und bekleidete dieses Amt bis 1937. Max Planck gilt als Begründer der Quantentheorie, die die Physik ganz entschieden weiterentwickelte und sie zu einem Grundlagenfach der Naturwissenschaften machte. Er wurde hierfür im Jahr 1918 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Richard Willstätter (1872–1942)
Nobelpreis für Chemie 1915
Richard Willstätter studierte Chemie an der LMU bei Adolf von Baeyer, bei dem er auch im Jahr 1894 mit einer bei Alfred Einhorn entstandenen Dissertation promoviert wurde. Zwei Jahre später habilitierte er sich ebenfalls an der LMU. 1902 wirkte Willstätter als außerordentlicher und ab 1905 als ordentlicher Professor für Chemie an der ETH Zürich. Im Jahr 1915 nahm er den Ruf als Ordinarius an die LMU an. Fast zeitgleich erhielt er den Nobelpreis. Mit dem Preis gewürdigt wurden seine Untersuchungen der Farbstoffe im Pflanzenreich, insbesondere des Chlorophylls – des entscheidenden Farbstoffs für die Fotosynthese der Pflanzen. Zudem konnte er zeigen, dass dieses grüne Pigment, das den Pflanzen erlaubt, Lichtenergie umzuwandeln, Magnesium enthält. Willstätter trat 1925 als Ordinarius zurück – aus Protest gegen die zunehmende antisemitische Stimmung an der LMU. Er forschte zwar in München weiter, emigrierte jedoch 1939 auf Druck der Gestapo in die Schweiz.
Max von Laue (1879–1960)
Nobelpreis für Physik 1914
Max von Laue studierte Mathematik, Physik und Chemie in Straßburg. Nach Aufenthalten unter anderem an den Universitäten in Göttingen und Berlin habilitierte er sich 1909 an der LMU und hielt bis 1912 als Privatdozent Vorlesungen zur Optik, Thermodynamik und Relativitätstheorie. In München gelang ihm durch die Beugung von Röntgenstrahlen am Kristall überdies zweierlei: der Nachweis der Wellennatur der Röntgenstrahlung sowie der periodischen Gitterstruktur kristalliner Substanzen. Hierfür wurde er 1914 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. 1912 wechselte er an die Universität Zürich, 1914 nach Frankfurt am Main. 1919 wurde von Laue an die Universität Berlin berufen und stellvertretender Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik. Nach 1933 verteidigte er die diffamierte sogenannte „jüdische Physik“ Einsteins. Ab 1946 wirkte er als stellvertretender Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik in Göttingen und übernahm 1951 die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie – des heutigen Fritz-Haber-Instituts – in Berlin.
Wilhelm Wien (1864–1928)
Nobelpreis für Physik 1911
Der Nobelpreis für Physik ging im Jahr 1911 an den Physiker Wilhelm Wien, der damit für seine Forschungen zu den Gesetzmäßigkeiten der Wärmestrahlung ausgezeichnet wurde. Anstoß für diese Forschung war die vor allem ökonomisch motivierte Frage, ob eine Gas- oder eine elektrische Beleuchtung günstiger sei. Wien begann Messungen zur Strahlung, die 1896 in einer Formel mündeten, die große Teile der gemessenen Werte richtig wiedergab.
Den Nobelpreis erhielt Wien während seiner Tätigkeit an der Universität Würzburg. Im Jahr 1920 wechselte er nach München an die LMU, wo er, wie bereits in Würzburg, die Nachfolge von Wilhelm Conrad Röntgen übernahm. Wilhelm Wien war von 1925 bis 1926 zudem Rektor der LMU.
Paul Heyse (1830–1914)
Nobelpreis für Literatur 1910
Paul Heyse war ein deutscher Schriftsteller des Realismus. Er erhielt 1910 den Literaturnobelpreis als Hommage an die vollendete, von Idealismus durchdrungene Kunstfertigkeit, die er im Laufe seiner langen, fruchtbaren Karriere als Lyriker, Dramatiker, Romanautor und Verfasser weltberühmter Kurzgeschichten unter Beweis gestellt hat. Sein Werk prägte das literarische Leben Münchens maßgeblich. Ab 1854 lebte Heyse in München und erhielt im selben Jahr vom Bayerischen König Maximilian II. das Vorlesungsrecht an der LMU im Fach Romanische Philologie, das er jedoch nicht wahrnahm.
Eduard Buchner (1860–1917)
Nobelpreis für Chemie 1907
Buchner studierte an der LMU Organische Chemie bei Adolf von Baeyer, Botanik bei Carl von Nägeli sowie Physik. 1888 wurde er an der LMU als Schüler von Baeyer und Theodor Curtius promoviert. 1891 habilitierte sich Buchner an der LMU und war hier bis 1893 Privatdozent.
Buchner begann mit Unterstützung seines Bruders Hans, Mediziner und Bakteriologe an der LMU, am Botanischen Institut mit Forschungen zu Hefepilzen sowie zum Sauerstoffeinfluss bei Gärprozessen. Diese Forschung wurde immer wieder unterbrochen, etwa durch Aufenthalte an den Universitäten in Kiel oder Tübingen, wo Buchner als außerplanmäßiger Professor tätig war.
1896 begann Buchner während eines Ferienaufenthalts in München wieder erfolgreich mit seinen Forschungen zu Hefezellen am Hygienischen Institut der LMU. Ein Jahr später wurde seine Arbeit „Über alkoholische Gärung ohne Hefezellen“ veröffentlicht. Im Jahr 1907 wurde er hierfür mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Buchner war zu dieser Zeit Ordinarius für Chemie an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin.
Adolf von Baeyer (1835–1917)
Nobelpreis für Chemie 1905
Der Chemiker Adolf von Baeyer erhielt den Nobelpreis für Chemie im Jahr 1905. Ausgezeichnet wurde er vor allem für die Synthese des Indigo sowie der Triphenylmethan-Farbstoffe. Nach dem Tod Justus von Liebigs wurde er 1873 an die LMU berufen, wo er ein angesehenes chemisches Laboratorium aufbaute und bis zu seiner Emeritierung wirkte. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker verleiht seit 1911 die Adolf-von-Baeyer-Gedenkmünze, die 1910 von Carl Duisberg gestiftet wurde und an Chemiker mit herausragenden Forschungsleistungen und Entdeckungen vergeben wird. Aus der Baeyer-Schule gingen zahlreiche weitere Nobelpreisträger hervor.
Emil Fischer (1852–1919)
Nobelpreis für Chemie 1902
Emil Fischer begann 1871 ein Studium der Chemie in Bonn. 1872 ging er nach Straßburg, wo er Adolf von Baeyer traf, dem er 1875 an die LMU folgte. 1878 habilitierte sich Fischer und wurde 1879 außerordentlicher Professor für Analytische Chemie an der LMU. Er galt neben Adolf von Baeyer als wichtigster Forscher in diesem Bereich. 1882 folgte er einem Ruf nach Erlangen, 1885 nach Würzburg und 1892 nach Berlin.
Fischer entdeckte an der LMU unter anderem das Phenylhydrazin, das zum Beispiel in der Produktion von Agrarchemikalien, Farbstoffen und Pharmazeutika zur Anwendung kommt, aber auch als Nachweisreagenz für Aldehyde und Ketone dient und eine wichtige Rolle bei seiner späteren Forschung spielte. Fischer forschte zudem über die Verbindungen des Harnstoffs, der Zucker, aber auch über Aminosäuren, Proteine sowie deren Synthese. Für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Zucker- und Purinsynthese erhielt er 1902 während seiner Zeit an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (der heutigen Humboldt-Universität) den Nobelpreis für Chemie.
Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923)
Nobelpreis für Physik 1901
Wilhelm Conrad Röntgen absolvierte ein technisches Studium an der ETH Zürich und studierte in einem Aufbaustudium zudem Physik, das er 1869 mit der Promotion beendete. Seine Habilitation erfolgte an der Universität Straßburg. Im Jahr 1900 wurde er an die LMU berufen, ein Jahr später erhielt er den Nobelpreis für Physik. Er war der erste Wissenschaftler, der in dieser Disziplin mit dem Preis ausgezeichnet wurde. Röntgen erhielt ihn vor allem für seine Forschung zu den von ihm entdeckten und nach ihm benannten X-Strahlen. Diese Entdeckung, die er 1895 während seiner Tätigkeit an der Universität Würzburg machte, eröffnete ganz neue Möglichkeiten in der medizinischen Diagnostik und ebnete den Weg für weitere wichtige Entdeckungen und Forschungen – etwa die der Radioaktivität. Wilhelm Conrad Röntgen war bis zu seiner Emeritierung 1920 Professor an der LMU.