„Die Freude der Teilnehmenden zu erleben, ist wunderbar”

Der Assessor des Forstdienstes im LMU-Wald, Christoph Dimke, über die Faszination des Waldes, was wir von der Natur lernen können und warum ihm die Bäume des Deutschlandstipendiums besonders am Herzen liegen.

Fördernde und Geförderte bei der Baumpflanzung 2025

Wer das Deutschlandstipendium an der LMU unterstützt, engagiert sich nicht nur für junge Menschen, sondern auch für das Klima: Jede Förderin und jeder Förderer hat die einzigartige Gelegenheit, im LMU-Wald bei Landshut einen Baum zu pflanzen – inklusive Plakette und Urkunde. Christoph Dimke erzählt im Interview, wie es den Bäumen der Unterstützerinnen und Unterstützer ergangen ist, welche Geheimnisse der Wald preisgibt und warum ein LMU-Förster manchmal auch ein Sozialarbeiter ist.

"Die Baumpflanzaktion mit dem Team des Deutschlandstipendiums ist eine wirklich sinnstiftende und nützliche Zusammenarbeit."

Christoph Dimke

"Die Baumpflanzaktion mit dem Team des Deutschlandstipendiums ist eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit."

Herr Dimke, Sie sind Assessor des Forstdienstes. Seit wann arbeiten Sie im LMU-Wald und was sind dabei Ihre Aufgaben?

Christoph Dimke: Im Grunde genommen bin ich seit Beginn meines Studiums der Forstwissenschaften an der LMU im Uniwald tätig. Damals war ich als studentische Hilfskraft und als Jagdgast aktiv. Selbst während meines Referendariats konnte ich vom Uniwald nicht „loslassen“. Nach dem Studium absolvierte ich das Referendariat, womit ich den Titel "Assessor des Forstdienstes" erwarb. Seit 2000 bin ich als Diplom-Forstwirt (Univ.) an der LMU-Forstverwaltung fest angestellt. Ich unterstütze die Betriebsleitung, wirke bei Forschung, Lehre und Ausbildung mit, organisiere Betriebsabläufe von Bestandsbegründung bis Holzverkauf, beauftrage, kontrolliere und verwalte alle Arbeiten im Wald sowie der zugehörigen Liegenschaften. Die Organisation der Jagd und Vermarktung fallen in meinen Zuständigkeitsbereich. Ich bin Jagd- und Forstschutzberechtigter sowie Hilfsbeamter der Staatsanwaltschaft. Haushalts- und Jahresplanungen werden von mir erstellt. Die Idee der Baumpflanzaktion mit dem Team des Deutschlandstipendiums entstand im Rahmen meiner Öffentlichkeitsarbeit.

Wie viel Zeit Ihrer Arbeitszeit verbringen Sie in der Natur – und könnten Sie sich noch einen klassischen Bürojob vorstellen?

Dimke: Ich bin im Schwarzwald auf einem Bauernhof aufgewachsen und daher seit Kindheit viel in der Natur. Ich habe ein großes Interesse an Natur und Umwelt, die Tätigkeiten im Wald und meine Bewegungsfreude, machen den Beruf für mich so attraktiv. Ich kann mir einen klassischen Büroalltag für mich nur schwer vorstellen. Die nötigen Dokumentationen und Verwaltungsaufgaben lassen sich gut in meine täglichen Abläufe integrieren und sorgen für Abwechslung bei allen Punkten die die Tätigkeiten im und für den Wald beinhalten. Nicht jeder mag bei Wind, Regen oder Kälte draußen sein. Für mich ist das aber kein Schmutz, sondern Erde und Leben. Ganz ausschließen möchte ich einen Bürojob jedoch nicht.

Wird man demütiger, wenn man jeden Tag bei Wind und Wetter in der Natur arbeitet?

Dimke: Ich bin dankbar für das, was ist. Natürlich ist alles in Bewegung, und Veränderungen gehen oft schneller, sodass sichtbar wird, welche Grenzen die Möglichkeiten der Anpassung von Mensch und Natur haben. Unwetter können jahrelange Arbeit zunichtemachen und große Rückschläge bedeuten. Ja, eine gewisse Demut ist mir eigen. Jahrhunderte alte Bäume faszinieren mich besonders. Sie haben so viel erlebt. Mich beeindruckt, wie sich der Wald anpasst und welche Dynamik darin steckt. Man pflanzt ein Bäumchen – und nach acht Jahren ist es fünf Meter hoch. Förster denken in langen Zeiträumen: 50 bis 200 Jahre bis zur Ernte. In meiner Heimat wird ein nachhaltiger Umgang mit dem Wald gepflegt – ein Generationenvertrag. Ich wünsche mir, dass dieser achtsame Umgang überall selbstverständlich wird. Waldbaden ist dagegen nur ein kurzer Moment der Entspannung – meine Sicht auf den Wald umfasst Jahrhunderte.

"Einen Baum zu pflanzen ist fast wie die Geburt eines Kindes – Leben entsteht für die nächste Generation."

Christoph Dimke

"Einen Baum zu pflanzen ist fast wie die Geburt eines Kindes – Leben entsteht für die nächste Generation."

Viele glauben, man könne den Wald einfach sich selbst überlassen. Was wäre die Konsequenz?

Dimke: Entscheidend ist immer die Ausgangssituation des Waldes wie z.B. die Baumartenzusammensetzung, Standort und bisherige Nutzung. Mit dem Eingriff des Menschen in die Natur – der Dezimierung der Räuber, Stickstoffeintrag und sonstige menschliche Einflüsse wie z.B. die Jagd aus der Geschichte und Kultur heraus– wurde das Gleichgewicht verändert. Wild könnte sich z.B. dadurch schneller vermehren, Folgen wären erhöhter Verbiss, Entmischung und ggf. Entstehung von Monokulturen und damit weniger Baumartenvielfalt sowie instabile Bestände. Durch die Entstehung von Totholz würde sich jedoch das Mikrohabitat und die Artenvielfalt erhöhen. Ich denke, dass wir eine gute Artenvielfallt und eine recht gute Resilienz durch eine naturnahe Bewirtschaftung, wie wir es im LMU-Wald betreiben, sehr gut erreichen können.

Kennen Sie alle „Ihre“ Bäume und Tiere im Wald?

Dimke: Ich traue mir zu, diese Frage mit Ja zu beantworten. Ich bin seit über 30 Jahren bei Tag und Nacht im Wald unterwegs. Nachts sind die Sinne wacher – da nimmt man vieles noch einmal intensiver wahr.

Haben Sie einen Lieblingsort im Wald oder ein prägendes Erlebnis?

Dimke: Es gibt Orte mit besonderer Aura – der gesamte Uniwald ist für mich ein Lieblingsort. Besonders positiv sind Momente der Ruhe, etwa auf dem Ansitz, wenn man die Stille hören kann. Oder wenn man die Entwicklung der gepflanzten Bäume des Deutschlandstipendiums sieht. Diese Freude der Teilnehmenden zu erleben, ist wunderbar. Einen Baum zu pflanzen ist fast wie die Geburt eines Kindes – Leben entsteht für die nächste Generation. Der „Waldtag“ des Deutschlandstipendiums ist jedes Mal erfüllt von Freude und zugleich Gelassenheit, im Wahrsten Sine des Wortes erden sich die Teilnehmer. Im Wald lassen sich auch Probleme besser besprechen – „Walk and Talk“. Manchmal kommen Fremde oder Studierende auf mich zu und erzählen mir ihre Sorgen. Ein LMU- Förster ist dann ab und zu auch mal ein „Sozialarbeiter“.

Leider gibt es auch negative Erlebnisse: illegale Müllentsorgung, Wilderei, Vandalismus oder Suizide. Besonders prägend war ein Mann, der drei Monate im Wald lebte und sich auf eine Reise nach Israel vorbereitete. Ich half ihm, soweit er es zuließ. Solche Begegnungen bewegen mich. Auch die Arbeit mit unterschiedlichen Menschengruppen – Spaziergänger, Mountainbiker, Wissenschaftler, Jäger – ist spannend. Ihr Verhalten hat sich in den letzten Jahren verändert.

"Die Baumpflanzaktion schafft Verbindungen zwischen Stipendiaten, Sponsoren und der LMU."

Förderer und Geförderte bei der Pflanzung eines Baumes

"Die Baumpflanzaktion schafft Verbindungen zwischen Stipendiaten, Sponsoren und der LMU." | © LMU

Was verrät der Wald noch?

Dimke: Ich sehe im Wald Parallelen zur Gesellschaft. Nur wenn alles im Gleichgewicht ist, ist ein harmonisches Leben möglich. Der Wald zeigt, wie Leben weitergeht, auch wenn es stürmisch wird. Er lehrt Widerstandskraft und Loslassen. Bäume durchlaufen Lebensphasen wie wir Menschen – vom Wachsen über das Reifen bis zum Vergehen. Der Wald ist für mich wie ein Spinnennetz: Zupft man daran, schwingt alles mit. Forstlich betrachtet erkennt man Alter, Pflegezustand, Schäden oder Tieraktivität – man ist fast ein „Wald-Profiler“.

Wie geht es den Bäumen, die die Förderinnen und Förderer des Deutschlandstipendiums gepflanzt haben?

Dimke: Auf der ersten Fläche gab es zunächst Anwuchsprobleme, doch mittlerweile gedeihen die Bäume prächtig. Spätere Pflanzungen wurden an natürliche Prozesse angepasst – mit großem Erfolg. Die letzte Pflanzung im Frühjahr 2025 hatte 100 Prozent Anwuchs. Das zeigt: Nicht wir bestimmen den Zeitpunkt, sondern die Natur.

Wie hilft das Baumpflanzprogramm des Deutschlandstipendiums dem LMU-Wald?

Dimke: Forstlich gesehen werden Lücken und Schadflächen bepflanzt. Zwischenmenschlich ist es ein großartiges Erlebnis: Menschen aller Altersgruppen kommen mit der Natur in Kontakt, erleben körperliche Arbeit, Verantwortung und Sinnhaftigkeit. Durch die Aktion wird der LMU-Wald positiv wahrgenommen. Sie schafft Verbindungen zwischen Stipendiaten, Sponsoren und der Universität. Selbst wer die LMU verlässt, behält die positive Erinnerung. Vielleicht wird so mancher später selbst zum Sponsor. Der Tag bedeutet für mich Mehraufwand, ist aber jedes Mal ein Highlight.

Christoph Dimke

© LMU

Wie hat sich Ihre Arbeit durch den Klimawandel verändert?

Dimke: Der Uniwald ist gut vorbereitet. Schon vor 25 Jahren begann ich mit dem Waldumbau. Heute ist er vielschichtiger und artenreicher – das macht ihn widerstandsfähig. Mischwälder sind der Schlüssel für die Zukunft. Sollte ein Schadereignis eintreten, hilft mir der Blick aufs Positive: „Never give up – der Wille zählt.“

Wie stellen Sie sich den Wald in 50 Jahren vor?

Dimke: Ich wünsche mir, dass die Bäume des Deutschlandstipendiums dann stark und gesund sind. Ein Wald ist mehr als ein Holzacker – Wald ist Emotion, Zukunft, Leben. Ich hoffe, dass meine Arbeit dazu beiträgt, dass der LMU-Wald auch in 50 Jahren stabil bleibt.

Jetzt Fördernde an der LMU werden!

Die Programmkoordination des Deutschlandstipendiums an der LMU steht Ihnen als persönliche Anlaufstelle für alle Fragen rund um Ihr Förderengagement zur Verfügung. Sie berät Sie umfassend zu den Zielen, Fördermöglichkeiten und organisatorischen Rahmenbedingungen des Deutschlandstipendiums und begleitet Sie bei der Ausgestaltung Ihres individuellen Beitrags.

Ein vertrauensvoller und langfristiger Austausch mit unseren Förderinnen und Förderern ist uns dabei ein besonderes Anliegen. Gerne nehmen wir uns Zeit für ein persönliches Gespräch und freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen talentierte und engagierte Studierende auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen.

Programmkoordination Deutschlandstipendium

Alejandra Riedmiller

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