„Eine sehr willkommene Aktion“
Der Betriebsleiter des LMU-Waldes, Professor Thomas Knoke, über Verantwortung, Nachhaltigkeit und das Baumpatenschaftsprogramm des Deutschlandstipendiums
Der Betriebsleiter des LMU-Waldes, Professor Thomas Knoke, über Verantwortung, Nachhaltigkeit und das Baumpatenschaftsprogramm des Deutschlandstipendiums
Als Zeichen der Dankbarkeit vergibt die LMU jedes Jahr an alle Fördernden des Deutschlandstipendiums eine Baumpatenschaft. So wird die finanzielle Unterstützung zu einem doppelt nachhaltigen Projekt. Professor Thomas Knoke, Leiter der Professur für Waldinventur und nachhaltige Nutzung, erklärt im Interview, was den LMU-Wald bei Landshut so besonders macht, warum auch Studierende davon profitieren und wie durch die Baumpflanzaktion nicht nur kluge Köpfe gefördert werden, sondern auch Wurzeln für kommende Generationen gelegt werden.
Betriebsleiter des Universitätswaldes, Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung | © LMU
Herr Professor Knoke, der Universitätswald gehört seit einem Dekret des späteren Königs Max I. im Jahr 1802 zur LMU. Als Betriebsleiter des Universitätswaldes haben Sie in Deutschland einen Arbeitsplatz, den es sonst kein zweites Mal gibt.
Thomas Knoke: Die Arbeit im Universitätswald ist herausfordernd und macht mir viel Freude. Ich könnte mir in der Tat keinen schöneren Beruf vorstellen als die Leitung meiner Professur für Waldinventur und nachhaltige Nutzung in Verbindung mit der Betriebsleitung des Universitätswaldes.
Was macht den LMU-Wald darüber hinaus so besonders?
Knoke: Der Universitätswald ist vielfältig und bildet eine hervorragende Forschungs- und Lehrplattform für die LMU und die Technische Universität München (TUM). Gerade wird beispielsweise das Thema „Resilienz des Waldes“ mit Hilfe einer einzigartigen Versuchsanlage, dem Projekt LabForest, von Forschenden der LMU, der TUM und der Technischen Universität Dresden untersucht. Der Universitätswald macht so echte interdisziplinäre Forschung möglich.
Holzernte | © LMU
Welche Folgen haben die durch die Erderwärmung zunehmenden Stürme oder der Borkenkäferbefall?
Knoke: Ab 2015 häuften sich Störungen im Universitätswald, vor allem durch Borkenkäfer. Diese Entwicklung hat unter anderem zur Implementierung des LabForest-Forschungsprojektes geführt. Störungen prägen seitdem den Alltag. Regelmäßig müssen wir deshalb unplanmäßig Holz ernten. Das ist weniger problematisch, wenn der Holzpreis gut ist. Bei niedrigem Holzpreis, wie beispielsweise 2020, entstehen durch Störungen jedoch große Kosten. Für diese hat ein Forschungsteam kürzlich einen Anstieg in Europa von 115 auf 247 Milliarden Euro unter starkem Klimawandel abgeschätzt. Störungen haben aber nicht nur Nachteile. Sie bringen neue Strukturen in den Wald, bieten ein zeitlich begrenztes Fenster für erhöhte Biodiversität auf den gestörten Flächen und eröffnen Chancen für die Einbringung besser an warmes Klima angepasster Baumarten.
Baumpatenschaft Deutschlandstipendium 2025 | © LMU
Welche Bedeutung haben die regelmäßigen Baumpflanzaktionen des Deutschlandstipendiums für den LMU-Wald beziehungsweise für die öffentliche Wahrnehmung?
Knoke: Diese Aktionen stellen eine willkommene Gelegenheit für den Austausch mit der Universität sowie deren Unterstützenden dar. „Es ist wichtig, frühzeitig junge Bäumchen unter dem Kronenschirm der älteren Bäume zu etablieren.“
Zu Ihren Aufgaben gehört es auch, den LMU-Wald durch Biodiversität resilienter zu machen. Was waren oder sind die wichtigsten Maßnahmen?
Knoke: Eine hohe Biodiversität kann zur Resilienz eines Waldes beitragen, indem dieser sich nach starken Störungen schnell wieder erholt. Dazu trägt beispielsweise die Baumartenvielfalt bei, denn wenn eine Baumart ausfällt, können andere ihre Funktionen übernehmen. Für uns ist aber besonders wichtig, frühzeitig junge Bäumchen unter dem Kronenschirm der älteren Bäume zu etablieren. Müssen dann die älteren Bäume aufgrund von Störungen geerntet werden oder sterben sie ab, können die jungen Bäume rasch die Funktionen des Waldes regenerieren. Dagegen ist es sehr mühsam, einen Wald auf blankem Boden und ohne den Schutz älterer Bäume wieder neu zu etablieren. Die frühzeitige Einbringung junger Bäume bildet somit für uns ein „Sicherheitsnetz“.
Baumpatenschaft des Deutschlandstipendiums 2024 | © LMU
Wie lassen sich wirtschaftliche Interessen und ökologische Verantwortung langfristig in Balance halten?
Knoke: Waldwirtschaft ist ein Beispiel dafür, dass eine solche Balance gelingen kann. Allerdings müssen wir von dem Versuch absehen, den maximalen kurzfristigen Profit aus dem Wald herausholen zu wollen. Weil wir gar nicht vorhersehen können, welche Bäume und welche Waldbehandlungen bei all den Unsicherheiten langfristig erfolgreich sein werden, sind Vielfalt und auch die Beteiligung von aus heutiger Sicht noch weniger rentablen Baumarten und Bestandstypen wichtig. Den möglicherweise etwas geringeren Durchschnittsgewinn müssen wir als eine Art Versicherungsprämie in Kauf nehmen. Die Vielfalt zur Risikostreuung unterstützt auch Ökosystemleistungen neben der Holzbereitstellung, wie zum Beispiel Kohlenstoffspeicherung oder Habitatschutz.
Welche Baumarten haben im LMU-Wald die besten Zukunftsaussichten?
Knoke: Das lässt sich kaum vorhersagen, daher arbeiten wir mit vielen Baumarten. Dabei spielen auch Nadelhölzer eine tragende Rolle, etwa Tannen, Lärchen und Douglasien. Wir machen Experimente mit Zedern und Nussbäumen. Als besonders an wärmeres Klima angepasst gelten zudem Edelkastanien, Eichen und Schwarzkiefern.
Sie sagen, man müsse die Forstwirtschaft international begreifen.
Knoke: Internationalisierung ist wichtig. Deutschland trägt beispielsweise durch seine Importe mit Platz vier in der Weltrangliste gleich hinter China stark zu weltweiten Habitatverlusten bei. Je besser wir uns durch heimische Produktion mit Rohstoffen wie Holz versorgen können, umso mehr können wir Raubbau in anderen Ländern zur Deckung unseres Bedarfes eindämmen. Unsere internationalen Kontakte sind vielfältig. Wir hatten etwa kürzlich Besuch internationaler Studierender aus Ecuador, deren Professor vor circa 20 Jahren den bei uns angebotenen Studiengang „Sustainable Resource Management“ absolviert hat. Wir kooperieren beispielsweise auch mit Forschenden aus Äthiopien, Chile, Südafrika, der Schweiz und Österreich.
Dabei arbeiten auch regelmäßig Studierende mit und unterstützen die Forschung, etwa im Rahmen von Abschlussarbeiten. Wie profitieren beide Seiten davon?
Knoke: Der LMU-Wald gewinnt einzigartige Informationen und die Studierenden können Themen bearbeiten, die für die praktische Bewirtschaftung des Universitätswaldes wichtig sind.
Welche Berufsmöglichkeiten eröffnen sich für Absolventinnen und Absolventen?
Knoke: Unser Studienbereich „Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement“ betreut zwischen 900 und 1000 Studierende und auch die Forstfakultät der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Weihenstephan/Triesdorf ist sehr von Studierenden nachgefragt. Es gibt also genügend Nachwuchs, der für die Resilienz der Forstbranche ebenso wichtig ist wie die jungen Bäume für die Resilienz des Waldes. Derzeit wird von zahlreichen Arbeitgebenden händeringend nach Absolventen und Absolventinnen gesucht. Auch wenn sich die derzeit exzellenten Berufseinsichten in Zukunft wieder auf ein „normales“ Maß einpendeln dürften, kann die Forstwissenschaft und die Forstwirtschaft auch zukünftig als höchst attraktiv gelten.