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Brücke zwischen Theater und Welt

28.08.2023

Dramaturgen und Dramaturginnen lernen ihr Handwerk in einem Kooperationsstudiengang der Theaterakademie August Everding mit der LMU.

Die Frage von Elisa von Issendorf und Esther Beisecker ist nicht ohne: „Wann waren Sie zuletzt wütend und warum?“ Beim Einparken, lautet eine Antwort aus dem Publikum. Eine andere: Das ist mir zu persönlich.

Die beiden Dramaturgiestudentinnen, die in das Stück „Wut – ein Ausbruch für Sieben“ einführen, legen ein paar Infos nach: Wut ist eine körperliche Reaktion. Etwas, das man ungern zulässt und zeigt. Es findet im Kollektiv statt und im Privaten. Und natürlich von je her im Theater. Die Erinnyen, Medea, Klytaimnestra: Alles große Zürnende, die zwar nie in einer Warteschleife hängen oder eine Cola aus dem Automaten rütteln mussten, aber mit Wutgefühlen so vertraut waren wie der Mensch von heute.

Sechs Wochen lang begleiteten Elisa und Esther die allmähliche Entstehung des Stückes, das im Juni am Akademietheater in München Premiere feierte. Sie recherchierten, informierten ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen aus dem benachbarten Schauspielstudiengang, gaben Feedback, verfassten ein Programmheft und bereiteten den Einführungsabend vor. Bei all dem hatten sie immer auch das künftige Publikum im Blick. Denn darum geht es ja: eine verlässliche Brücke zu schlagen zwischen Theater und Welt.

Eine Schauspielerin trägt ein männliche Muskulatur überzeichnendes Kostüm. Sie steht hinter gelb-schwarzem Absperrband. Hinter hier ist auf einer Wand das übergröße Wort Wut zu lesen.

„Wut“

An dem Stück, das jüngst in der Theaterakademie August Everding Premiere feierte, haben Studierende der Dramaturgie von Theaterakademie und LMU mitgearbeitet.

© Cordula Treml

„Theater ist total krass“

Elisa erinnert sich an ein Schlüsselerlebnis: Das Stück „Tintenherz“ wurde gegeben, am Frankfurter Schauspiel. Ein Haus voller Kinder, sie selbst mittendrin. Der Junge neben ihr zappelte und protestierte. Aber als es los ging, wurde er ganz still. Nach dem Schlussapplaus hielt er sich an seinem Sitz fest. „Das war das Krasseste, was ich je gesehen habe!“, sagte er. Seither weiß Elisa, dass sie genau diese Erfahrung ganz vielen Menschen ermöglichen will, jungen und alten: „Dass Theater total krass ist!“

Mit dem Masterstudiengang Dramaturgie hat sich für Esther und Elisa, wie sie sagen, ein Traum erfüllt. „Die Ausbildung an der Akademie ist einzigartig, weil wir schon während des Studiums in der Dramaturgie arbeiten“, sagt Esther. Die Kooperation zwischen LMU und der Theaterakademie August Everding ermöglicht es den Studierenden, Theorie und Praxis zu verbinden.

Voraussetzung für die Aufnahme ins Masterstudium ist nicht nur ein geisteswissenschaftlicher Bachelor, sondern auch eine bestandene künstlerische Aufnahmeprüfung, in der Fähigkeiten wie die Analyse dramatischer Texte ebenso abgefragt werden wie künstlerische Visionen und praktische Vorerfahrungen. Theaterwissenschaftliche Inhalte, etwa Methodenreflektion und Dramenanalyse, befruchten die künstlerische Arbeit der derzeit dreizehn Dramaturgiestudierenden, die alle Produktionen der Akademie begleiten: Musicals und Opern ebenso wie Sprechtheaterstücke.

Anspruchsvoller Stundenplan

„Man erarbeitet sich hier ein Netzwerk fürs Leben!“, ist sich Elisa von Issendorf sicher. Die Atmosphäre im schönen Garten an der Ostflanke des Prinzregententheaters genießen die Studierenden ebenso wie den Austausch mit ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen am Theaterwissenschaftlichen Institut der LMU. Anspruchsvoll ist der Stundenplan allerdings auch: „Wir haben sehr, sehr volle Curricula“, sagt Esther. „Das Studium zu meistern, ist schon eine Herausforderung!“

Belohnt wird der Einsatz mit guten Berufsaussichten. Denn Dramaturgen und Dramaturginnen sind gefragt, wie die Präsidentin der Akademie, Professorin Barbara Gronau, erklärt. „Der Markt hat sich vergrößert. Was der Beruf meint und umfasst, unterliegt allerdings permanenten Veränderungen.“ Dramaturgie werde immer mehr Teil des Leitungssystems eines Theaters. „Die Theater müssen Sichtbarkeit anstreben und sich im öffentlichen Raum positionieren“, erklärt Gronau. „Sie können es sich nicht leisten, sich auf dem Kanon altbekannter Stücke auszuruhen.

Es geht um Corporate Identity. Die Antworten, die jedes Theater selbst formuliert, unterscheiden sich. So entsteht die Vielfalt der Theater. Um offen zu bleiben: Das ist die Überlebensfrage.“

Dass das Theater auch in Zukunft lebendig bleiben wird, ist für Elisa und Esther eine Selbstverständlichkeit. „Das Theater war schon immer im ständigen Wandel. Es kann sich sehr gut anpassen“, sagt Elisa. „Und wir sind mittendrin im Prozess und begleiten diese Veränderung.“ Sie selbst weiß auch schon ganz genau, wo und wie sie das tun wird: Als Dramaturgin am Theater Trier. Den Vertrag hat sie bereits in der Tasche.

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