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"Der Bereich der Zukunft“

14.07.2020

Frisch unter die besten Anwälte Deutschlands gewählt: LMU-Alumna Corinna Sobottka über die IT-Branche und wie sie sich für Frauenförderung einsetzt.

Rechtsanwältin Corinna Schneiderbauer im Portrait

Corinna Sobottka | © privat

Sie wurden gerade vom Handelsblatt und Best Lawyers zu einer der besten Anwält:innen Deutschlands für IT-Recht gewählt, sind aber gerademal 31 Jahre alt. Wie haben Sie das so schnell geschafft?

Eine große Rolle spielt mit Sicherheit, dass ich innerhalb meines Fachgebietes – in meinem Falle das IT-Recht – Themen gefunden habe für die ich stehe und für die ich mich unglaublich interessiere. Das ist für einen Anwalt sehr wichtig, denn diese Themen vertritt er dann sowohl innerhalb seiner Kanzlei als auch nach außen gegenüber Mandanten. Bei mir sind das die Themen Influencer Marketing und Social Media sowie die Beratung von Online Plattformen. Entscheidend ist, sich mit diesen Themen gut auszukennen und sich so ein Profil zu verschaffen.

Zudem braucht man als Anwalt auch ein gewisses Entrepreneurship, denn man ist letztlich Unternehmer. Eigeninitiative zu ergreifen und eigenverantwortlich zu arbeiten spielt eine große Rolle. Dabei hatte ich großes Glück mit der Kanzlei, in der ich 2016 nach meinem Referendariat angefangen habe. SKW Schwarz legt besonderen Wert auf Anwaltspersönlichkeiten und darauf, in diese Richtung auszubilden. Daher konnte ich schon recht früh Verantwortung übernehmen und in Mandantenkontakt treten.

Wie haben Sie reagiert, als Sie die Auszeichnung bekommen haben?

Vor ein paar Wochen hatte ich eine Email bekommen, aber in den ganzen Nachrichten ist sie eher untergegangen und ich dachte: Das ist bestimmt Spam. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, als die Liste veröffentlicht wurde und meine Kollegin mir den Link geschickt hat. Ich habe mich total geehrt gefühlt, weil auf dieser Liste die renommiertesten Anwälte Deutschlands in ihren jeweiligen Fachgebieten geführt sind. Dass ich jetzt, nach nur vier Berufsjahren, schon auf dieser Liste stehe, ist irgendwie unfassbar.

Im Bereich IT-Recht finden sich unter 212 Nominierten lediglich 27 Frauennamen. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Das IT-Recht sowie die gesamte IT- und Digitalbranche war lange Zeit eine reine Männerdomäne. Man kann zwar beobachten, dass sich im Fachbereich IT und Digital Business ein Wandel vollzieht. Aber während auf Associate Ebene fifty-fifty Frauen und Männern arbeiten, sind es auf Partnerlevel fast ausschließlich männliche Partner in den meisten Kanzleien. Wir registrieren, da wir ja mit Mandanten aus dem IT- und Digitalbereich zusammenarbeiten, dass es in der gesamten Branche ähnlich ist. Es ist an der Zeit, etwas zu ändern und Frauenförderung in dieser Branche mit zu betreiben.

Wie könnte so eine Frauenförderung aussehen?

Im vergangenen Jahr habe ich zusammen mit Kolleginnen von SKW eine Initiative namens „Digital Female Event“ gestartet. Das ist ein Veranstaltungsformat für Frauen in der Digitalbranche. Es behandelt Themen, mit denen Frauen in der Branche täglich konfrontiert werden, die ihren Arbeitsalltag bestimmen. Wir schaffen die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten darüber auszutauschen. Dieser Erfahrungsaustausch ist wichtig, aber auch die Vernetzung und dass man sich gegenseitig unterstützt und Tipps gibt für engagierte und aufstrebende Frauen in der Digitalbranche. Vor Ausbruch der Corona Pandemie fand unser erstes Event in München statt. Dort hatten wir ein Panel mit rund hundert Gästen aus allen Bereichen der IT-Branche mit dem Thema: „Der Weg nach oben. Wie kommen Frauen in der Digitalbranche in Führungspositionen?“. Die Panelistinnen kamen von Microsoft, Amazon, Flixbus und primeCrowd. Der fachübergreifende Austausch war super interessant. Wir haben gemerkt, dass solche Events unglaublich zusammenschweißen und inspirierend sind. Daher wollen wir dieses Veranstaltungsformat, sobald möglich, weiter fortsetzen.

Was sind die Problematiken, mit denen sich Frauen in der IT- Branche konfrontiert sehen?

Die IT-Branche ist zwar speziell, aber letztlich sind es Themen, die branchenübergreifend immer wieder aufkommen. Die Führungsebenen sind mit Männern besetzt. Häufig existiert ein Buddy System: Männer fördern andere Männer, aus unterschiedlichsten Gründen: Sei es, weil sie Vorbehalte haben weibliche Mitarbeiterinnen speziell zu fördern und meinen, dass es zum Beispiel komisch rüberkommen könnte, wenn sie alleine mit einer weiblichen Mitarbeiterin Mittagessen gehen, während so ein Gedanke bei einem männlichen Mitarbeiter gar nicht erst aufkommen würde. Da herrscht eine gewisse Verunsicherung. Teilweise merken sie aber auch gar nicht, dass sie unterbewusst Leute fördern, die ihnen sehr ähnlich sind. Für Frauen bedeutet das: Wir müssen lernen, uns nicht mehr sagen zu lassen, was wir zu tun und wie wir uns zu verhalten haben. Häufig wird ja gesagt, um Erfolg zu haben müsse sich eine Frau an die Businesswelt anpassen. Das soll abernicht das Ziel sein. Vielmehr sollen Frauen sie selbst sein können – keine Kopie von einem Mann. Frauen sollen authentisch auftreten können, so wie sie sich wohlfühlen. Zudem muss sich die Unternehmenskultur ändern. Wichtig sind etwa festgelegte Vereinbarungen mit dem Ziel, dass mehr Frauen in den Führungszirkel befördert werden.

Die IT-Branche ist also kein einfaches Berufsfeld für Frauen. Dennoch haben Sie sich darauf spezialisiert. Wie kamen Sie darauf, genau in diesem Bereich als Juristin tätig sein zu wollen?

Während meines Studiums habe ich beim Radio gejobbt, bei einer Zeitung geschrieben und beim Fernsehen gearbeitet und wollte in die Medienrechtrichtung gehen. Unter anderem deswegen habe ich bei SKW Schwarzangefangen, eine für Medien- und Filmrecht sehr renommierte Kanzlei. Beim Berufseinstieg habe ich dann schnell gemerkt, dass sich der Medienkonsum in den letzten Jahren extrem gewandelt hat. Denn wir konsumieren eigentlich alle Medien digital: Von Online-News über Social Media bis hin zu Streamingplattformen. Der Bereich gewinnt immer mehr an Bedeutung und ich habe gesehen, dass da die Zukunft liegt. Es ist zudem unglaublich spannend, neue Entwicklungen im IT-Bereich mitzubegleiten. Etwa, schon Wochen und Monate im Voraus neue Funktionen auf Plattformen, die wir jeden Tag nutzen, rechtlich zu überprüfen. Oder mit Startup-Gründern ihr Geschäftsmodell zu verproben und zu sehen: Was gibt es für neue Entwicklungen bei Apps und Plattformen?

Was würden Sie Jurastudierenden an der LMU als Ratschlag mitgeben?

Das Jura-Studium an der LMU ist überhaupt nicht verschult, sondern erfordert viel Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Daher sollte man neben den Pflichtveranstaltungen die Chance nutzen, in verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern. Ich habe beispielsweise während meines Studiums ein sehr spannendes Seminar zum Presserecht gemacht – was mich bestärkt hat in den Medienrechtbereich zu gehen. Ich kann außerdem jedem empfehlen, neben dem Studium verschiedene Jobs zu machen – gerade meine Werkstudententätigkeit beim Fernsehen war super interessant.