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„Es ist relativ einfach, ein Praktikum im Ausland zu finden“

30.03.2015

Warum es sich lohnt, 20 Bewerbungen für ein Auslandspraktikum zu schreiben und wie man es vermeidet, während seines Praktikums nur Kaffee zu kochen. Ein Interview mit Johannes Hoch von Student und Arbeitsmarkt.

Warum sollten Studierende unbedingt ein Praktikum im Ausland machen?Johannes Hoch: Ein Praktikum ist die perfekte Vorbereitung aufs Berufsleben. Praktika – aber auch Werkstudentenjobs – helfen Studierenden herauszufinden, was sie später im Beruf machen möchten. Ein Praktikum im Ausland hat zusätzliche Vorteile: Man verbessert seine Sprachkenntnisse und arbeitet in einem ganz anderen kulturellen Umfeld. Außerdem kann man einfach mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, in Israel zu arbeiten, als Meeresbiologe in der Karibik zu tauchen oder als Marketing-Mitarbeiter in London zu leben. Und für Akademiker gehört eine Auslandserfahrung fast schon zum Lebenslauf dazu.

Was raten Sie Studierenden, die ein Praktikum im Ausland machen möchten? Zunächst sollten sie sich überlegen, wo sie überhaupt arbeiten möchten. Wenn Studierende sich zum Beispiel für ein Marketing-Praktikum in Sydney entschieden haben, ist der erste Schritt schon gemacht. Der nächste ist relativ einfach: Man sucht nach Firmen in dieser Branche, schreibt diese initiativ an oder sucht auf der Praktikumsbörse von Student und Arbeitsmarkt oder anderen Jobbörsen wie www.erasmusintern.org. Viele Tipps bieten auch die Praktikumsberichte auf unserer Website. Es gibt aber auch ungewöhnliche Wege, ein Praktikum zu bekommen: Eine Studentin, die in der Partnerstadt von ihrem Heimatort ein Praktikum machen wollte, hat einfach den Bürgermeister gefragt – und ein Praktikum im Tourismusbüro der Partnerstadt bekommen. Mein Fazit ist: Alles ist legitim, wenn es zu einem sinnvollen Praktikum führt!

Wie vermeide ich es, während meines Praktikums nur Kaffee zu kochen? Man sollte immer nachfragen: Was kommt konkret auf mich zu? Wie sehen die drei Arbeitsmonate aus? Auch ein Praktikumsplan ist sinnvoll. Und wenn es nicht das Richtige ist, ist es durchaus in Ordnung, das Praktikum wieder abzusagen.

Für welche Praktika gehen Studentinnen und Studenten ins Ausland? Es gibt viele Geschichten, die zeigen, welche tolle Möglichkeiten es für Praktika gibt: Von Studenten, die in Äthiopien einen Brunnen bohren, über Praktika in einem Verlag in Lateinamerika bis hin zur deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Warschau. Auch Praktika bei NGOs im Nahen Osten gibt es: Eine Praktikantin hat dort versucht, Palästinenser und Israeli durch gemeinsame Aktionen wie Kochen oder Reisen einander näher zu bringen. Und eine Studentin hat in Kuala Lumpur bei einer deutschen Zeitung ein Praktikum gemacht und dabei geholfen, die Printausgabe neu aufzulegen und ein neues Design für die Zeitung zu etablieren. Spannend sind auch Praktika bei den bayerischen Vertretungen in Kanada oder Japan, bei denen es um den Austausch Bayerns mit der jeweiligen Region geht.

Wie können sich Studenten einen solchen Auslandsaufenthalt finanzieren? Gerade im Ausland gibt es leider viele Praktika, die unbezahlt sind. Aber je teurer die Stadt ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass man für sein Praktikum Geld bekommt. Und: unbedingt mit dem Arbeitgeber verhandeln! In London kann man beispielsweise fragen, ob das Unternehmen die U-Bahn-Karte übernimmt, da diese dort sehr teuer ist. Zudem kann man sich für Stipendien bewerben. Diese sind jedoch meist nur ein Zuschuss und reichen oft nicht aus, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren.Was viele Studierende nicht wissen: Bei einem Praktikumsstipendium kommt es nicht auf sehr gute Noten im Studium, sondern darauf an, dass man ein tolles Praktikum gefunden hat, das dem Studierenden etwas für den weiteren beruflichen Lebensweg bringt. Außerdem ist es wichtig, wie der Studierende zu seinem Praktikum gekommen ist. Es wird eher jemand unterstützt, der sein Praktikum selbst gefunden hat, als jemand, der viel Geld an eine Vermittlungsagentur gezahlt hat, damit diese ihm ein Praktikum organisiert.

Sollten sich Studierende generell nicht an Vermittlungsagenturen wenden? Eine Vermittlungsagentur für Praktika kann eine weitere Hilfestellung für Studenten sein – allerdings nur als Notlösung. Denn diese Vermittlung kostet richtig viel Geld und dieses Geld braucht man selbst, wenn man ein Praktikum im Ausland plant. Ein Praktikum zu finden, ist außerdem einfacher, als viele Studierende denken. Man darf nicht vergessen, dass man ein qualifizierter Mitarbeiter in einem Unternehmen ist, der relativ wenig kostet. Die einzige Hürde ist, dass man selbst die Initiative ergreifen muss. Viele Praktika werden nicht ausgeschrieben, obwohl es durchaus möglich ist, dort zu arbeiten.

Wenn Studierende kein Praktikum finden, liegt es meist daran, dass sie Bewerbungen an eine info@-Adresse geschickt haben: Sinnvoller ist es, erst einmal in der Firma anzurufen und nachzufragen, ob überhaupt ein Praktikum möglich ist. Außerdem stellt sich oft heraus, dass sie gerade einmal fünf Bewerbungen geschrieben haben. Dass darauf nicht unbedingt fünf Zusagen kommen, ist relativ wahrscheinlich. Für ein Auslandspraktikum sollten Studierende mit 20 bis 30 Bewerbungen rechnen.

Gibt es Veranstaltungen an der LMU, die die Suche nach einem Praktikum erleichtern? Am 6. Mai findet der Internationale Tag an der LMU statt, auf dem wir von Student und Arbeitsmarkt Studierende zum Thema Auslandspraktikum beraten. In der Woche vom 18. Mai gibt es zudem die Branchentreffs an der LMU, auf denen sich Unternehmen aller Fachbereiche vorstellen. Diese Firmen bieten ebenfalls Praktika und Jobs für Studenten an und man kann sich bei ihnen direkt auf der Messe bewerben. Zudem bietet eine Kollegin von mir von der York St John University (England) ein Seminar zu „How to apply in English“ und CV-Checks an.

Jobline LMU

Johannes Hoch berät Studierende bei Student und Arbeitsmarkt, dem Career-Service der LMU, zu Praktika im Ausland. Gerade wurde er vom DAAD zum Experten für Erasmus-Praktika gewählt.

Interview: Constanze Drewlo