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Geckos leuchten unter UV-Licht neon-grün

11.01.2021

Forschende der LMU, der Zoologischen Staatssammlung München und der Hochschule München haben einen neuen Fluoreszenzmechanismus bei Landwirbeltieren entdeckt.

Aufnahme des Wüstengeckos (Pachydactylus rangei) aus der Namib

Leuchtender Wüstengecko (Pachydactylus rangei) aus der Namib.

Gut zu sehen sind der fluoreszierende Seitenstreifen und der Ring um die Augen. | © David Prötzel ZSM / LMU

Biofluoreszenz ist von zahlreichen Meeresorganismen bekannt, bei Landwirbeltieren wurde dieses Phänomen jedoch erst in den letzten Jahren vermehrt beschrieben. In allen bisher bekannten Fällen wird die Fluoreszenz bei Reptilien und Amphibien entweder durch Knochen oder durch Fluoreszenz-Moleküle in der Lymphflüssigkeit unter der Haut verursacht. Nun hat ein Team von Forschenden der Zoologischen Staatssammlung München, der Ludwig-Maximilians-Universität und der Hochschule München einen neuen Fluoreszenzmechanismus bei Landwirbeltieren entdeckt. Der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia zeigt unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen. „Bereits auf den ersten Blick fiel auf, dass bei den Wüstengeckos ein neuer Mechanismus vorliegen musste", sagt David Prötzel, Erstautor der Studie. „Die deutlich neon-grün fluoreszierenden Muster entstammen ganz klar der Haut."


Aufnahme des Wüstengeckos (Pachydactylus rangei) aus der Namib

© David Prötzel ZSM / LMU

Histologische Untersuchungen bei den Wüstengeckos ergaben, dass in den fluoreszierenden Bereichen der Haut zahlreiche spezielle Pigmentzellen, sogenannte Iridophoren, eingelagert sind, die in den nicht-fluoreszierenden Bereichen fehlen. Iridophoren leisten durch die Reflektion von Licht einen entscheidenden Beitrag zur Färbung der Haut von Geckos und auch anderen Echsen. Nun konnte zum ersten Mal bei Landwirbeltieren gezeigt werden, dass manche Iridophoren auch fluoreszieren können. „Dieser Effekt ist wesentlich stärker als die knochenbasierte Fluoreszenz, die wir vor drei Jahren bei Chamäleons entdeckt haben, und ist eines der stärksten Fluoreszenzphänomene, die bei Landwirbeltieren bisher beobachtet wurden“, sagt Frank Glaw, Kurator für Reptilien und Amphibien an der Zoologischen Staatssammlung.

Bei ihren nächtlichen Wanderungen durch die Namib-Wüste haben die Geckos als Lichtquelle nur das Mondlicht zur Verfügung. Dessen blauer Anteil wird von den fluoreszierenden Hautbereichen aufgenommen und als heller wirkendes, neon-grünes Licht wieder abgestrahlt. Als wären ihre Flanken mit einem Textmarker hervorgehoben, besitzen die Geckos unter UV-Licht einen deutlich sichtbaren Signalstreifen.

Weshalb so viele verschiedene Tierarten unter UV- und Blaulicht fluoreszieren, ist weitestgehend unklar. „Bei einigen der bisher bekannten fluoreszierenden Wirbeltiere handelt es sich wohl um einen Zufall“, sagt Mark Scherz, Evolutionsbiologe an der Universität Potsdam. „Beim Wüstengecko hingegen sprechen die Stärke und die Anordnung der fluoreszierenden Bereiche um die Augen und seitlich an den Flanken dafür, dass die Fluoreszenz als Signal für Artgenossen dient, das vielleicht auch aus größerer Entfernung gut wahrgenommen werden kann."
Scientific Reports, 2021.

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