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Kinder im Fokus

14.06.2021

LMU-Arzt Christoph Klein lenkt im Rahmen der Health Lectures den Blick auf das Schicksal von Kindern mit schweren, komplexen, chronischen und seltenen Erkrankungen.

© Klinikum der Universität München

Die Kindermedizin ist eine junge Disziplin im Spektrum der medizinischen Wissenschaften. Sie verbindet die Rationalität der Naturwissenschaft mit der ganzheitlichen Sorge um das Kind. Im Zusammenspiel von Biologie, Psychologie und Soziologie ist es gelungen, die Kindersterblichkeit um mehr als zwei Größenordnungen zu senken. Auch wenn heute die Mehrzahl unserer Kinder dank großer Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Prävention gesund aufwachsen können, ist die Gesundheit mancher Kinder doch bedroht. In seinem Vortrag lenkt Professor Christoph Klein den Blick auf das Schicksal von Kindern mit schweren, komplexen, chronischen und seltenen Erkrankungen und weist neue Wege der interdisziplinären Zusammenarbeit auf.

Drei Fragen an Professor Christoph Klein

Inwieweit unterscheidet sich Kindermedizin von der Medizin für erwachsene Menschen?

Die Denker der Aufklärung haben erkannt, dass Kinder keine „kleinen Erwachsenen“ sind. In der Folge haben sich die Erziehungswissenschaft und auch eine spezialisierte Medizin für Kinder entwickelt. Heute umfasst die Kindermedizin ein weites Spektrum von Subdisziplinen, denn die Erkrankungen bei Kindern unterscheiden sich in biologischer Perspektive, aber auch mit Blick auf die psychosozialen Bedingungen von den Erkrankungen bei erwachsenen Patienten. Gemeinsam ist allen Disziplinen der Kindermedizin eine altersentsprechende und ganzheitliche Sorge um kranke Kinder, welche ihre jeweils individuelle Lebenswirklichkeit berücksichtigt.

Was können hier neue Ansätze der interdisziplinären Zusammenarbeit bewirken?

Bei aller Eigenständigkeit der Kindermedizin ist sie auf gute und vertrauensvolle interdisziplinäre Allianzen im Interesse der Kindergesundheit angewiesen. Nur wenn wir über die Grenzen hinwegsehen, die Grenzen der Disziplinen, aber auch die Grenzen unserer​ Regionen, können wir unser Wissen um die Grundlagen der Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter erweitern, neue diagnostische und therapeutische Maßnahmen entwickeln und, ganz wichtig, effektive Präventionsmaßnahmen einführen. Gerade die frühen Interventionen können die Weichen für ein gesundes Leben stellen.

Was für seltene Erkrankungen stehen im Fokus Ihrer Forschung und warum ist es so schwer, sie zu verstehen und zu heilen?

Die Kindermedizin hat im Laufe ihrer etwa 200-jährigen Geschichte vieles erreicht. Es ist mehr als ein Meilenstein, dass die Kindersterblichkeit heute um zwei Größenordnungen niedriger ist als im 19. Jahrhundert. Und als pädiatrischer Onkologe kann ich berichten, dass wir heute vier von fünf Kindern mit Krebserkrankungen dauerhaft heilen können. Nun gilt es, diese Erfolgsgeschichte auf andere seltene Erkrankungen zu übertragen, für die es immer noch keine Heilungschancen gibt. Wenn Kinder heute sterben müssen, dann sterben sie oft an den Folgen seltener, komplexer Erkrankungen. Wir müssen also mit der Rationalität der Wissenschaft die Ursachen erkennen (meist werden sie durch genetische Mutationen hervorgerufen) und neue Therapien entwickeln, prüfen und in die klinische Anwendung bringen. Dieser Prozess ist sehr komplex und langwierig. Unsere Care-for-Rare Foundation, Deutschlands erste Stiftung für Kinder mit seltenen Erkrankungen, hilft uns in München und weit darüber hinaus, diese lebensrettende Forschung zu fördern.

Prof. Dr. Dr. Christoph Klein ist Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital an der LMU München. In seiner Forschung beschäftigt sich der pädiatrische Immunologe, Onkologe und Hämatologe mit seltenen, komplexen Erkrankungen.

#HealthLectures - „Kindermedizin im Schnittpunkt der Wissenschaften"

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