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Lehren und Lernen in Zeiten der Pandemie

02.02.2021

Anne Frenzel erläutert bei den „Corona Lectures“, wie sich an den Hochschulen die Umstellung auf digitale Lehre auf Motivation und Emotionen auswirkt.

Der Schock der COVID-19-Pandemie traf alle gesellschaftlichen und beruflichen Bereiche – so auch die Lehre an den Universitäten, die quasi „über Nacht“ in den digitalen Raum verlegt werden musste. Zwar sind Universitäten und Studierende im Durchschnitt besser mit digitalen Infrastrukturen versorgt als die meisten Schulen, doch auch dort war die vorherrschende Lehr-Lern-Kultur bislang stark analog geprägt.

Anne Frenzel erläutert am 09.02.2021 im Rahmen ihres Vortrags sowohl aus persönlicher Perspektive als auch aus einem pädagogisch-psychologischen Blickwinkel, wie sich die Verlagerung der universitären Lehre in den digitalen Raum auf Motivation und Emotionen aller Beteiligten auswirkt. Dabei skizziert die LMU-Psychologin, wie die Zukunft der Lehre an den Universitäten aussehen könnte – eine Mischung aus beiden Welten, der digitalen und der analogen.

09 Feb

Corona Lectures: Lehren und Lernen in Zeiten der Pandemie

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Vortrag:

Prof. Anne Frenzel. Lehren und Lernen in Zeiten der Pandemie

Dienstag, 9. Februar 2021, 18.15-19.45 Uhr

zur Anmeldung

Weitere Informationen über die „Corona Lectures“-Initiative

Kontakt: ringvorlesung-lmu@lmu.de

Drei Fragen an Prof. Dr. Anne Frenzel

Pandemiebedingt findet Lehren und Lernen nun schon seit einem Jahr vor allem im digitalen Raum statt. Wie funktioniert die digitale Lehre an der Universität mittlerweile im Alltag? Was ist dabei besonders wichtig?

Anne Frenzel: Für die Hochschulen und insbesondere die LMU ist die digitale Lehre meiner Ansicht nach tatsächlich zum Alltag geworden. Alles funktioniert – für mich durchaus überraschend – wirklich gut: Videokonferenzen und virtuelle Lernplattformen laufen den ganzen Tag über den Laptop, Kopfhörer mit Mikro liegen bereit und die Webcam sitzt. So ist der Vorlesungssaal bzw. Seminarraum nur noch drei mittlerweile vertraute Klicks entfernt.
Dafür, dass entsprechende synchrone Lehrveranstaltungen dann auch gut verlaufen, braucht es natürlich bei allen Beteiligten stabile Internetverbindungen. Hakt es hier, wird es stellenweise frustrierend für beide Seiten, Lehrende wie Lernende. Sehr wichtig ist aber auch die Bereitschaft der Studierenden, sich auch im digitalen Raum in die Lehrveranstaltung einzubringen – hier stellt die Technik manchmal eine Hürde dar (geflügeltes Wort: „Wir können Sie nicht hören“). Auch bei den sogenannten asynchronen digitalen Lernkontexten haben wir alle viel dazugelernt – die Dozierenden, das Angebot nicht zu überfrachten und in realistischen „Dosen“ und gut strukturiert anzubieten, und die Lernenden, sich die Angebote regelmäßig abzuholen und dranzubleiben, auch wenn es keine fixen Zeitslots mehr gibt, zu denen Kurse eben stattfinden.

Wie wirkt sich digitale Lehre auf die Motivation der Studierenden aus?

Anne Frenzel: Da gibt es viel Licht und viel Schatten! Einerseits bietet die digitale Lehre viel mehr Autonomie in der eigenen Zeiteinteilung und teilweise große Zeitersparnis, wenn lange Anfahrtswege an die Uni entfallen. Selbstbestimmung ist prinzipiell sehr günstig für die Motivation – mache ich etwas wie, wo und wann ich möchte, ist das angenehmer, als wenn meine Handlungsspielräume eng gesteckt sind. Viele Studierende berichten mir auch, dass sie sich zu Hause „allein vorm Rechner“ besser konzentrieren können und dadurch die Inhalte letztlich besser verstehen und auch interessanter finden.
Andererseits ist die „große Freiheit“ auch eine große Bürde, welche die Motivation untergraben kann: Vielen fällt es schwer, überhaupt mit etwas anzufangen, wenn das wie, wo und wann völlig offen ist. Und schließlich lässt die digitale Lehre – verschärft durch die Pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen – einen sehr wichtigen Motivationsfaktor deutlich einbrechen: die soziale Eingebundenheit. Allein macht alles einfach weniger Spaß!

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus der derzeitigen Situation ziehen, um zukünftig analoge und digitale Welt miteinander zu verbinden?

Anne Frenzel: Im besten Fall schaffen wir in der Zukunft den idealen Mix aus digital vermittelten Lehrangeboten sowie in Präsenz stattfindenden Diskurs- und Lerngelegenheiten für den Erwerb praktischer Kompetenzen (z.B. Arbeit im Labor). Dann erhalten wir viel Freiheit und gewinnen sogar mehr Möglichkeiten der bereichernden sozialen Interaktion – nicht nur unter den Studierenden, sondern auch zwischen Dozierenden und Lernenden.

Professorin Dr. Anne Frenzel ist Studiendekanin der Fakultät 11 und Direktorin des Masterprogramms „Psychology: Learning Sciences". Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf den Emotionen von Lehrenden und Lernenden.

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1:31 | 25.02.2021

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