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Stipendiaten vorgestellt: Tobias Jäger

01.05.2019

Gemeinsam für das Deutschlandstipendium

Tobias Jägers Leben ist geprägt von Dankbarkeit. Dankbarkeit darüber, dass seine Eltern ihm trotz insgesamt sieben Kindern ein Studium ermöglicht haben. Dass ältere Studierende ihm im ersten Semester geholfen haben, sich im Uni-Alltag zurechtzufinden. Und besonders darüber, dass der Alumni-Verein der Tierärztlichen Fakultät ihm mit einem Deutschlandstipendium finanziell unterstützt. Jetzt will Tobias es seinem Förderer gleichmachen und selbst Deutschlandstipendien vergeben.

Das kann doch nicht sein!“ Tobias Jäger war völlig überrascht, als er hörte, dass noch kein anderer Stipendiat auf die Idee gekommen ist. Für ihn ist es völlig selbstverständlich, nicht nur zu nehmen, sondern anderen etwas zurückzugeben. Obwohl der Tiermedizinstudent im elften Semester wegen der hohen Lebenshaltungskosten in München selbst wenig Geld hat, will er anderen Studierenden ein Deutschlandstipendium finanzieren. „Dankbarkeit schenken – Stipendiaten für Stipendiaten“ nennt sich die Initiative auf Facebook.

Zuerst wollte Tobias selbst 150 Euro auf die Seite legen und Förderer werden. „Ich habe aber schnell erkennen müssen, dass ich das trotz BAföG und Nebenjobs nicht gestemmt bekomme“, erzählt er. Daher versucht er es jetzt mit Crowdfunding und rührt bei den anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten kräftig die Werbetrommel. „Bisher habe ich nur positives Feedback erhalten“, berichtet der 30-Jährige. Viele hätten bereits ähnliche Gedanken gehabt, aber keiner war bisher bereit, das Ganze in die Hand zu nehmen.

„Das Deutschlandstipendium bietet unserem Verein und seinen Förderern die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben – ein Anliegen, dass wir mit Herrn Jäger teilen“, erklärt der Vorsitzende des Alumni-Vereins und LMU-Fachtierarzt Prof. Dr. Bernd Kaspers. Zuerst sei Tobias Jäger „nur“ als exzellenter Student aufgefallen, mit dem der Alumni-Verein viele gemeinsame Werte teile. Doch sein anschließendes Engagement für das Stipendienprogramm habe alle Mitglieder nachhaltig beeindruckt. Ein weiteres gemeinsames Anliegen: Die Weiterentwicklung der Fakultät. Kaspers als Alumniverein-Vorsitzender und Tobias als Skriptenverein-Vorsitzender.

Ein Deutschlandstipendium ist durch Tobias Engagement bereits entstanden. Seit dem Sommersemester fördert der Skriptenverein der Tierärztlichen Fakultät einen Studenten. Der Verein verkauft Skripte, die von Studierenden geschrieben wurden, die beim Lernen weiterhelfen. Doch auch das war Tobias noch nicht genug. Also schrieb er gemeinsam mit zwei anderen vom Alumni-Verein Stipendiaten vorgestellt: Tobias Jäger Gemeinsam für das Deutschlandstipendium Newsletter 1, 2019 9 geförderten Stipendiaten potenzielle Förderer an – von Herstellern für Tiermedizin bis zu Tierspielzeug. Insgesamt 60 Briefe wurden an Unternehmen verschickt. „Dadurch konnten wir zusätzliche Förderer gewinnen“, berichtet der Stipendiat stolz.

Warum Tobias das alles macht? „Ich habe einfach das Bedürfnis, zu helfen“, sagt er. Obwohl er sein Staatsexamen ablegt, will er sich wie in den letzten Jahren auch wieder in der sogenannten Orientierungsphase als Tutor um die Erstsemester kümmern. Nur während seines Praktischen Jahres musste er pausieren. Ziel ist es, den neuen Kommilitonen und Kommilitoninnen den Studieneinstieg zu erleichtern. „Ich bin mega dankbar, dass sich die Studierenden damals um mich gekümmert haben“, erklärt er. Da sei es nur konsequent, das zurückzugeben.

Von Tobias Lebenseinstellung profitieren auch seine Eltern. Obwohl sie selbst keine Akademiker sind, unterstützten sie seinen Wunsch, an die Uni zu gehen. Nicht selbstverständlich bei insgesamt sieben Kindern. Im Gegenzug hilft Tobias bis heute in seiner freien Zeit seinem Vater, der ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen führt. „Das half mir schon früh zu erkennen, dass sich Ziele nur mit harter Arbeit und Einsatz erreichen lassen“, sagt er.

So lässt sich auch erklären, warum sich Tobias trotz zwölf Semestern Wartezeit nicht vom Tiermedizin-Studium abbringen ließ. In dieser Zeit arbeitete er in der Filmbranche als Kameraassistent. „Ich hatte schon immer Tier und Film im Kopf“, erzählt er. Als Kind wollte er TyrannosaurusRex-Forscher werden, nach dem Abitur Cineast. Also verband er beides. Trotz der „schönen Erfahrung“ als Kameraassistent war er sehr froh, als er endlich zum TiermedizinStudium zugelassen wurde.

Ob Tobias nach dem Staatsexamen selber einen Deutschlandstipendiaten unterstützen wird? „Ich möchte danach meinen Doktor machen“, sagt Tobias. In dieser Zeit werde das Geld wohl leider auch noch nicht reichen. „Aber sobald ich endlich genug verdiene“, verspricht er, „werde ich auf jeden Fall selber einen Stipendiaten fördern