LMU und Landtag erinnern an die Anfänge der Bayerischen Verfassung
02.07.2026
Zum Geburtstag der bayerischen Verfassung diskutieren Expertinnen und Experten in der Großen Aula über Demokratie, politische Kultur und ihre Zukunft.
02.07.2026
Zum Geburtstag der bayerischen Verfassung diskutieren Expertinnen und Experten in der Großen Aula über Demokratie, politische Kultur und ihre Zukunft.
Genau 80 Jahre ist es her, dass in der Großen Aula der LMU Demokratie-Geschichte geschrieben wurde: Hier beriet die Verfassunggebende Landesversammlung über die Bayerische Verfassung, die bis heute das Fundament des Freistaats bildet. Anlässlich ihres Jubiläums lädt das Institut für Bayerische Geschichte der LMU gemeinsam mit dem Präsidium des Bayerischen Landtags zu einem interdisziplinären Kolloquium unter dem Titel „Demokratie und Verfassung“ ein.
Die Veranstaltung knüpft bewusst an den historischen Ort und die Ereignisse des Jahres 1946 an. Wilhelm Hoegner, Ministerpräsident und Vater der Bayerischen Verfassung, bezeichnete die Verfassung damals als den „letzte(n) und stärkste(n) Damm gegen Willkür und Tyrannei“, einen „Freiheitsbrief, auf den sich jeder Staatsbürger berufen kann“. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen geht das Kolloquium der Frage nach, welche Bedeutung Verfassungen und politische Kultur für das Gelingen demokratischer Gesellschaften heute haben.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Politik-, Rechts- und Geschichtswissenschaften beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Professor Stüwe von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt spricht über „Das Paradox demokratischer Selbstbindung: Verfassung als Bedingung für Freiheit“. Professor Peter M. Huber, Rechtswissenschaftler an der LMU und ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts, widmet sich dem Demokratieverständnis der Bayerischen Verfassung.Professor Ferdinand Kramer, Vorstand des Instituts für Bayerische Geschichte, untersucht die Erneuerung demokratischer politischer Kultur in Bayern nach dem Ende des Krieges bis 1949.
Im Anschluss an das Kolloquium findet ein Festakt statt. Eröffnet wird dieser von LMU-Präsident Professor Matthias Tschöp. Die Festrede hält Landtagspräsidentin Ilse Aigner unter dem Titel „Unsere Verfassung – Plädoyer für eine versöhnte Gesellschaft“. Darüber hinaus wird die Große Aula der LMU zum offiziellen „Ort der Demokratie“ – eine Stehle erinnert künftig daran.
Eine solche Stele wird an die Große Aula als Ort der Demokratie erinnern. | © Rolf Poss
Die LMU wird dem „Ort der Demokratie“ in vielerlei Hinsicht gerecht: Ein Forschungszentrum für Demokratie mit europäischer Signalwirkung wird aktuell geplant. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Demokratien weltweit vor tiefgreifenden Herausforderungen stehen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Desinformation, gesellschaftliche Polarisierung und globale Krisen verändern die Rahmenbedingungen demokratischer Prozesse grundlegend. Die LMU versteht Demokratieforschung daher als umfassende Gesellschaftsforschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes-, Sozial-, Rechts-, Wirtschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften sowie der Medizin sollen gemeinsam untersuchen, wie technologische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen demokratische Gesellschaften prägen. Im Fokus stehen Fragen danach, wie Vertrauen entsteht, wie demokratische Institutionen widerstandsfähig bleiben und wie Freiheit, Öffentlichkeit und Verantwortung im digitalen Zeitalter neu gedacht werden können.