Wie kann die Forschung über Klimaschutz und Hitzeanpassung informieren, ohne Menschen damit zu überfordern? Wie können Forschende sich gegen Anfeindungen schützen, wenn sie öffentlich auftreten? Und woran erkennt man eigentlich, ob eine Ausstellung, ein Workshop oder eine Social-Media-Kampagne wissenschaftliche Inhalte wirklich erfolgreich vermittelt? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich das 2021 gegründete Munich Science Communication Lab (MSCL). Nun hat das Verbundprojekt von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Initiative „Wissenschaftskommunikation hoch drei“ den Zuschlag für die Finanzierung einer neuen Projektphase in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro für weitere drei Jahre erhalten.
Das MSCL ist am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) der LMU angesiedelt und verbindet Forschung über Wissenschaftskommunikation mit konkreten Formaten für die Praxis: Forschende untersuchen verschiedene Arten von Wissenschaftskommunikation und entwickeln gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Journalismus, Ausstellungsgestaltung und Gesellschaft neue Wege, um relevante Forschungsinhalte in den öffentlichen Diskurs zu bringen.
In der vergangenen Förderphase hat das MSCL dazu beigetragen, erfolgreiche Wissenschaftskommunikation in München strategisch auszubauen. Am IfKW wurden seit der Gründung des MSCL drei Forschungs- und Lehrbereiche mit den Schwerpunkten Krisen- und Risikokommunikation, Gesundheitskommunikation und strategische Kommunikation eingerichtet. Mit dem strategischen Schwerpunkt von Gesundheits- und Wissenschaftskommunikation legt das Institut die nachhaltige Basis für Spitzenforschung durch das MSCL.
„Die Förderung der VolkswagenStiftung hat an der LMU, in München und in der internationalen Community wichtige Prozesse angestoßen. Allein an unserem Institut haben wir nun drei Professuren, die sich mit dem Themenfeld Wissenschaftskommunikation beschäftigen“, sagt Lars Guenther, Professor für Kommunikationswissenschaft am IfKW und Verbundkoordinator im MSCL. „Die Entscheidung des Kuratoriums der Stiftung, das MSCL weiter zu fördern, belegt unsere gute Arbeit in der Vergangenheit und unterstreicht das Vertrauen in unser Konzept einer langfristigen Beschäftigung mit Wissenschaftskommunikation an einer der besten Universitäten des Landes.“
Wie Wissenschaftskommunikation wirkt
Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf dem Thema Planetary Health – also auf der Frage, wie eng die Gesundheit des Menschen mit der Gesundheit von Ökosystemen verbunden ist. Daraus entstanden nicht nur Forschungsarbeiten, Konferenzen und Publikationen, sondern auch Formate für ein breiteres Publikum. Ein besonders öffentlichkeitswirksames Beispiel ist die aktuelle Sonderausstellung
Planetary Health – Am Puls von Mensch und Planet
im Deutschen Museum, die zeigt, wie Klimawandel, Ernährung, Artenvielfalt und Gesundheit zusammenhängen.
Darüber hinaus hat das MSCL in den vergangenen fünf Jahren eine Vielzahl von Workshops, Filmvorführungen, Austauschformaten, Rundgängen, Social-Media-Kampagnen und Ausstellungen entwickelt und wissenschaftlich begleitet. Ein zentrales Anliegen ist dabei die Evaluation. Das MSCL untersucht, ob Formate ihre Zielgruppen erreichen, welche Botschaften verstanden werden und wie Wissenschaftskommunikation verbessert werden kann. In der ersten Förderphase wurden bereits zahlreiche interne und externe Projekte evaluiert – nun soll es in noch größerem Maßstab weitergehen.
Gewappnet für zukünftige Herausforderungen
In der neuen Förderphase will das MSCL-Team seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen, ausweiten und nachhaltig verankern. So sollen alle etablierten Forschungslinien fortgeführt werden und zukünftig im Sinne von Transfer und Training noch stärker in die Praxis ausstrahlen. Planetary Health bleibt dabei ein zentrales Thema. Hinzu kommen weitere Felder, die die Wissenschaftskommunikation in den kommenden Jahren prägen werden, etwa Künstliche Intelligenz und Antibiotikaresistenzen, deren Kommunikation vor ähnlichen Herausforderungen wie die des Klimawandels steht.
Langfristig soll aus dem geförderten Projekt ein dauerhaftes interdisziplinäres Labor für Wissenschaftskommunikationsforschung an der LMU werden. Dafür bringt das MSCL Forschung, Evaluation, Training und Transfer zusammen – und stärkt zugleich den Austausch zwischen der LMU, Münchner Partnerinstitutionen und der nationalen und internationalen Community in der Wissenschaftskommunikation. „Wir wollen perspektivisch eine Führungsrolle dabei übernehmen, zentrale Debatten und neue Forschungsfragen in diesem Feld mitzuprägen“, sagt Professorin Constanze Rossmann, die wie Lars Guenther und Sophia Volk an führender Stelle des MSCL beteiligt ist.
Zum Netzwerk des MSCL gehören neben der LMU insbesondere das Deutsche Museum und AHA – The Science Communication Hub sowie verschiedene nationale und internationale Partnerinstitutionen.