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Schreibakademie: Literarisches Schreiben lernen

01.07.2026

LMU-Studierende aller Fachrichtungen erhalten in Seminaren der Bayerischen Akademie des Schreibens Einblick in den Literaturbetrieb.

Ein Seminarteilnehmer hält einen von Hand geschriebenen Text in der Hand

© Catherina Hess/Literaturhaus München, Bayerische Akademie des Schreibens

„Krieg und Krise. Faschismus und Klimakollaps. Wo man hinsieht, Wut und Frust und Brüllerei. Die Gegenwart ist verunsichernd, die Zukunft scheint fragil geworden. Und trotzdem werden Feste gefeiert, Urlaubspläne gemacht und Kinder geboren – die Welt ist voller Widersprüche (und manchmal muss man widersprechen) – doch wie erzählen wir davon?“
Diese Frage stellten die Autorin Charlotte Gneuß und Hannes Ulbrich, Lektor beim Piper Verlag, den Bewerberinnen und Bewerbern der „Bayerischen Akademie des Schreibens“.

Studierende aller Fakultäten der LMU sowie der Universitäten Erlangen und Bayreuth waren eingeladen, kurze Texte von drei bis fünf Seiten Länge dazu einzureichen. Aus mehr als 60 Bewerbungstexten wählten Gneuß und Ulbrich die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Seminar aus, das sie gemeinsam leiten. Zeitgleich konnten sich Studierende der TU München sowie der Universitäten Regensburg, Augsburg und Bamberg für ein Seminar unter der Leitung des Autors Manuel Niedermeier und der Lektorin Katharina Hierling vom Penguin Verlag bewerben.

Am 3. Juli werden die Teilnehmenden beider Seminare ihre Texte in einer gemeinsamen Abschlusslesung vorstellen.

Eine lange Erfolgsgeschichte

Die Bayerische Akademie des Schreibens bietet seit 2011 Seminare für Studierende an der Uni an. Sie wird koordiniert vom Literaturhaus München und getragen von den sieben teilnehmenden Universitäten, darunter der LMU, dem Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Zum Gründungsgedanken der Akademie gehört, dass die Universitätsseminare für alle Studierenden offen sind: Sowohl für die, die schon lange schreiben, als auch diejenigen, die es endlich einmal versuchen wollen, für Studierende der Tiermedizin genauso wie für Physikerinnen oder Sprachwissenschaftler. Inzwischen hat die Akademie mehr als 200 Absolventinnen und Absolventen hervorgebracht. Deren Namen begegnet man bei Wettbewerben für Literatur wie dem Open Mike, in Literaturzeitschriften und auch immer wieder bei den Debüts der Verlage.

Zum Erfolgsgeheimnis gehört unter anderem, dass Studierende, die noch kaum in Kontakt mit dem Literaturbetrieb gekommen sind, durch die Seminarleitung – immer ein Team aus Autorin oder Autor und Lektorin oder Lektor – eine professionelle Orientierung und einen geschärften Blick für literarische Texte bekommen. „Fast noch wichtiger ist aber, dass Studierende, die das Schreiben bisher vor allem für sich selbst ausprobiert haben, mit anderen Schreibenden in Kontakt kommen und sich untereinander austauschen können“, sagt Markus Ostermair, selbst Absolvent und inzwischen erfolgreicher Schriftsteller. Ostermair betreut die Organisation der Akademie, die an der LMU beim von Professor Frieder von Ammon geleiteten Zentrum für Gegenwartsliteratur angesiedelt ist.

„Wer die Schreibseminare der Bayerischen Akademie des Schreibens belegt, kann dabei – angeleitet von einem erfahrenen Team aus der Literatur und im Austausch mit einer Gruppe von Studierenden aus unterschiedlichen Fächern und von verschiedenen bayerischen Universitäten – wertvolle Erfahrungen machen, die nicht nur das Schreiben, sondern auch die eigene Persönlichkeit betreffen. Im besten Fall geht man mit besseren Texten und gestärktem Selbstbewusstsein daraus hervor. Sicher ist, dass man auf diese Weise weiter kommt als alleine. Keine KI kann das ersetzen“, sagt Frieder von Ammon.

Zwischen Januar und Juli treffen sich die ausgewählten Studierenden an jeweils drei Wochenenden, immer an einer anderen Universität aus dem Netzwerk. Im Laufe eines halben Jahres haben sie die Möglichkeit, sich unter professioneller Anleitung mit ihren eigenen und den Texten der anderen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer auseinanderzusetzen. „Die Seminarwochenenden dauern immer von Freitag- bis Sonntagnachmittag und sind im allerbesten Sinne intensiv“, sagt Ostermair. Im geschützten Raum werden die Texte der Teilnehmenden besprochen, der Blick auf eigene und fremde Prosa geschärft und Schreibübungen gemacht, um sich mit dem literarischen Handwerk auseinanderzusetzen. Über die Zeit wird an den Texten gefeilt, werden verschiedene Zugänge und Perspektiven beleuchtet, manchmal auch Passagen verworfen und ganz neue Szenen entwickelt.

Professionelles Feedback und konstruktiver Austausch

Olivia Dent, die an der LMU im vierten Semester im Masterstudiengang Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften studiert und zu den ausgewählten Teilnehmerinnen der Akademie gehört, hatte schon vor zwei Jahren überlegt, sich für das Seminar zu bewerben, zögerte aber, weil sie ihre Chancen nicht hoch genug einschätzte. „Bei der Ausschreibung für diesen Jahrgang kam mir zum Thema dann sofort eine Idee, und das Schreiben des Bewerbungstextes hat gleich so viel Spaß gemacht, dass ich dafür eine anstehende Hausarbeit immer weiter nach hinten geschoben habe“, erzählt sie. Weil sie bisher noch wenig Erfahrung mit dem literarischen Schreiben hatte, fand sie vor allem den zeitlichen Rahmen und die inhaltliche Struktur in den Seminaren hilfreich: „Durch die Deadlines und Schreibübungen war ich dazu gezwungen, meine Selbstzweifel zu ignorieren und einfach Text zu produzieren“, sagt Dent.

Elias Gambarte, der ebenfalls zu den diesjährigen Akademieteilnehmenden gehört, freute sich über die konstruktive Art, mit der Autorin Charlotte Gneuß und Lektor Hannes Ulbrich das Seminar leiteten, genauso wie über das Feedback, das die Studierenden einander in der geschützten Atmosphäre des Kurses gegenseitig geben konnten. „Das Schönste war die Gruppe“, sagt er. „Mein größtes Aha-Erlebnis war die Erkenntnis, wie wichtig der Austausch mit anderen ist und dass man sich beim Schreiben nicht in die eigene Kammer zurückziehen sollte.“

Vom geschützten Raum in die Öffentlichkeit

Am Ende jedes Seminars finden die Texte aller Teilnehmenden den Weg aus der Intimität des Kursraums zu einem großen Publikum: Dann steht die große Abschlusslesung an, in der die entstandenen literarischen Werke der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Das ist immer ein ganz besonderer Abend“, sagt Markus Ostermair. „Die Studierenden tragen ihre Texte vor, an denen sie so intensiv gearbeitet haben, und können live erleben, wie sie wirken.“ Zur Lesung kommen nicht nur Freunde und Bekannte der Autorinnen und Autoren, Interessierte aus der Universität und der Stadt, eingeladene Agentinnen und Lektoren, sondern auch Alumni der Akademie. Über die Jahre ist ein lebendiges Netzwerk der Absolventinnen und Absolventen entstanden. „Das ist vielleicht das Schönste“, sagt Ostermair. „Die Studierenden bleiben miteinander im Austausch über die Literatur.“

Das nächste Seminar der Bayerischen Akademie des Schreibens für Studierende der LMU sowie der Universitäten Erlangen und Regensburg ist bereits ausgeschrieben: Eingereicht werden können Texte von 3-5 Seiten Länge zum Thema MEINE NACHBARIN – DIE FREMDE bzw. MEIN NACHBAR – DER FREMDE. Geleitet wird das Seminar von Julia Wolf (Autorin) und Ludwig Lohmann (freier Lektor). Bewerbungsschluss ist der 1. September 2026.

Abschlusslesung am 3. Juli 2026: Zum Programm der Bayerischen akademie des Schreibens

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