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Deutschlandstipendium: Vom Arbeitstier zum Sozial-Workaholic

07.12.2020

Das Deutschlandstipendium fördert Studierende mit hervorragenden Leistungen, aber auch Menschen, die sich sozial engagieren oder Hürden überwinden. Eine von ihnen: Alina Breddemann.

Aufnahme der Deutschlandstipendiatin Alina Breddeman

Alina Breddemann | © Jan Greune / LMU

Alina Breddemann hat sich entschieden, neben ihrem Psychologiestudium an der LMU noch Philosophie zu studieren. Das sei zeitlich schon recht anstrengend, räumt die 21-Jährige ein. „Aber es interessiert mich eben beides sehr“, sagt sie und lacht. Ihr Ziel: in einer sozialen Einrichtung als Therapeutin arbeiten. Möglich wurde das Doppelstudium durch das Deutschlandstipendium. Es gab ihr die finanzielle Freiheit, ihre Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie aufzugeben und stattdessen ein zweites Studium zu beginnen. „Ich hatte am Anfang versucht, die Arbeitsstunden zu reduzieren – aber das hat zeitlich in der Klausurenphase trotzdem nicht gereicht“, erklärt sie. Doch die geschenkte Zeit nutzt Alina Breddemann nicht nur fürs Lernen.

In München engagierte sich die gebürtige Ruhrgebietlerin zunächst ehrenamtlich als „Grüne Dame“ im kbo-Kinderzentrum, um den Kindern und Jugendlichen mit Behinderung eine Abwechslung zum Therapieprogramm zu bieten. Als wegen Corona die Schulen in Deutschland geschlossen wurden, meldete sie sich bei der Corona School. Ziel des Projekts war es, Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, sich die Unterrichtsinhalte selbst zu erarbeiten. Sie half per Skype zwei Realschülern bis zu acht Stunden pro Woche dabei, sich auf ihre Abschlussprüfungen vorzubereiten. „Es hat mir Spaß gemacht, einen Teil zur Bewältigung der Krise beizutragen“, sagt sie rückblickend.

Zusätzlich hat Alina Breddemann eine Ausbildung zur „Foodsaverin“ beim Verein Foodsharing absolviert, der sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Jetzt fragt sie regelmäßig nach Feierabend bei vier Münchner Betrieben nach, ob Lebensmittel weggeworfen werden müssen. Das macht viel Arbeit: Ist etwas übrig geblieben, ist Stipendiatin verpflichtet, das restliche Essen an Freunde, Bekannte oder Wohnheime zu verteilen. Selber Essen ist keine Option. „Das würde ich nicht schaffen“, sagt Breddemann und lacht. Durch ihren Einsatz will sie Menschen für einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen sensibilisieren.

Neben dem sozialen Engagement bringt sich Alina Breddemann auch im Campusleben ein. Denn in Gesprächen mit Freunden hat sie gemerkt: Alle sind für Gleichberechtigung – lehnen aber Feminismus dennoch häufig ab. Deswegen will die 21-Jährige Aufklärung betreiben. Gemeinsam mit Kommilitoninnen und Kommilitonen bereiten sie jede Woche ein Thema vor, kürzlich zum Beispiel die verschiedenen Strömungen des Feminismus. Zusätzlich gibt es Rollenspiele, um beispielsweise Gespräche mit sexistischen Menschen zu trainieren. „Viele sind schockiert, wenn ich sage: Ich bin Feministin“, erzählt sie. Aber ich will darüber sprechen, damit sich in der Gesellschaft etwas ändert. Sobald Corona es zulässt, wollen sie die Veranstaltungen richtig groß machen.

Woher Alina Breddemann die Energie für all das nimmt, kann sie nicht sagen. „Das habe ich mir noch nie überlegt“, sagt sie fast irritiert ob der Frage. Die Bochumerin kommt aus einem Nichtakademikerhaushalt mit drei jüngeren Geschwistern. „Ich habe schon immer gearbeitet, um mir zum Beispiel Geld für Reisen zu verdienen.“ Dass ihre Mitschüler das Geld dafür von ihren Eltern bekamen, während sie neben der Schule in einem Restaurant kellnern und in einer Bar bedienen musste, störte sie ebenfalls nicht. „Es war stressig, aber ich wusste, ich habe mir alles selbst erarbeitet“, erklärt sie. Natürlich hat sie sich auch in dieser Zeit sozial engagiert und in ihrem Voltigierverein Kinder zwischen drei und neun Jahren ehrenamtlich trainiert. Doch auch damals schien sie ein Talent dafür zu haben, Lernen, Nebenjob und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen: Für ihre hervorragenden Abiturleistungen wurde sie sogar ausgezeichnet.

Man sollte meinen, spätestens wenn Alina Breddemann im Urlaub ist, entspannt sie sich von ihren durchgetakteten Wochen. Doch ein Arbeitstier wie sie kennt auch auf Reisen keine Pause. Als sie durch Asien reiste, arbeite sie für Kost und Logis fünf Stunden pro Tag im Hostel, um ihren Aufenthalt auf mehrere Monate strecken zu können. Und natürlich half sie auch wieder ehrenamtlich – dieses Mal unterrichtete sie Kinder und Jugendliche in einem buddhistischen Kloster und half bei der Renovierung der Klassenräume. Ob sie denn nicht mal eine Pause braucht? Sie überlegt kurz: „Eigentlich kommt mir das alles gar nicht so viel vor.“

Jetzt Förderer werden! Das Deutschlandstipendium an der LMU lebt von der Unterstützung von Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen. Ihre steuerlich absetzbare Spende in Höhe von 150 Euro pro Monat wird von der Bundesregierung verdoppelt und kommt ohne Abzüge bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten an. So können sich junge Menschen auch in Krisenzeiten wie diese ohne Geldsorgen um die Zukunftsfragen unserer Gesellschaft kümmern.