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Deutschlandstipendium: Vom OP-Tisch zum Krankheitsbekämpfer

07.12.2020

Das Deutschlandstipendium fördert Studierende mit hervorragenden Leistungen, aber auch Menschen, die sich sozial engagieren oder Hürden in ihrem Lebenslauf überwinden. Einer von ihnen: Lukas Röll.

Aufnahme des Deutschlandstipendiaten Lukas Röll

Lukas Röll | © Jan Greune / LMU

Lukas Röll hatte als Kind einen Traum: Profisportler werden. „Basketball war meine Leidenschaft, ich habe richtig dafür gebrannt“, erzählt er. Nur: Lukas durfte damals eigentlich keinen Sport machen. Er ist mit einem Herzfehler auf die Welt gekommen, weshalb die Herzinfarktgefahr bei sportlicher Betätigung dramatisch stieg. Seine Eltern standen immer im Konflikt zwischen dem Bewegungsdrang ihres Kinds und den Warnungen seiner Ärzte. Erst nachdem er mit 13 Jahren am Herzen operiert wurde, durfte er endlich Körbe versenken. Doch zwei Jahre später folgte die nächste Hiobsbotschaft: Bei Lukas wurde ein Gehirntumor diagnostiziert – glücklicherweise ein gutartiger. Profisportler ist Lukas nicht geworden. „Aber ich habe gemerkt, wie wichtig ein vertrauensvolles Umfeld und unterstützende Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche sind“, sagt der heute 27-Jährige. Eine Erkenntnis, die sein Leben geprägt hat. Jetzt nutzt Lukas seine Erfahrungen, um anderen jungen Menschen zu helfen.

Denn Lukas hat sein Schicksal nur stärker gemacht: „Ich habe gelernt, gelassen und optimistisch aufs Leben zu schauen und kann gut mit Belastung umgehen.“ Diese Erfahrung will er anderen Betroffenen weitergeben. Schon als Jugendlicher engagierte sich Lukas daher als Jugendtrainer und nach dem Abitur 2013 an einer Schule als pädagogische Hilfskraft. Anschließend zog der gebürtige Gießener nach München, wo er Jugendtrainer beim FC Bayern München Basketball für die Altersklassen U12, U13 und U14 war. Auch da gab es einen Spieler mit einem angeborenen Herzfehler, der während der Pubertät des jungen Manns immer schlimmer wurde. Lukas konnte sich gut in seine Situation hineinversetzen: „Auch er musste seinen Traum von der Profikarriere aufgeben.“ Zwei Jahre lang hat er den Spieler begleitet, aufgebaut und seine Erfahrungen mit ihm geteilt. Nach seiner Promotion will Lukas mehr in den sozialen Bereich. Der Elitensport mit dem immensen Leistungsdruck für die noch jungen Spieler ist nicht mehr seine Welt.

Denen zu helfen, denen es nicht gut geht: Das ist Lukas‘ Antrieb. Insbesondere im psychischen Bereich, wo es für viele Krankheitsbilder noch keine geeigneten Therapien gibt. „Ich bin durch meinen Herzfehler schon sehr früh erwachsen geworden und habe mich bereits in jungen Jahren viel mit dem Tod auseinandergesetzt“, sagt er. Daher entschied er sich für ein Psychologie-Studium, aktuell macht er seinen Master in Neurokognitiver Psychologie. In seiner Masterarbeit untersucht er, den Einfluss von Sport auf Krankheiten. Konkret: Wie man den Sport so in die Psychotherapie einbauen kann, dass der Heilungsprozess bei Menschen mit unterschiedlichen psychologischen Erkrankungen beschleunigt wird. Aktuell führt er eine Studie mit Schizophreniepatienten durch. Dabei versucht er herauszufinden, wie sich Bewegung auf ihre Erkrankung auswirkt, ob die Symptome gelindert werden können und ob es neurophysiologische Veränderungen im Gehirn gibt. Darum soll es auch in seiner Promotion gehen.

Das Deutschlandstipendium der LMU unterstützt Lukas seit dem Frühjahr 2018 auf seinem Weg. Das Förderprogramm fördert bewusst junge Menschen, die besondere Hindernisse in ihrem Leben gemeistert haben. Beziehungsweise immer noch meistern. Denn Lukas wurde inzwischen schon dreimal operiert – zuletzt im Januar 2020 am Münchner Herzzentrum. „Davor habe ich nur noch rumgekeucht“, erinnert er sich. Jetzt hat er erst einmal wieder ein paar Jahre Ruhe. „Ein ganz neues Lebensgefühl – trotz Corona“, schwärmt er. Die finanzielle Unterstützung des Deutschlandstipendiums hat Lukas fast komplett in Weiterbildungen investiert. Zum einen hat er sich neben dem Studium zum Sportpsychologen, zum anderen zum systemischen Berater ausbilden lassen – einer psychologischen Beratung, die aus der Familientherapie kommt. Damit will er jungen oder kranken Menschen zukünftig noch besser helfen. Dieser Traum, ist sich Lukas sicher, wird im Gegensatz zu seiner Profisportkarriere in Erfüllung gehen.

Jetzt Förderer werden! Das Deutschlandstipendium an der LMU lebt von der Unterstützung von Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen. Ihre steuerlich absetzbare Spende in Höhe von 150 Euro pro Monat wird von der Bundesregierung verdoppelt und kommt ohne Abzüge bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten an. So können sich junge Menschen auch in Krisenzeiten wie diese ohne Geldsorgen um die Zukunftsfragen unserer Gesellschaft kümmern.

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