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„Fake News“ und Verschwörungstheorien

18.12.2020

LMU-Philosophin Monika Betzler analysiert im Rahmen der „Corona Lectures“, was Verschwörungstheorien und „Fake News“ ausmacht.

Die Corona-Pandemie und die mit ihr verbundenen Ängste und Sorgen sind ein idealer Nährboden für Verschwörungstheorien und sogenannte „Fake News“, die falsche Fakten in die Welt setzen. Verschwörungstheorien greifen immer weiter um sich und sind inzwischen extrem erfolgreich.

Monika Betzler erläutert am 12.1.2021 im Rahmen ihres Vortrags, was diese Phänomene genau ausmacht. Die LMU-Philosophin erklärt, worin die zugrunde liegenden Denkfehler bestehen und was sie trotzdem so erfolgreich macht. Als Ausblick möchte die Forscherin Anregungen geben, wie wir verhindern können, dass Verschwörungstheorien und Fake News Politik machen.

Drei Fragen an Prof. Dr. Monika Betzler

Welche Interessen stecken hinter Verschwörungstheorien und Fake News?

Monika Betzler: Man muss unterscheiden – zwischen den Interessen derjenigen, die Verschwörungstheorien in die Welt setzen, und den Interessen derjenigen, die daran glauben. Bei den Ersten geht es darum, komplexe demokratische Systeme zu schwächen und eigene Machtinteressen zu befördern. Bei den Zweiten geht es vor allem darum, Kontrolle zu erlangen in Zeiten, in denen besondere Unsicherheit herrscht.

Was macht Verschwörungstheorien bei Gruppen mit völlig verschiedenen Weltanschauungen derzeit gleichermaßen erfolgreich? Fördern sie die Radikalisierung?

Monika Betzler: Verschwörungstheorien sind attraktiv, weil sie einfache Antworten auf komplexe, schwer durchschaubare und abstrakte Phänomene bieten. Auf diese Weise tragen sie vermeintlich dazu bei, mehr Sicherheit zu gewinnen. Zudem befördern sie die Gruppenidentität und das Gemeinschaftsgefühl. Dies kann für Gruppen mit sehr verschiedenen Weltanschauungen attraktiv sein.
Verschwörungstheorien beschleunigen Radikalisierungsprozesse. Denn sie befördern ein klares Feindbild und lassen ihre Anhänger in dem Glauben, zu einer auserwählten Gruppe zu gehören, die die „Wahrheit“ besitzt. Zudem ist der Glaube an Verschwörungstheorien „selbst-isolierend“: Wer Gegengründe oder Beweise gegen die vermeintliche Verschwörung aufführt, bestätigt ihren Anhängern zufolge nur die Verschwörungsthese. Auf diese Weise können Gegen-Gründe und Gegen-Beweise nicht ernst genommen werden. Dies zimmert Anhänger von Verschwörungstheorien in ihrem Weltbild fest und lässt sie immun gegenüber guten Gründen werden. Das öffnet Radikalisierungen Tür und Tor.

Anhängern von Verschwörungstheorien und Fake News erscheinen „alternative Wahrheiten“ glaubhafter als wissenschaftliche Fakten. Was kann die Wissenschaft tun, um Fake News und Verschwörungstheorien entgegenzuwirken?

Monika Betzler: Verschwörungstheorien können ganz allgemein entlarvt werden, auch wenn dies bei denjenigen, die bereits an sie glauben, nichts nützen wird. Aber wir können diejenigen erreichen, die noch keine Verschwörungstheoretiker sind. So können wir über ihre Mechanismen und Denkfehler aufklären. Zudem können wir versuchen, Medienkompetenz und die Kontrolle von sozialen Medien zu erhöhen – viele Verschwörungstheorien werden über soziale Medien verbreitet – und die Wissenschaftskommunikation zu verbessern. Ferner sollte das Bedürfnis der Bürger und Bürgerinnen nach mehr Kontrolle sehr ernst genommen werden und verfahrensgerechte politische Entscheidungen mit großer Klarheit und Konsequenz getroffen werden.

Prof. Dr. Monika Betzler ist Leiterin des Münchner Kollegs „Ethik in der Praxis“ sowie des Executive Master-Studiengangs „Philosophie-Politik-Wirtschaft“ (PPW), Prodekanin der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft und Inhaberin des Lehrstuhls V für Praktische Philosophie und Ethik.

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95 Min | 15.01.2021

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