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„Kein Personaler zählt die Semester“

25.08.2016

Jede Semesterferien ein Praktikum – und trotzdem in der Regelstudienzeit abschließen? Ob sich Studierende weniger stressen sollten und worauf es beim Berufseinstieg wirklich ankommt, erklärt Dr. Stephan Pflaum von Student und Arbeitsmarkt, dem Career ...

Wie viel Stress sollten sich Studenten bei der Suche nach Praktika machen? Dr. Stephan Pflaum: Diese Frage stellen sich viele Studenten. Ich merke, dass Studenten regelrecht davon getrieben sind, möglichst viele Praktika, möglichst viel Auslands- und Berufserfahrung zu sammeln – und das nach Möglichkeit alles in der Regelstudienzeit. Hier sollten die Studenten selbst den Druck wegnehmen!

Was Personaler in einem Unternehmen unterm Strich interessiert, ist nicht die Anzahl an Praktika oder Nebenjobs, nicht ein lückenloser Lebenslauf und kein Studienabschluss innerhalb der Regelstudienzeit. Stattdessen suchen Firmen Persönlichkeiten. Personaler fragen: Was hat der Student neben dem Studium gemacht? Womit hat er sich abseits seines Studienfachs beschäftigt? Ein großer Pluspunkt ist das ehrenamtliche Engagement – egal ob man sich an der Uni in den Fachschaften engagiert oder bei den Mentoringprogrammen der LMU mitmacht. Die Anzahl der Praktika ist wirklich nebensächlich. Es geht um den Inhalt des Gesamtpakets.

Darf man als Student dafür auch mal ein Semester länger studieren? Ganz klar: Ja. Ich kenne keinen Personaler, der die Semester zählt. Ganz im Gegenteil: Viele Unternehmen beklagen sich bei Bachelorstudenten darüber, dass die Studenten viel zu früh und viel zu schnell fertig werden, also quasi zu jung sind. Viele finden, dass sich die Studierenden gerne noch ein bisschen mehr Zeit hätten lassen dürfen. Auslandserfahrung wie Auslandspraktika, Auslandssemester oder auch ein Nebenjob, für die man ein oder zwei Semester länger studiert, sind niemals ein Knock-Out-Kriterium. Es geht eher darum, Erfahrungen neben dem Studium zu sammeln.

Wieso glauben trotzdem so viele Studenten, dass sie ihr Studium in möglichst kurzer Zeit abschließen müssen? In sozialen Netzwerken kann man beobachten, dass sie sich oft selbst verrückt machen. Zudem geben zahlreiche Karrieremagazine noch immer einen Musterlebenslauf vor und erzählen von tollen Karrierestorys, in denen es Einzelne schon mit Mitte 20 zum eigenen Start-up gebracht haben und viel Geld verdienen. Doch dieses Bild steht immer mehr in der Kritik: Eine immer größere Anzahl an Unternehmen möchte keinen glatten Lebenslauf, sondern gerne auch einen mit Ecken und Kanten, der die Person interessant macht. Ein Studienabbruch oder Studienwechsel kann auch positiv gesehen werden: Beim Bewerbungsgespräch kann man dann noch einmal nachhaken und in der Regel gibt es einen guten Grund dafür, warum jemand sein Studium gewechselt oder sogar abgebrochen hat. Bilderbuchkarrieren sind ein Auslaufmodell.

Wie unterstützt die LMU Studierende beim Berufseinstieg? Wir von Student und Arbeitsmarkt, dem Career Service der LMU, bieten ein sehr umfassendes Angebot für alle Studierenden der LMU – von der Einzelberatung, wenn jemand Unterstützung beim Berufseinstieg sucht, über gezielte Kurse wie etwa Betriebswirtschaft für Geisteswissenschaftler. Darüber hinaus gibt es bei uns das Mentoringprogramm. Dort können sich Studierende mit einem Mentor, der bereits Berufserfahrung hat, austauschen. Wir von Student und Arbeitsmarkt stellen dabei gerne einen passenden Kontakt zu einem Mentor aus der Wirtschaft her.

Auch in den Semesterferien muss man nicht immer nur ein Praktikum nach dem anderen machen. Am 16. September 2016 findet bei Student und Arbeitsmarkt die „Open Mentoring Lounge“ statt. Dort gibt es die Möglichkeit, sieben Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen kennenzulernen. Die Idee: Studierende arbeiten zusammen mit den Unternehmen an einer Fallstudie, probieren sich aus und erfahren, worauf es bei der Arbeit im Unternehmen ankommt. Zudem gibt es die Möglichkeit, in einer lockeren Atmosphäre Jobinterviews zu führen. Und das sehr viel entspannter als bei einem klassischen Bewerbungsgespräch. Anmeldung (bis zum 4. September) und weitere Infos unter www.s-a.lmu.de/oml2016

Dr. Stephan Pflaum leitet im Rahmen von Lehre@LMU das Mentoringprogramm der LMU. Er ist Ansprechpartner für neue Mentoren, Mentees und Unternehmenspartner der Universität.