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Mission: Chancengleichheit

21.01.2021

Viola Lind ist Gleichstellungsbeauftragte der LMU. Und klischeehafte Formulierungen hin oder her – Für sie ist „das Beruf und Berufung zugleich”.

Viola Lind, Gleichstellungsbeauftragte der LMU

© LMU

An diesem Herbsttag ist es um 11 Uhr eher frisch - hin und wieder spitzt die Sonne aber doch durch die Wolkendecke. Ein Glück, denn Viola Lind empfängt ihren Besuch gerne draußen. „Ich bin noch gar nicht richtig dazu gekommen, mich einzurichten”, lacht sie. Einerseits liegt das an Corona und dem damit einhergehenden mobilen Arbeiten, andererseits ist einfach viel zu tun gewesen, in den Monaten, die sie nun schon Gleichstellungsbeauftragte der LMU ist.

Die Berufsbezeichnung kennt man. Aber was macht eine Gleichstellungsbeauftragte eigentlich? „Eine Funktion […], die sich mit der Förderung und Durchsetzung der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern befasst", sagt Wikipedia. „In Bayern geht es um das Monitoring und die Überwachung der Einhaltung des Gleichstellungsgesetzes”, erklärt Viola Lind.

Mittlerweile ist sie seit 2014 an der LMU tätig. Ursprünglich als Mitarbeiterin bei dem Dual Career Service der LMU, wo sie den Partnern von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dabei half, an ihrer neuen Universität Fuß zu fassen. Auch diese Stelle nahm sie an, weil es für sie Gleichberechtigung bedeutet, wenn beide Partner arbeiten können, sagt sie. Egal ob Kinder im Spiel sind oder das Paar für eine Partei dem Ruf an eine neue Uni folgt.

Eindrücke aus Schweden

Sie kennt das nicht anders, dass Gleichberechtigung auch in der Familie und in der Kindererziehung gelebt wird. Lind wohnte und arbeitete von 2005 bis 2014 in Schweden, bis sie mit Ihrem Mann, einem gebürtigen Neuseeländer, wieder nach München zog. „Aus Schweden habe ich viel mitgebracht. Die traditionelle Rollenverteilung gibt es dort weitgehend nicht mehr”, berichtet Lind.

Als sie den Schotterweg im Salinenhof entlang geht, hält sie kurz inne: „Es kann sein, dass uns mein Sohn begegnet. Dann müssen wir das Gespräch vielleicht kurz unterbrechen.” Ihr Sohn ist zwei Jahre alt und besucht die Campus Kinder, die Kinderbetreuung für LMU-Beschäftigte und Studierende. Hier im Innenhof haben sie einen Spielplatz mit einer kleinen Hütte und Klettergelegenheiten. „Aber wenn Mama da ist, ist sie immer am interessantesten”, so Lind – und freut sich sichtlich.

Das Thema Kinderbetreuung hat bei ihr also gleich mehrere Dimensionen – die Eindrücke aus Schweden, ihr Erleben als Mutter und das der Gleichstellungsbeauftragten. „Eines meiner Hauptthemen ist auf jeden Fall die Vereinbarkeit von Familie und Beruf,” bestätigt Lind. „Die LMU steht hier aber schon sehr gut da. Besonders aktuell in der Coronakrise hat das mobile Arbeiten und die Angebote des Familienservice viele Familien entlasten können.”

Ihre Arbeit besteht deswegen oftmals daraus aufmerksam zu machen und zu informieren. Welche Möglichkeiten gibt es auch für Männer in Elternzeit zu gehen? Oder wie funktioniert Kinderbetreuung beim Mobilen Arbeiten? Wie kann die Erziehungszeit aufgeteilt werden?

„Oft scheitert es nicht am Willen, sondern am Wissen”, erzählt die Gleichstellungsbeauftragte. „Deswegen versuche ich durch Informationen eine Bewegung anzustoßen.” Und Luft nach oben ist in diesen Bereichen in Deutschland allemal. Nur als Beispiel: In Schweden gehen Männer oftmals zwischen drei und neun Monate in Elternzeit. Hierzulande sind es meist gerade einmal zwei.

Ein Wandlungsprozess

Viola Lind setzt sich auf eine Bank mit Blick auf den Kinderspielplatz. Woran sie gerade arbeitet? „Die meiste Zeit stecke ich momentan in das Verfassen eines neuen Gleichstellungskonzeptes für den Zeitraum 2021 bis 2025”, so Lind. “Das ist eine große Aufgabe für die ich eng mit der Hochschulleitung zusammenarbeite.”

Dabei sei der erste Schritt eine Bestandsaufnahme. Das heißt vor allem eins: viel mit den Kollegen und Kolleginnen sprechen und Statistiken wälzen. Nur so könne die Gleichstellungsbeauftragte neue Maßnahmen konzipieren und Ziele verfassen.

„Eins meiner Ziele ist auf jeden Fall die Sensibilisierung der Beschäftigten und der Führungskräfte für das Thema Gleichstellung”, so Lind. „Außerdem mache ich mir Gedanken, ein Umfeld geschaffen werden kann, das langfristig mehr Frauen ermutigt, sich auf Führungspositionen zu bewerben.”

Wie man sich denken kann, ist das keine einfache Position. „Es liegt in der Natur der Stelle, Veränderungsprozesse anzustoßen”, erklärt sie. Gleichzeitig möchte sie aber nicht als Irritationsmoment von anderen wahrgenommen werden, sondern als unterstützende und beratende Position.

Eine Vertrauensperson

Wie ihr das gelingt: „Ich glaube, wenn ich optimistisch und enthusiastisch auftrete, ist es einfacher, als wenn ich eine Nörgel-Attitüde hätte”, lacht sie. „Dann macht wenigsten der Kontakt mit mir Spaß.” Dabei strahlt sie aus, dass sie sich dafür nicht verstellen muss.

Das ist auch noch aus einem ganz anderen Grund wichtig: Lind ist als Gleichstellungsbeauftragte auch Ansprechpartnerin für Ihre Kolleginnen und Kollegen, wenn es Probleme gibt. „Zum Beispiel wenden sich alleinerziehende Beschäftigte an mich, wenn sie eine Teilzeitstelle haben, aber eigentlich eine Vollzeitstelle bräuchten, um über die Runden zu kommen”, skizziert Lind so einen Fall.

Gemeinsam mit anderen LMU-Einheiten macht sie sich dann daran, eine Lösung zu finden. Viola Lind ist froh, dabei auf erfahrene Kolleginnen und Kollegen in der ganzen Universität zählen zu können: „In der Beratung habe ich die Kompetenz, aber bei speziellen Fällen und Verwaltungsvorgängen bin ich dann auf die Erfahrung von den Kolleginnen und Kollegen angewiesen. Diese Zusammenarbeit macht aber auch sehr viel Spaß”

Obwohl es mittlerweile nicht mehr nach Herbst aussieht und die Sonne scheint, ist es langsam Zeit zu gehen. So gern sie auch draußen ist und von ihrer Arbeit an der LMU erzählt - die Arbeit wartet letztendlich aber drinnen. „Und ich mache sie wirklich gern. Für mich ist das nicht nur eine Stelle, sondern mein Steckenpferd”, verabschiedet sich Viola Lind.