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Tipps vom Gedächtnisweltmeister

07.12.2016

Studieren bedeutet oft auch, sich viel Wissen in kurzer Zeit anzueignen. Während manch ein Studierender in der Prüfungsphase an seinem Erinnerungsvermögen zweifelt, sagt Gedächtnisprofi und LMU-Alumnus Dr. Boris Nikolai Konrad: Ein gutes Gedächtnis ka...

Mehr Konzentration Wenn es mit der Konzentration nicht klappt, nicht gleich aufgeben: „Das Gehirn braucht nämlich eine kurze Aufwärmphase, bis es sich voll und ganz auf eine Sache einlässt“, sagt Konrad. „Gerade zu Beginn lässt man sich am leichtesten ablenken.“ Statt sich stören zu lassen, sollte man aber dran bleiben. Dazu empfiehlt Konrad: sich bewusst Prioritäten für den Beginn zu setzen. „Es ist jetzt wichtig, diesen Abschnitt komplett zu Ende zu lesen. Wenn ich noch will, kann ich danach meinen Facebook-Feed checken.“ So fällt es leichter, Ablenkungen gezielt auszublenden und seine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken. Einmal in der Konzentration drinnen, bleibt man dann leichter bei der Aufgabe und liest noch weitere Abschnitte konzentriert.

Vorlesungen und Texte besser im Gedächtnis behalten Was war nochmal das Thema der letzten Vorlesung? Boris Konrad hat einen einfachen Trick parat, um sich länger zu erinnern. „Nach jeder Vorlesung oder des Lesens eines Textes nimmt man sich noch einmal drei Minuten Zeit, um die wichtigsten Inhalte zu wiederholen. Sich selbst zu fragen: Was habe ich gerade gehört oder gelesen? Dadurch bleibt mehr hängen und man verinnerlicht die Inhalte quasi im Schlaf.“ Die Forschung kennt diesen Effekt als „Testing Effect“.

Reihenfolgen und Begriffe merken Ob Paragraphen, die in der richtigen Reihenfolge geprüft werden müssen oder die zeitliche Abfolge von verschiedenen Kunstepochen: Bei der sogenannten „Loci-Methode“ verknüpft man die einzelnen Glieder einer Kette mit bestimmten Räumen oder Gegenständen in einem Haus. In jedem Raum legt man dann zum Beispiel einen Paragraphen ab. Um die richtige Reihenfolge nachher abzurufen, macht man einen imaginären Rundgang durch das Haus. „Durch die Assoziation mit Bekanntem lassen sich Begriffe und Inhalte einfacher merken und der Rundgang garantiert den roten Faden“, erklärt Konrad. Wichtig ist, dass der Weg vorbereitet ist. „Diese Methode muss man einüben, sich erst beim Lernen den Weg durch das Haus auszudenken, bringt nicht mehr viel.“

Auch Eselsbrücken können helfen. Bekannte Beispiele sind „Sieben, fünf, drei – Rom schlüpft aus dem Ei“ um sich das Gründungsjahr der ewigen Stadt zu merken oder „Geh Du Alter Esel Hol Fische!“ für die Kreuztonarten im Quintenzirkel. Man kann sich aber aus Anfangsbuchstaben zu merkender Inhalte auch selbst Merksätze kreieren. Ein kreativer Merksatz bleibt besser im Gedächtnis als die bloße Aufzählung und bringt nebenbei mehr Spaß beim Lernen.

Zahlen merken Ob die ersten Nachkomma-Stellen der Zahl Pi oder Jahreszahlen: Auch hier setzt der Gedächtnisweltmeister darauf, den Lernstoff mit Bildern zu verknüpfen. „Bildhaftes kann man sich besser einprägen als rohe Informationen“, sagt Konrad. Dabei ordnet er den Zahlen ein Symbol zu: der Zahl 1 eine Kerze, der 2 einen Schwan. Um sich also die Zahl 21 merken, stellt man sich einen Schwan mit einer Kerze auf dem Rücken vor. Wer sich viele Zahlen merken muss geht einen Schritt weiter und lernt das Major-System.

Üben, üben, üben Konrads wichtigster Tipp ist allerdings: üben. „Die Gedächtnisleistung muss nämlich genauso trainiert werden wie die Ausdauer beim Joggen.“ Da helfen klassische Kinderspiele wie Memory und „Ich packe meinen Koffer“, oder den Stundenplan und die Handynummer auswendig zu lernen. Nicht einfach so, sondern mit den Gedächtnistechniken wie Loci-Methode und Major-System. Wer sein Gedächtnis so regelmäßig fordert und Techniken einübt, hat es auch in der Prüfungsphase leichter.

Dr. Boris Konrad hat an der LMU zu den neuronalen Grundlagen außergewöhnlicher Gedächtnisleistungen promoviert. Der Gedächtnistrainer und Autor von drei Büchern schaffte es mit seinem Erinnerungsvermögen bereits viermal ins Guinnessbuch der Rekorde. Mehr zu Konrad gibt es in der aktuellen Ausgabe des MünchnerUni Magazins.

In weiteren Themen des neuen MünchnerUni Magazins, das jetzt an der LMU ausliegt, geht es unter anderem um die gewissenhaften Techniker, Handwerkerinnen und Handwerker, die dafür sorgen, dass der Betrieb an der LMU reibungslos läuft und Professor Theodor Hänsch, der jetzt 75. wird und über Kreativität im Laobur und Platinenlöten mit Steve Jobs spricht.

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