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Das Munich Center for Mathematical Philosophy

12.01.2026

Präzise Modelle für große Fragen: Die Forschenden am Munich Center for Mathematical Philosophy (MCMP) der LMU lösen philosophische Probleme mit Mathematik und Logik – und sind darin international führend.

Gegründet im Jahr 2010 von Professor Hannes Leitgeb und von ihm gemeinsam mit seinen Kollegen Professor Stephan Hartmann und Professor Christian List geleitet, wird Philosophie am MCMP auch mit probabilistisch-statistischen und computergestützten Ansätzen ergründet.

„Im Zentrum unserer Forschung steht die Idee, philosophische Probleme ihrer Struktur nach präzise zu beschreiben“, erklärt Leitgeb, „und sie in logische Systeme, Wahrscheinlichkeitsmodelle oder andere formale Rahmen einzubetten.“ So eröffnen sich neue Zugänge zu Themen wie Wahrheit, Bedeutung oder rationalem Entscheiden.

Angesiedelt an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft in der Ludwigstraße, beruht das MCMP inhaltlich auf drei Bereichen: Leitgebs Lehrstuhl für Logik und Sprachphilosophie, Hartmanns Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie (seit 2012) sowie dem 2021 hinzugekommenen Lehrstuhl für Philosophie und Entscheidungstheorie von Christian List. Unterstützt und geprägt wurde das Zentrum durch zwei Alexander von Humboldt-Professuren für Leitgeb und Hartmann.

Analysiert werden unter anderem Themen der Sprachphilosophie, Philosophie der Mathematik und Physik, Epistemologie oder der philosophischen Grundlagen künstlicher Intelligenz. Das Zentrum forscht dabei nicht nur international, sondern auch interdisziplinär: Zahlreiche Projekte entstehen in Kooperation mit Forschenden aus Mathematik, Informatik, Physik, Ökonomie oder den Kognitionswissenschaften – Bereichen, wo mathematische Präzision und philosophische Tiefe zugleich gefragt sind.

Prof. Hannes Leitgeb im Gespräch mit Nachwuchsforschenden vor dem Hauptgebäude der LMU

Das Munich Center for Mathematical Philosophy ist in der Nähe des Hauptgebäudes der LMU angesiedelt.

© David Ausserhofer

Ein Schwerpunkt liegt auch auf Themen, die über die klassische Philosophie hinausreichen. Das von Tom Sterkenburg geleitete Projekt „From Bias to Knowledge: The Epistemology of Machine Learning“ untersucht beispielsweise, wie Wissen aus datengetriebenen KI-Systemen philosophisch gerechtfertigt werden kann. Stephan Hartmanns und Jacob Stegengas gemeinsames Projekt „Amalgamating Evidence About Causes: Medicine, the Medical Sciences, and Beyond“ analysiert, wie sich Ursachenbelege aus medizinischen Studien sinnvoll kombinieren lassen. Und in David Colacos Projekt „Three Methodological Problems in Memory Science“ arbeiten Philosophinnen und Philosophen mit der Gedächtnis- und Kognitionsforschung zusammen, um grundlegende methodische Fragen der Erinnerung zu klären. Dennoch, betont Leitgeb, bleibe die enge Verzahnung mit der philosophischen Fakultät prägend. „Wir betreiben keine isolierte Wissenschaft, sondern forschen in der Mitte der Philosophie.“

Seit seiner Gründung ist das MCMP von einem kleinen Team zu einer international sichtbaren und breit vernetzten Forschungsplattform gewachsen. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Projekten wurden Förderprogramme, Workshops, Konferenzen und internationale Gastaufenthalte etabliert, die den wissenschaftlichen Austausch intensivieren. Zugleich wurde das Angebot für Studierende erweitert: Mit dem englischsprachigen Masterprogramm ‚Logic and Philosophy of Science‘ entstand ein Studiengang, der formale Methoden systematisch in die Lehre integriert und eine wachsende Zahl junger Forschender aus aller Welt anzieht.

Auf die Förderung dieser Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler legt das Zentrum großen Wert. Promovierende und Postdocs bringen eigene Projekte ein und prägen das Forschungsumfeld mit. Masterstudierende arbeiten derweil von Anfang an mit formalen Methoden und aktuellen Forschungsansätzen – ein Umfeld, das talentierte Nachwuchsforschende anzieht. „Es gibt bei uns am MCMP sehr, sehr viele exzellente junge Leute, die sich dafür interessieren, philosophisch über die Welt und sich selbst nachzudenken“, sagt Hannes Leitgeb. „Deshalb blicke ich für das Gebiet der mathematischen Philosophie voller Hoffnung in die Zukunft.“

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