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Detektivarbeit mit großen Tieren

12.02.2024

Angelika Schoster ist Expertin für Innere Medizin bei Pferden und verbindet als Direktorin der Pferdeklinik Forschung, Klinik und Lehre.

Anders als menschliche Patienten können Pferde nicht erzählen, welche Beschwerden sie haben. Gerade das ist für Angelika Schoster eine der spannenden Seiten an Tiermedizin: „Man muss die Symptome, die das Pferd zeigt, richtig lesen und ein gewisses detektivisches Puzzle lösen.“ Seit April 2023 ist die gebürtige Österreicherin Inhaberin des Lehrstuhls für Pferdemedizin und leitet die Pferdeklinik der LMU. Tierärztin zu werden, war schon immer Professorin Schosters Wunsch, und auch die Spezialisierung auf Pferde und Innere Medizin war für sie schon früh klar. Gleichzeitig war es ihr wichtig, über den europäischen Tellerrand hinaus auch internationale Erfahrungen zu sammeln. Deshalb ergriff sie die Chance, noch während ihrer Dissertation an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wo sie auch studiert hatte, an die University of Guelph in Kanada zu gehen. Dort begann sie 2007 eine international anerkannte Fachtierarztausbildung in Innerer Medizin, die sie 2011 abschloss (Dipl. ACVIM). Ihre Promotion schloss Sie 2008 an der Veterinärmedizinischen Universität Wien ab.

Die neue Leiterin der Pferdeklinik der LMU, Professor Angelika Schoster im winterlichen Freigelände der Klinik. Neben ihr ein Pferd mit blonder Mähne.
© LMU / LC Productions

Praxis, Forschung und Lehre kombinieren

Zusätzlich zu ihrer klinischen Ausbildung forschte Schoster bereits in Wien im Rahmen ihrer Dissertation an Infektionserkrankungen beim Pferd. In Kanada schloss sie neben der klinischen Ausbildung auch ein weiteres 3-jähriges Doktoratsstudium (DVSc) auf dem Gebiet der Magen-Darm-Infektionen und Mikrobiota ab. Nach Abschluss der Ausbildung kehrte sie nach Europa zurück und begann an der Universität Kopenhagen in Dänemark einen PhD. „Allerdings habe ich nach einem Jahr erkannt, dass eine reine Forschungsstelle für mich nicht ganz das Richtige ist“, erzählt Schoster. Weil sie Praxis, Lehre und Forschung kombinieren wollte, wechselte sie 2012 als Oberärztin an das Tierspital der Universität Zürich. Dort beendete sie ihren PhD und schloss eine Habilitation an. „Ich habe immer hart gearbeitet für meine beruflichen Ziele, aber ich hatte auch das Glück der Tüchtigen, dass ich solche Chancen bekommen habe“, betont sie.

Probiotika für Pferde

In der Inneren Medizin von Pferden spielen neben Lungenkrankheiten und Infektionen vor allem auch Magen-Darm-Erkrankungen eine wichtige Rolle. Im Fokus von Schosters Forschung steht die Darmflora des Pferdes. Die Tiere sind anfällig für Magen-Darm-Erkrankungen und haben oft Probleme mit Bauchschmerzen, Koliken oder Durchfall. „Das Pferd ist einfach ein bisschen schlecht designt“, sagt Schoster, „und die Haltungsbedingungen im Vergleich zur freien Wildbahn tun ihr Übriges. Eine Theorie ist, dass es auch mit dem Mikrobiom zu tun hat, dass die Darmflora schnell außer Rand und Band gerät.“ Schoster untersucht, welche Darmflora überhaupt normal ist, durch welche Stressoren sie aus dem Gleichgewicht gebracht wird und ob Probiotika möglicherweise helfen können. Inzwischen weiß man, dass beim Pferd völlig andere probiotische Bakterienstämme wichtig sind als beim Menschen. Deswegen gehe die Forschung derzeit in Richtung von Ansätzen, bei denen nicht einzelne Bakterienstämme eingesetzt werden, sondern ganze Bakteriengemeinschaften.

Privat hat Schoster kein Pferd, sie reitet auch nicht mehr. Sie liebe Pferde und ihre Arbeit und stecke viel Energie in ihren Beruf, sagt sie, im Privatleben genieße sie es aber, auch einmal in einer anderen Welt zu sein und beispielsweise in die Berge zu gehen. Hier an der LMU München reizen sie das interessante Umfeld im Großraum München und die Chance, die Klinik zu gestalten und in diesem Umkreis zu positionieren. Auch in Bezug auf die Forschung bieten sich an der LMU gute Kollaborationsmöglichkeiten, ist Schoster überzeugt. Zudem liegt ihr die Ausbildung sehr am Herzen: „Trotz aller Herausforderungen liebe ich meinen Beruf und ich möchte diese Liebe weitergeben an die junge Generation.“

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