News

Digitale Hochschullehre: Bessere Infrastruktur, mehr Einsatz möglich

01.04.2026

Eine neue Studie zeigt Fortschritte und offene Baustellen bei der Digitalisierung der Lehre an den Hochschulen in Bayern.

Die digitale Lehre an bayerischen Hochschulen hat sich nach der Coronapandemie deutlich stabilisiert. Doch bei der didaktischen Nutzung und beim Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) bestehen weiterhin Entwicklungspotenziale. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der LMU München unter der Leitung von Professor Frank Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie, und der Universität Augsburg im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Die Untersuchung basiert auf vier Teilstudien, darunter Befragungen von 13 Hochschulleitungen, 772 Dozierenden und 1.743 Studierenden. Durch die Vergleiche mit den Vorgängerstudien aus den Jahren 2018 und 2022 konnten in der aktuellen Erhebung mittel- und langfristige Entwicklungen der digitalen Bildung an bayerischen Hochschulen identifiziert werden.

Frage der Teilhabe

Positiv fällt vor allem die Bewertung der technischen Infrastruktur aus: Diese wird von Lehrenden und Studierenden „so gut wie noch nie“ eingeschätzt. Gleichzeitig bleibt digitale Teilhabe ein Thema, da ein Teil der Studierenden weiterhin nicht über ausreichende Ausstattung mit Computern oder Tablets verfügt.

„Wir haben jetzt an den Hochschulen nahezu Vollausstattung bei den Studierenden – fast ausschließlich mit selbst beschafften Geräten, also ,bring your own device‘. Das können sich aber fast zehn Prozent der Studierenden nicht leisten. Hier muss etwas getan werden“, so Frank Fischer.

In der Lehre selbst zeige sich jedoch eine gewisse Trägheit. Digitale Medien sind zwar fest etabliert, werden aber zumeist für Präsentationen an den Hochschulen und einfache Übungsaufgaben zuhause eingesetzt. Anspruchsvollere, lernförderliche Einsatzformen bleiben demnach noch die Ausnahme. Entsprechend entwickele sich auch die Lehr- und Lernkultur nur schrittweise weiter. Frank Fischer sagt dazu: „Oft ist die Art der Prüfung der Bremsklotz: Wenn am Schluss die Multiple-Choice-Klausur Faktenwissen abtestet, lohnen sich aufwendigere, kompetenzorientierte Lernaktivitäten wie etwa beim forschenden oder kollaborativen Lernen nicht. Studierende sind intelligent und erkennen das.“

Einsatz von KI

Ein neuer Schwerpunkt der Studie liegt auf KI: Studierende und Dozierende nutzen entsprechende Tools vor allem zur Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen. In der Lehre selbst spielen sie bislang eine geringe Rolle. Die Akteursgruppen scheinen zwischen Chancen und Risiken von KI in der Hochschule hin- und hergerissen zu sein.

Momentan sei besonders die Nutzung von ChatGPT verbreitet, meistens über private Zugänge, was Fragen zu Datenschutz, Urheberrecht und Chancengleichheit aufwirft. „Hochschulleitungen, Dozierende und Studierende, die wir befragt haben, sehen große Chancen für effizientere akademische Arbeitsprozesse, machen sich aber Sorgen um die Fairness bei Prüfungen“, sagt Frank Fischer. Die befragten Studierenden befürchten mehr als ihre Dozierenden, dass die Verwendung von KI sich negativ auf das Lernen auswirken könnte.

Neben Befragungen hat die Studie auch einige objektive Tests durchgeführt, zum Beispiel zum Wissen der Teilnehmenden zu generativer KI. „Wir waren überrascht, wie viel die Befragten hierzu wissen. Und entgegen der manchmal geäußerten Einschätzung, Studierende wüssten mehr als ihre Dozierenden, ergab die Studie, dass die Dozierenden in fast allen Fachbereichen ihren Studierenden ‚eine Nasenlänge‘ voraus sind.“

Bei der Qualifizierung der Lehrenden zeigt sich der Studie zufolge ein rasches Aufgreifen der neuen Themen rund um die KI in die Fort- und Weiterbildungsangebote. „KI wird bereits in einem Fünftel aller Workshops thematisiert.“

Die Studie empfiehlt den Ausbau der Studienangebote zu KI-Kompetenzen, eine stärkere didaktische Integration digitaler Technologien sowie gezielte Maßnahmen zur Sicherung digitaler Teilhabe. Denn viele Studierende wünschen sich der Untersuchung zufolge eine Hochschullehre, die nicht nur fachlich qualifiziert, sondern sie unter anderem auch zu einem effektiven und reflektierten Umgang mit der KI und anderen digitalen Technologien befähigt.

Wonach suchen Sie?