Emmy Noether-Förderung für zwei LMU-Forschende
22.01.2026
Astrophysikerin Jiamin Hou und Molekularbiologe Jonathan Bohlen erhalten Förderungen aus dem Emmy Noether-Programm der DFG.
22.01.2026
Astrophysikerin Jiamin Hou und Molekularbiologe Jonathan Bohlen erhalten Förderungen aus dem Emmy Noether-Programm der DFG.
Der Einfluss der Genregulation auf das Immunsystem und grundlegende Fragen der modernen Kosmologie – mit diesen Themen beschäftigen sich Jonathan Bohlen und Jiamin Hou, die nun von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy Noether-Programms ausgezeichnet werden. Die Fördersumme beträgt jeweils 1,85 Millionen Euro für einen Zeitraum von sechs Jahren.
Jonathan Bohlen ist Forschungsgruppenleiter am Genzentrum der LMU. | © LMU / Jan Greune
Dr. Jonathan Bohlen ist Forschungsgruppenleiter am Genzentrum der LMU. Für seine Forschung erhält er im Rahmen des Emmy Noether-Programms eine Förderung von 1,85 Millionen Euro. In seinem Projekt Spezialisierte mRNA-Translation ist ein Bestandteil der menschlichen T-Zell-Immunität wird er in den kommenden sechs Jahren erforschen, wie molekulare Mechanismen der Genregulation das Immunsystem beeinflussen.
T-Zellen spielen eine zentrale Rolle in unserem Immunsystem. Um Infektionen zu bekämpfen oder Tumorzellen zu erkennen, müssen sie sich innerhalb kurzer Zeit an neue Situationen anpassen. Dafür muss die Zelle nicht nur die Genaktivität steuern, sondern vor allem auch die Proteinproduktion schnell und gezielt anpassen. Ein Schlüsselmechanismus ist dabei die sogenannte Translation, bei der die im Botenmolekül mRNA gespeicherte genetische Information in Proteine übersetzt wird. Dieser Prozess benötigt besonders viel Energie und gehört zu den bislang am wenigsten verstandenen Elementen der Immunregulation.
In seinem neuen Projekt untersucht Bohlen erstmals systematisch, wie spezielle Mechanismen der Proteinsynthese die Funktion von T-Zellen steuern. Ausgangspunkt ist eine seltene angeborene Immunschwäche, bei der ein Defekt in einem an der Regulierung der Translation beteiligten Faktor zu einer ausgeprägten Anfälligkeit für Mykobakterien führt. „Daher nehmen wir an, dass Feinabstimmungen der Translation wesentlich bestimmen, wie T-Zellen auf Krankheitserreger, Stress und Aktivierungssignale reagieren“, sagt Bohlen.
Ziel des Projektes ist es, spezifische T-Zell-Signalwege besser zu verstehen sowie bisher unbekannte, T-Zell-spezifische mRNAs zu identifizieren und zu klären, wie diese Zellen selbst unter starkem Stress eine hohe Proteinproduktion aufrechterhalten können. „Insgesamt soll das Projekt ein neues Verständnis schaffen, wie Immunzellen biologische Entscheidungen treffen“, sagt Bohlen, „diese Erkenntnisse legen die Grundlage für eine bessere Diagnostik seltener Immundefekte und die Weiterentwicklung T-Zell-basierter Therapien.“
Die Astrophysikerin Jiamin Hou ist seit Januar 2026 Forschungsgruppenleiterin an der LMU. | © privat
Dr. Jiamin Hou ist seit Januar 2026 Forschungsgruppenleiterin an der LMU. Im Rahmen des Emmy Noether-Programms erhält die Astrophysikerin für einen Zeitraum von sechs Jahren eine Förderung in Höhe von 1,85 Millionen Euro. In ihrem Projekt Eine kosmische Reise: Vom frühen bis zum späten Universum mit N-Punkt-Funktionen setzt Hou auf eine Reihe neuer Methoden, um aktuelle Fragen der Kosmologie auf der Basis umfangreicher Datensätze großer Galaxienkartierungen zu untersuchen.
Mehrere grundlegende Fragen der modernen Kosmologie sind nach wie vor offen – darunter, was die beschleunigte Expansion des Universums antreibt und wie sich kosmische Strukturen im Laufe der Zeit gebildet und entwickelt haben. „Wir wollen in unserer Forschungsgruppe eine Brücke zwischen Beobachtungen und Grundlagenphysik schlagen, indem wir im datengetriebenen Zeitalter innovative statistische Methoden höherer Ordnung entwickeln und anwenden, um das frühe und das späte Universum zu erforschen“, sagt Hou.
Dank laufender und geplanter Galaxienkartierungen, die Millionen von Galaxien erfassen, stehen heute Datenmengen von bislang unerreichter Größe zur Verfügung. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, grundlegende Annahmen zu hinterfragen und aus kleinen, nichtlinearen Skalen möglichst viele kosmologische Informationen zu gewinnen“, betont Hou. Das Projekt verfolgt zwei zentrale Ziele. Erstens will Hou mit ihrem Team präzise Tests des Standardmodells der Kosmologie und der rätselhaften beschleunigten Expansion des Universums durchführen. Zweitens untersucht sie die physikalischen Mechanismen, die das sehr frühe Universum geprägt haben – darunter Modelle der kosmischen Inflation und mögliche Verletzungen fundamentaler Symmetrien. „Durch die Verbindung neuer Methoden mit einzigartigen Datensätzen wollen wir unerwartete Hinweise auf neue Physik aufspüren.“