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Erika Mann Lecture Series: Eine Vortragsreihe, die in die Gesellschaft hineinwirkt

19.05.2026

Gabriele von Arnim hält die diesjährige Erika Mann Lecture zum Thema „response-ability“.

Gabriele von Arnim | © Paulina Hildesheim/laif

„Beteiligt Euch – es geht um Eure Erde!“, forderte Erika Mann 1934 in ihrem politischen Chanson „Kälte“, das sie für ihr antifaschistisches Kabarett „Die Pfeffermühle“ verfasste. Das Gedicht kreist um die Gleichgültigkeit als „kaltes Ruhekissen“ und ist ein flammender Appell für politisches Engagement, für Menschlichkeit und für Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In Erinnerung an Erika Manns mutige Impulse lädt die LMU jedes Jahr im Sommersemester im Rahmen der Erika Mann Lecture Series herausragende Denkerinnen und Denker dazu ein, sich in einem öffentlichen Vortrag Fragen unserer Gegenwart zu stellen.

Erika Mann war nicht nur Schriftstellerin, Kabarettistin und Journalistin, sondern auch Schauspielerin, Rennfahrerin, Weltreisende und eine profilierte politische Stimme. Mit analytischer Schärfe, Mut und Unerschrockenheit sowie „Witz und Hintersinn“, wie die Essayistin Asal Dardan einmal schrieb, verband Mann kulturelles Engagement mit gesellschaftlicher Verantwortung. „Ihr zu Ehren wollten wir eine jährliche Vortragsreihe schaffen, die von der Universität aus in die Gesamtgesellschaft hineinwirkt,“ sagt Professorin Claudia Olk, Inhaberin des Lehrstuhls für Englische Literaturwissenschaft an der LMU und Initiatorin der Erika Mann Lecture Series, die von der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften veranstaltet wird.

Die diesjährige Erika Mann Lecture findet am 27. Mai statt und wird von der Journalistin, Essayistin und Schriftstellerin Gabriele von Arnim gehalten. Von Arnim wurde 1946 in Hamburg geboren, schrieb für Publikationen wie die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Zeit“ und lebt nach vielen Jahren in New York heute als Autorin in Berlin. In ihrem Vortrag widmet sie sich dem Thema „response-ability“ – also der Fähigkeit, in der Gesellschaft Eigenverantwortung zu üben.

Vorbild Erika Mann: Unbestechliche Geistesschärfe und intellektuelle Freiheit

„Als Autorin, die mit ihren viel verkauften, viel gelesenen Werken zu unterschiedlichen Themen den öffentlichen Diskurs mitbestimmt, ist Gabriele von Arnim unmittelbar anschlussfähig an das Werk Erika Manns“, so Claudia Olk. „Sie ist eine wichtige, kritische Stimme, die immer wieder dazu aufruft, nicht nur einer Mehrheitsmeinung zu folgen, sondern Mut zu haben, Verantwortung zu übernehmen und so aufrichtig wie rational mit den Gegebenheiten unserer Zeit umzugehen.“

Damit steht von Arnim in einer Reihe mit anderen Denkerinnen, die sich im Rahmen der Erika Mann Lecture Series in der Tradition der „public intellectuals“ kritisch mit Fragen unserer Zeit auseinandersetzen. Eröffnet 2023 mit einer Rede der Essayistin Asal Dardan, folgten 2024 die Journalistin Carolin Emcke und 2025 die Schriftstellerin Morgan Jerkins, die das Werk Erika Manns jeweils aus ganz eigener Perspektive in Bezug setzten zu Fragen und politischen Debatten der Gegenwart. „Erika Mann war auch deshalb so eine schillernde Figur, weil sie eine solche Vielfalt an Initiativen und Aktivitäten verkörpert: Als Kabarettistin, Journalistin, Theatermacherin und Kriegsberichterstatterin füllte sie viele Rollen aus“, sagt Olk. In Anlehnung an ihr Vorbild sollen deshalb auch in Zukunft Vortragende eingeladen werden, die sich im öffentlichen Diskurs zu Wort melden und sich der Namensgeberin aus unterschiedlichen Erfahrungen, Prägungen und Denkansätzen nähern.

Zusammenkommen von Universität und Öffentlichkeit

Claudia Olk freut sich, dass es gelungen ist, die Reihe über die letzten Jahre zu etablieren und zu einem festen Termin im akademischen Kalender zu machen: In diesem Jahr gibt es bereits mehr als 700 Voranmeldungen für die Veranstaltung; viele Buchhandlungen organisieren in der Woche der Lecture eigene Büchertische oder Signierstunden. „Es ist ein lebendiges Zusammenkommen von Universität und Öffentlichkeit“, sagt Olk.

Zur Erika Mann Lecture Series:

Poster der Erika Mann Lecture 2026

Poster der diesjährigen Lecture mit Gabriele von Arnim

Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich. Die Teilnahme ist kostenlos nach vorheriger Online-Anmeldung möglich. Die Reihe ist als gemeinsames Projekt der LMU, der Monacensia, der Landeshauptstadt München, des Rowohlt Verlags und Holtzbrinck Berlin organisiert. Weitere Informationen unter www.erika-mann-lecture.de.


Erika Mann war Schriftstellerin, Theaterautorin und Kabarettistin. Bereits 1933 musste sie Nazi-Deutschland verlassen. Sie emigrierte zunächst nach Zürich und später wie ihre Eltern Katia und Thomas Mann in die USA. In ihrer Tätigkeit als Kriegsberichterstatterin kehrte sie 1945 in das befreite Berlin zurück und beobachtete auch die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse.

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