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Gewalt erforschen, Gemeinsamkeit stärken

25.10.2023

Das BMBF fördert ein deutsch-ukrainisches Zentrum der Geschichtswissenschaften an der LMU und der Universität Lviv.

Bronzene weibliche Statue

Mahnmal in Kiew zum Gedenken an die Opfer des Holodomor | © IMAGO/Pond5 Images

Ein deutsch-ukrainisches Kooperationsprojekt soll die Geschichte der Massengewalt im 20. Jahrhundert erforschen. Dazu wird am Lehrstuhl für Geschichte Ost- und Südosteuropas der LMU und an der Katholischen Universität Lviv vom Jahr 2024 an ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Forschungszentrum aufgebaut. Das BMBF hatte am Montag insgesamt vier solcher Zentren bewilligt, mit denen die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine gefördert werden soll.

An dem neuen Zentrum in den Geschichtswissenschaften beteiligt sind Professor Martin Schulze Wessel, Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der LMU, sowie der Historiker Professor Yaroslav Hrytsak von der Katholischen Universität Lviv. „Für die deutsch-ukrainischen Beziehungen in den Geschichtswissenschaften ist das eine sehr erfreuliche Entscheidung“, so Martin Schulze Wessel. „Aber auch für die Öffentlichkeit ist die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte des 20. Jahrhunderts von immensem Interesse."

Forschung zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Das Zentrum soll die Gewaltgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erforschen und diese mit der Geschichte ihrer Erinnerung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verbinden. Dabei werden drei Schwerpunkte gesetzt. Zunächst soll es um sowjetische Massenverbrechen in den 1930er-Jahren gehen, insbesondere den Holodomor, die von der Sowjetführung verursachte Hungersnot in der Ukraine mit fast vier Millionen Opfern. Ein weiteres Thema ist die Massengewalt von deutscher Seite, die Verbrechen der deutschen Besatzungsherrschaft und insbesondere der Holocaust. Schließlich befasst sich das Zentrum mit den Themen Propaganda und Erinnerung – mit den Diskursen über die deutsche Besatzung und die sowjetischen Verbrechen in der Ukraine im Kalten Krieg.

Das neue Forschungszentrum sei ein Pionierprojekt in den Beziehungen der Geschichtswissenschaften der beiden Länder, so Martin Schulze Wessel. Denn abgesehen von der „Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission“, die Schulze Wessel und Yaroslav Hrytsak nach der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim und dem Beginn des russisch-ukrainischen Kriegs 2015 gegründet hatten, gebe es bislang keine „institutionelle Forschungsverbindung zwischen deutschen und ukrainischen Universitäten oder Instituten in den Geschichtswissenschaften“.

Insgesamt fördert das BMBF vier deutsch-ukrainische Forschungszentren in unterschiedlichen Feldern. Neben der Geschichtswissenschaft sind dies Quantenphysik, Plasmatechnologie und Naturstoffforschung. Pro Exzellenzkern stellt das Ministerium ab 2024 für vier Jahre rund 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine trifft auch die ukrainische Wissenschaft mit andauernder Härte“, so Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger. „Mit den jetzt ausgewählten vier deutsch-ukrainischen Exzellenzkernen unterstützen wir die Ukraine gezielt bei einem modernen, forschungsstarken Wissenschaftssystem und einem funktionierenden Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft.“ Dies sei auch ein wichtiger Beitrag zum Wiederaufbau des Landes.

Meldung des BMBF zu vier neuen Exzellenzkernen Unterstützung der Ukraine

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