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„International Student Campus“: Neue Initiativen für die Internationalisierung

03.06.2022

Die Medizinische Fakultät schafft neue Netzwerkmöglichkeiten und Plattformen für den globalen Austausch.

Aus ihren Studentenzimmern in Timișoara, Rumänien, und Valencia, Spanien, unterhalten sich Stefan Ionac und Renato Gutarra per Zoom über ihr bevorstehendes Studienjahr an der LMU. Stefan hat von Rumänien aus bereits als Schüler ein Jahr in Deutschland verbracht. Renato stammt aus Peru, verbrachte mit 16 ein Jahr in der Schweiz und studiert aktuell an der Universidad Miguel Hernández de Elche. Beide sind Studenten der Medizin im dritten Studienjahr und werden ab Herbst 2022 zwei Semester in München verbringen. Kennengelernt haben sich Renato und Stefan beim „International Campus Day“ der Fakultät für Medizin – eine Online-Veranstaltung, die Studierenden, die einen Austauschaufenthalt an der LMU planen, nicht nur erste Einblicke rund um die LMU bieten soll, sondern auch dazu dient, den informellen Austausch untereinander anzustoßen.

Renato war von der Initiative so begeistert, dass er im Anschluss an das virtuelle Treffen eine Chatgruppe gründete, der sich fast alle Teilnehmenden des „International Student Campus“ anschlossen. „Seitdem helfen sich die ‚prospective students‘ untereinander mit Tipps und Tricks“, erzählt Stefan. „Wo will ich wohnen, welche der vorgestellten Arbeitsgruppen klingen interessant? Welche Kurse will ich im Herbst belegen?“

Die Teilnehmenden am International Student Campus der Medizinischen Fakultät

© vzign

Neue Netzwerk- und Austauschmöglichkeiten

Der virtuelle Einführungstag, bei dem Studierende der LMU den zukünftigen Kommilitoninnen und Kommilitonen aus aller Welt ihre Uni und ihre Stadt vorstellen, ist Teil einer größer angelegten Initiative der Medizinischen Fakultät, neue internationale Netzwerkangebote auf allen Ebenen zu schaffen.

Lisa Lechner, im International Office der LMU zuständig für die Medizinische Fakultät, ist eine der treibenden Kräfte hinter der Idee, nach zwei Jahren pandemiebedingter Pausen die Austauschmöglichkeiten auszubauen. „Die Studierenden waren so lange nicht an der Uni“, sagt sie. „Das Volumen an Fragen, die uns erreichen, ist buchstäblich explodiert. Oftmals kommen Studierende aus anderen Ländern zu uns, die noch nicht mal ihren eigenen Campus zuhause wirklich kennenlernen konnten, weil sie mehrere Semester nur virtuell an Vorlesungen teilgenommen haben. Das macht den informellen Austausch untereinander noch umso wichtiger.“ Unter dem Titel „International Campus“ entstehen neben studentischen Networking- und Infoveranstaltungen auch neu konzipierte Programme zur Studierendenmobilität sowie internationale Kurse mit Partneruniversitäten der LMU.

Innovative, internationale Lehrformate

Die Illustration haben die Studierenden selbst konzipiert.

„Die Pandemie hat den globalen Austausch zeitweise sehr schwierig gemacht – zugleich hat sie aber auch neue Möglichkeiten dafür eröffnet“, sagt Programmleiterin Professor Orsolya Genzel-Boroviczény. Weil sie während des Lockdowns viele Veranstaltungen ins Internet verlegen musste, kam ihr die Idee zu einem virtuellen Kurs zum Thema „History Taking“, der gemeinsam mit den Partneruniversitäten in Bari, Italien, und St. Louis, USA, weltweit angeboten wird und für den die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der LMU Credit Points bekommen können.

Der Kurs befasst sich mit gezielten Möglichkeiten zur medizinischen Anamnese von Patientinnen und Patienten – und lässt die Studierenden im Rahmen eines „Simulation Games“ verschiedene Rollen einnehmen, um die Erhebung aus den Perspektiven von Ärztin, Patient oder Übersetzerin zu üben. „Körperliche Untersuchungen kann man nur schwer online unterrichten“, sagt Professor Genzel-Boroviczény. „Aber Kommunikation ist für angehende Ärztinnen und Ärzte genauso essenziell wie technische Fertigkeiten im OP. Hier profitieren wir auch von der internationalen Communitiy“, sagt sie.

Interkulturelle Kommunikation im OP

So befasst sich der Kurs zum Beispiel mit standardisierten Fragen, die für die Diagnose einer Krankheit wichtig sind, aber auch mit den Schwierigkeiten, die es bei der Anamnese zu bewältigen gilt. Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen werden genauso thematisiert wie geschlechterspezifische Fragen und rassistische Denkmuster, die einer korrekten Diagnose im Weg stehen können.

Der Fokus liegt dabei auch auf der interkulturellen Kommunikation: Wie Patientinnen und Patienten mit verschiedenen gesundheitlichen Themen umgehen und wie sie auf sensible Fragen antworten, ist schließlich auf der ganzen Welt verschieden. Innovative Lehrformate wie der „History Taking“-Kurs erweitern das Spektrum der Austauschangebote für Medizinerinnen und Mediziner. „Nicht jeder kann während seines Studiums ins Ausland gehen“, sagt Genzel-Boroviczény. „Umso schöner ist es, dass es nun neue Möglichkeiten gibt, trotzdem internationale Kurse zu belegen, von Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt zu lernen.“

Neue Programme zur Studierendenmobilität

Zugleich freut man sich an der Medizinischen Fakultät, bewährte Programme zur Studierendenmobilität wieder aufnehmen und neue Initiativen starten zu können. So wurde vor einem halben Jahr etwa unter der Schirmherrschaft von Professor Thomas Schulze, der an der LMU den Lehrstuhl für Psychiatrische Phänomik und Genomik innehat, eine Kooperation zwischen der LMU und der SUNY Upstate Medical University in Syracuse, New York, vereinbart.

Meron Bayable Gebeyehu und Bulcha Lemma Tolosa aus Äthiopien sind bereits seit vier Wochen an der LMU und durchlaufen am Klinikum Großhadern Stationen in der Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie und Orthopädie. Die beiden gehören zu einer Gruppe von acht Studierenden im Praktischen Jahr der Jimma University in Addis Abeba, mit der die Medizinische Fakultät der LMU seit vielen Jahren unter der Leitung von Professor Matthias Siebeck ein studentisch organisiertes Austauschprogramm unterhält. Die beiden äthiopischen Famulierenden freuen sich über die zahlreichen Möglichkeiten für informellen Austausch mit den Münchner Kommilitoninnen und Kommilitonen. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, erzählt Meron Bayable. „Ich verbringe viel Zeit mit den deutschen Austauschpartnern. Durch Netzwerkmöglichkeiten wie den ‚Incoming Day‘ ist man schon Teil der LMU-Community, wenn man hier ankommt.“ Auch Bulcha Lemma ist begeistert von München und von den medizinischen Möglichkeiten in Großhadern. „Die Operationssäle sind technisch auf dem allerneusten Stand“, schwärmt er. „Im Bereich Diagnostik habe ich bereits vieles gelernt, was ich zuhause anwenden will.“

Meron Bayable Gebeyehu und Bwicha Lemma Toiosa aus Äthiopien sind bereits seit vier Wochen an der LMU und durchlaufen am Klinikum Großhadern Stationen in der Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie und Orthopädie.

© vzign

Studentinnen und Studenten als internationale Botschafter

Anne Sophie Albertowski, derzeit in ihrem Praktischen Jahr und wissenschaftliche Hilfskraft im International Office, hat ihrerseits gerade einen Teil ihres PJ in Krakau, Polen, und in Äthiopien verbracht. Zuvor hatte sie sich bereits dafür engagiert, den Jimma Exchange während der Pandemie durch einen digitalen Austausch zu überbrücken – und setzt sich nun im Team von Lisa Lechner dafür ein, die Plattformen für informelles Networking auszubauen.

„Wir arbeiten daran, Erfahrungsberichte aus erster Hand und Kontakte zu Studierenden und Alumni der potenziellen Partnerunis unkompliziert zugänglich zu machen“, erzählt sie. „So lassen sich Auslandsaufenthalte während des Medizinstudiums besser planen und vorbereiten.“

Professor Thomas Schulze, der seinerseits in Barcelona und den USA studiert hat und heute nicht nur an der LMU, sondern auch in Syracuse forscht und lehrt, sieht diese Bestrebungen als Teil eines größeren Projekts. „Mir liegt viel daran, dass wir unsere weltweite Sichtbarkeit erhöhen mit der hochkarätigen Medizin, die wir an der LMU haben“, erklärt Schulze. „Das fängt mit der Ausbildung an. Die Medizin der Uni München ist eine internationale Marke – und die Studierenden, die Professorinnen und Professoren, die ihre Erkenntnisse bei uns und in aller Welt gewinnen, sind unsere Botschafterinnen und Botschafter.“

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