Im Rahmen des Henriette Herz-Scouting-Programms der Alexander von Humboldt-Stiftung sucht Immunologe Professor Sebastian Kobold exzellente Nachwuchsforschende aus dem Ausland. Der LMU-Mediziner spricht über die Bedeutung des internationalen Austauschs für die Forschung und die Möglichkeiten, die ein Humboldt-Forschungsstipendium jungen Wissenschaftstalenten eröffnen kann.
Sebastian Kobold ist im Rahmen des Henriette Herz-Programms als Scout für die Humboldt-Stiftung ausgewählt worden.
© Stephan Höck / LMU
Sie sind erstmals als Scout für die Humboldt-Stiftung ausgewählt worden und dürfen nun internationale Nachwuchsforschende für ein Stipendium auswählen. Wen möchten Sie über das Programm finden und im Rahmen eines Forschungsaufenthalts in Ihrem Fachbereich fördern?
Sebastian Kobold: Vielversprechende und ambitionierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt – explizit nicht aus Deutschland und ohne bisherige Studien- oder Forschungsaufenthalte hier. Ziel des Programms ist es, solche Personen für ihre Forschung nach Deutschland zu holen, gefördert mit einem Stipendium der Humboldt-Stiftung. Zum Anforderungsprofil für die Kandidatinnen und Kandidaten gehört, dass die Promotion vor höchstens zwölf Jahren abgeschlossen wurde und gemessen an der Karrierestufe bereits überdurchschnittliche Leistungen erbracht wurden. Für meine Stipendiatinnen und Stipendiaten setze ich zudem ein großes Forschungsinteresse auf dem Gebiet der Immunologie und Immunonkologie voraus – also wissenschaftliche Begeisterung für „unsere“ Themen.
Was sollten Bewerberinnen und Bewerber für den Forschungsaufenthalt außerdem unbedingt mitbringen?
Vor allem eine gesunde Mischung aus genuinem Wissenschaftsinteresse und der Motivation, gut zu performen. Natürlich ist es von Vorteil, bereits Erfahrung auf dem Gebiet der Immunologie oder in verwandten Bereichen gesammelt zu haben. Das ist aber keine Grundvoraussetzung, denn es kann genauso spannend und inspirierend sein, wenn jemand beispielsweise aus den Computerwissenschaften oder der Chemie kommt und seine Expertise in ein Projekt einbringen kann. Noch wichtiger als eine Promotion in der Medizin oder Biologie ist aus meiner Sicht das Interesse am Thema.
Ich denke, dass Mobilität und das Einbringen neuer Perspektiven, Methodiken und Strategien die Forschung an der LMU entscheidend voranbringen.
Sebastian Kobold
Welche Chancen eröffnen sich für Geförderte, die im Rahmen des Forschungsstipendiums sechs bis 24 Monate lang unterstützt werden?
Zum einen ist natürlich schon allein das Netzwerk extrem attraktiv für Forschende, denn die Humboldt-Stiftung verfügt über ein großartiges Alumni-Netz und bringt über die Grenzen einzelner Disziplinen und Forschungsfelder hinweg die besten Köpfe zusammen. Zum anderen ist das Stipendium finanziell attraktiv und ermöglicht mir als Scout eine gezielte personenbezogene Fördermöglichkeit für vielversprechende Nachwuchsforschende aus dem Ausland. Und mit dem Programm der Humboldt-Stiftung kann man sich auch über ein Fellowship hinaus qualifizieren, denn deren Renommee ist gerade in Deutschland extrem hoch.
Welche Impulse erhoffen Sie sich durch die internationalen Nachwuchsforschenden?
Wir sind in meinem Labor schon sehr international aufgestellt und das ist kulturell und inhaltlich eine enorme Bereicherung. Bleibt man „unter sich“, besteht die Tendenz, dass sich die immer gleichen Visionen und Meinungen selbst verstärken. In der Wissenschaft ist das lähmend, denn sie lebt vom Diskurs, von unterschiedlichen Meinungen. Ich denke, dass Mobilität und das Einbringen neuer Perspektiven, Methodiken und Strategien die Forschung an der LMU entscheidend voranbringen. Und zwar in einer Weise, die uns ansonsten nicht möglich wäre. So wertvoll der eigene wissenschaftliche Nachwuchs für eine Hochschule auch ist, braucht es dennoch unbedingt den Austausch. Er ist ein Motor für Innovation und Neuheit.
Wir müssen die internationale Vernetzung weiter schätzen und vorantreiben – unabhängig von jeglichen Abschottungstendenzen.
Sebastian Kobold
War das auch Ihre Motivation, sich als Scout für das Programm zu engagieren und damit Nachwuchsforschende aus dem Ausland zu fördern?
Ja, absolut. Wir haben in der Vergangenheit extrem gute Erfahrungen mit internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemacht. Wir bekommen auch häufig Spontananfragen aus aller Welt bezüglich eines Forschungsaufenthalts während oder nach der Promotion. Das ist dann aber immer ein Individualweg, der erst gefunden und finanziert werden muss. Das Programm der Humboldt-Stiftung bietet mir als Scout die Möglichkeit, schneller und effizienter Personen zu fördern. Gerade für unser Feld, das sehr stark von Internationalität lebt – wir sind national und international sehr gut vernetzt –, ist das auch ein wichtiger Motor für die Forschung.
Die Perspektiven für Nachwuchsforschende sind gerade auf dem Gebiet der Immunologie und Immunonkologie auch sehr gut. Ich glaube, für junge und ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das ein überaus zukunftsträchtiges und attraktives Feld der Biomedizin. Wir haben in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren eine regelrechte Revolution erlebt und festgestellt, dass die Immunologie im Prinzip für so ziemlich jede Erkrankung des Menschen eine zentrale Rolle spielt und für therapeutische Zwecke sehr stark beeinflussbar ist. Wir haben mittlerweile sehr viele therapeutische Konzepte, die in alle Gebiete der Medizin reichen. Insbesondere in die Onkologie, wo wir inzwischen viele Erkrankungen mit einer Immuntherapie behandeln können, bei denen früher keine Aussicht auf Heilung mehr bestand.
Aus dem LMU-Digitalmagazin: Krebstherapie nach Maß
Weiterlesen
Welche Pläne und Visionen möchten Sie in Ihrem Labor gemeinsam mit den internationalen Nachwuchsforschenden verfolgen?
Erst einmal geht es um Grundlagenforschung, aber als Teil der Medizinischen Fakultät streben wir auch immer danach, damit eine ganz konkrete Basis für therapeutische Anwendungen zu legen. Zum Teil hat unsere Grundlagenforschung auch schon therapeutische Orientierung. Am Ende steht als Ziel daher auf jeden Fall, gemeinsam mit den Nachwuchsforschenden hochkarätige translationale Forschung zu betreiben. Je nachdem, aus welchem Umfeld die Person kommt, sind auch internationale Forschungskooperationen denkbar. Viele Forschungsgruppen und Labore entsenden Mitarbeitende ins Ausland, die dann mit frischen Impulsen zurückkehren und die Basis für langfristige Kooperationen legen sowie Netzwerke knüpfen. Ich glaube, da gibt es vielfältige Möglichkeiten, und wir möchten das Humboldt-Stipendium auch zur Erweiterung und zur Festigung unseres internationalen Netzwerks nutzen.
Welchen Stellenwert haben aus Ihrer Sicht internationale (Nachwuchs-)Forschende in der Medizin und den Naturwissenschaften an der LMU?
Aus meiner Sicht ist kompetitive Forschung ohne internationale Forschende im Grunde nicht mehr möglich – ungeachtet der Qualität des eigenen und nationalen wissenschaftlichen Nachwuchses. Aber auch der profitiert von einer bunten Mischung an Nationalitäten und Institutionen. Ich glaube, dass diese Internationalisierung ein sehr wichtiger Motor der Innovationskraft ist und dass wir das brauchen. Wir müssen die internationale Vernetzung weiter schätzen und vorantreiben – unabhängig von jeglichen Abschottungstendenzen.
Prof. Dr. med. Sebastian Kobold ist Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie des LMU Klinikums und forscht auf dem Gebiet der experimentellen Immunonkologie.
Mehr zum Henriette Herz-Scouting-Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung
Zur Bewerbung als Stipendiat des Henriette Herz-Scouting-Programms am Institut für Klinische Pharmakologie richten Sie bitte eine E-Mail mit Lebenslauf und Motivationsschreiben an Professor Sebastian Kobold: sebastian.kobold@med.uni-muenchen.de