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KI verstehen und mitgestalten: Wie der Career Service Studierende beim Jobeinstieg unterstützt

24.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – und damit auch die Anforderungen an Studierende. Dirk Erfurth vom Career Service erklärt, warum es dabei weniger um Angst als um Verständnis und Mitgestaltung geht.

Künstliche Intelligenz verändert viele Bereiche der Arbeitswelt. Für Studierende und Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger kommt es deshalb darauf an, die Technologie zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und ihren Einsatz reflektiert zu begleiten. Im Interview erklärt Dirk Erfurth vom Career Service, welche Kompetenzen dabei wichtig sind und wie Angebote wie die KI-Akademie Studierende dabei unterstützen können.

Herr Erfurth, Angst vor KI ist ein Thema, das in der heutigen Gesellschaft immer wieder auftaucht. Wie sehen Sie das?

Dirk Erfurth: Ich finde, Angst ist nicht der treffende Begriff. Angst wovor? Vor Veränderung? Veränderung gab es auch schon in der Vergangenheit, und Veränderungen können auch Möglichkeiten schaffen.

Was mit Angst vielleicht oft gemeint ist, ist eher, dass man den Veränderungen noch nicht ausreichend gewachsen ist. Im Studium und im Leben wurden Fähigkeiten, Wissen und Kompetenzen angeeignet, die jetzt im Hinblick auf Veränderungen vielleicht nicht mehr ganz ausreichen und das kann Angst machen. Entscheidend ist deshalb die Frage: Wie gehe ich damit um? Wie reagiere ich auf solche Veränderungen so, dass ich sie als Möglichkeiten und neue Gelegenheiten wahrnehmen kann?

Dafür ist es natürlich erforderlich, dass ich zunächst einmal genau verstehe, um was für Veränderungen es sich handelt und wie ich diese Veränderungen mitgestalten kann, damit sie nicht als Bedrohung erlebt werden.

Dirk Erfurth ist Leiter des Career Service der LMU und berät Studierende beim Jobeinstieg.

© SABINE JAKOBS

Was bedeutet das konkret für Studierende und Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger?

Dirk Erfurth: KI wird oftmals wie ein Wundermittel oder ein Zauberkasten dargestellt. Bevor ich dieses Werkzeug nutze, muss ich verstehen, wie es überhaupt funktioniert. Es funktioniert besonders gut, wenn ich sehr gute, valide Daten habe. Im Prinzip muss ich also viel über Datenqualität wissen, über die Anwendung dieses Werkzeugs und darüber, wie ich es benutzen soll.

Ich kann smarter sein als die KI, indem ich – noch bevor ich sie überhaupt einsetze – dieses Werkzeug bewusst reflektiere und mir klar überlege, was ich eigentlich herausfinden will. Dazu gehört das kritische Denken: Ergebnisse systematisch zu hinterfragen und sorgfältig gegenzuchecken.

Ein simples Beispiel wäre, denselben Prompt in mehreren KI-Anwendungen auszuprobieren und zu schauen, wie sich die Ergebnisse unterscheiden. Oder noch einen Schritt früher: sich bewusst zu machen, was eigentlich ein guter Prompt ist, was ein sehr guter Prompt ist und wo die Unterschiede liegen. Vor allem sollte man sich immer fragen, ob das Sinn macht und ob das Ergebnis plausibel ist. Wir sollten das Ergebnis nicht einfach blind akzeptieren.

Reicht kritisches Denken allein aus, oder braucht es darüber hinaus weitere Kompetenzen?

Dirk Erfurth: Kritisches Denken ist zentral, aber es reicht nicht allein aus. Unabhängig davon benötigen Sie, je nach Studienfach, ein sehr solides, idealerweise exzellentes Fachwissen als Grundlage. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, entsprechende Kompetenzen gezielt auszubauen, etwa über Angebote wie die KI-Akademie im Career Service oder indem Sie sich mithilfe von KI eigenständig weiterqualifizieren.

Entscheidend ist dabei eine kontinuierliche, reflektierte Auseinandersetzung – also die Bereitschaft, sich im Selbststudium fortlaufend weiterzuentwickeln und die eigenen Lernprozesse kritisch zu begleiten.

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Wie können Studierende solche Kompetenzen praktisch erwerben?

Dirk Erfurth: Es ist wichtig, dass ich nicht einfach nur irgendeinen Nebenjob oder irgendein Praktikum suche. Wenn ich die Chance habe, ein Vierteljahr oder ein halbes Jahr außerhalb meines regulären Studienplans praktische Erfahrung in einem Unternehmen, einem Start-up oder einer Organisation zu sammeln, dann suche ich im Idealfall ganz gezielt nach Projekten oder Aufgaben, die sich mit Veränderungen befassen.

Keine Angst haben, sondern den Stier bei den Hörnern packen und sagen: Ich will in ein Projekt hinein, in dem es darum geht, eine KI-Anwendung in einer Abteilung einzusetzen. Ich will lernen, wie sie eingesetzt wird, ich will verstehen, warum sie eingesetzt wird und was der Mehrwert ist.

Darum geht es grundsätzlich auch: dass Studierende und Absolventinnen und Absolventen den Arbeitgebern vermitteln und selbst für sich erkennen, wo sie einen positiven Beitrag leisten können. Das ist etwas, was man in der Zeit an der Universität ausprobieren sollte, und zwar sehr systematisch und wohlüberlegt.

Wie unterstützt der Career Service dabei?

Dirk Erfurth: Eine zentrale Aufgabe unseres Career Service ist es, Studierende mit Professionals aus der Arbeitswelt zu vernetzen, damit Studierende an Erfahrungswissen herankommen. Es geht nicht nur um Buchwissen oder um Dateien, die irgendwo gespeichert sind, sondern um das Erfahrungswissen von Menschen.

Genau das ist etwas, was ChatGPT und andere Anwendungen nicht können. In KI steckt sehr viel Wissen auf der Basis vorhandener Daten. Aber was ist mit all den Dingen, die noch nicht in einer KI drin sind, sondern in den Köpfen von Menschen stecken? Deshalb ist es zentral, nicht nur das Werkzeug zu verstehen, sondern auch zu verstehen, wie andere es anwenden.

Die ersten KI-Workshops des Career Service haben bereits stattgefunden. Wie sind sie gelaufen?

Dirk Erfurth: Wir hatten bei unserem ersten Workshop ungefähr 25 Personen aus allen Fakultäten der LMU dabei. Das Besondere an der KI-Akademie ist, dass wir das in Kooperation mit Unternehmenspartnern machen. Die Studierenden sollen wirklich an Business Cases von Profis erkennen, nicht nur: „Was kann KI, was kann KI nicht oder noch nicht?“, sondern auch: „Wie wird sie eingesetzt?“

Es war eine wunderbare Mischung aus einem Impulsvortrag eines Unternehmens und anschließender Gruppenarbeit. Es gab Kleingruppen, in denen die Studierenden an Cases gearbeitet haben, und dann wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Im Anschluss hat das Unternehmen die Teilnehmenden noch zum Pizzaessen in der Uni eingeladen. Networking ist extrem wichtig, damit Studierende oder auch junge Berufseinsteigende die Chance haben, innerhalb von Organisationen Netzwerke aufzubauen. Diese Kontakte können sehr viel Wissen vermitteln, das in der KI gar nicht drin ist.

Was möchten Sie Studierenden mit Blick auf KI und Berufseinstieg besonders mitgeben?

Dirk Erfurth: Ich sollte keine Angst davor haben, sondern verstehen, wie ich KI für mich nutzen kann. Und ich sollte KI nicht einfach nur passiv anwenden, sondern aktiv – mit allen Vorzügen und auch Schwächen.

Du interessierst dich für Künstliche Intelligenz und willst verstehen, wie KI deinen Studien- und Berufsalltag beeinflussen kann? In der KI-Akademie des Career Service erfährst du, was KI-Agenten wirklich sind, wie du sie entwickelst und sinnvoll einsetzen kannst. Für Studierende aller Fachbereiche.

Mehr Informationen auf der Seite des Career Service

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