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Lehrkräftebildung: Europa kommt ins Klassenzimmer

09.07.2026

Seminare, Exkursionen, E-Learning: „EU goes School“ stärkt Lehrkräfte darin, Unterricht über die Europäische Union spannend zu gestalten.

Besucherinnen und Besucher auf dem Weg zum Europäischen Parlament

Auch mehrtägige Ekursionen sind Teil des Projekts „Eu goes School“ | © ESG-LAB

Die Auseinandersetzung mit der Zukunft Europas ist wichtiger denn je. Kriege und Krisen stellen die Staaten Europas vor Herausforderungen, die nur gemeinsam gelöst werden können. Zugleich scheint die EU als wichtigste europäische Institution weit weg. Zu bürokratisch, zu undemokratisch, zu regelwütig: Das Image ist nicht das allerbeste, die Europaskepsis auch bei jungen Menschen groß.

Umso wichtiger ist es, Schülerinnen und Schüler für Europa zu begeistern. Das Thema EU sei an Schulen allerdings „schwer vermittelbar“, erklärt der Professor Markus Gloe im Podcast „EU goes School“. Die europäischen Verträge, die Institutionen, der Eintritt der Mitgliedstaaten: Das ist staubtrockener Stoff. Mit dem Auswendiglernen von Fakten lassen sich Jugendliche kaum fürs Thema gewinnen.

Alltagsnaher, lebendiger Europaunterricht wäre nötig, um zu zeigen: Die EU ist viel mehr als ein bloßer Verwaltungsapparat.

Spannender Unterricht

Gloe leitet „EU goes School – Lehrkräfte als EU-Botschafter:innen (EGS-LAB)“, ein Projekt des Münchener Zentrums für Lehrerbildung (MZL) und des Geschwister-Scholl-Instituts der LMU. Ziel des von der Europäischen Kommission seit 2022 geförderten Projekts ist es, angehende und erfahrene Lehrkräfte für Europabildung zu gewinnen und gemeinsam attraktive Unterrichtseinheiten zu entwickeln. Fachdidaktikerinnen und -didaktiker der LMU unterstützen sie dabei. Die Konzepte, die so entstehen, werden an Schulen erprobt und evaluiert. Besonders gelungene Unterrichtseinheiten veröffentlicht das Zentrum für Lehrerbildung auf seiner Projekthomepage.

Dort findet man auch eine digitale Lernplattform, auf der anhand von Texten, Audio- und Videomaterial die Geschichte, die Institutionen und die Entscheidungsprozesse der EU erkundet werden können. Erheblich spannender als im Lehrbuch, individuell und im eigenen Tempo.

Train the trainer

Um die Europabildung in Schulen auch langfristig zu stärken und ein Netzwerk an EU-Botschafterinnen und -Botschaftern aufzubauen, bietet „EU goes School“ Lehrerfortbildungen sowie ein Zertifikatsprogramm an. Das Prinzip „Train the trainer“ ermuntert dazu, Wissen an Kollegen und Kolleginnen weiterzugeben und so die Multiplikatorenrolle an ihren Schulen zu übernehmen.

Darüber hinaus führen mehrtägige Exkursionen nach Straßburg und Brüssel. Dort erfahren Studierende und Referendare, wie europäische Institutionen arbeiten und Entscheidungen zustande kommen. Lilly Schmidt, angehende Gymnasiallehrerin für Deutsch und Politik, hat im Januar an einer Exkursion teilgenommen. „Im Studium kommt die Europäische Union oft zu kurz“, sagt sie. In Brüssel hatte sie Gelegenheit, mit Abgeordneten über parlamentarische Abläufe zu sprechen. Besonders begeistert hat sie das Planspiel, in dem unterschiedliche Positionen zu Klima- und Verbraucherschutzfragen entwickelt, Mehrheiten organisiert und Kompromisse ausgehandelt wurden.

Ziemlich komplex

Personen in einer Ausstellung

Besuch im Parlamentarium des Europäischen Parlaments | © ESG-Lab

Ihr Fazit: „Die Entscheidungsprozesse der EU sind noch wesentlich komplexer, als man vermutet.“ Der Grund: Die Europäische Union ist, wie Markus Gloe im Podcast von „EU goes School“ erklärt, weder ein klassischer Staatenbund noch ein Bundesstaat. Beschlüsse entstehen im Zusammenspiel der Institutionen und Mitgliedstaaten, die häufig unterschiedliche Interessen vertreten. Die Entscheidungswege sind entsprechend kompliziert.

Der Podcast ist in der zweiten Förderphase des Projekts neu hinzugekommen. Gäste aus Wissenschaft und Praxis diskutieren hier monatlich über die EU und ihre Vermittlung im Unterricht – eine niedrigschwellige Möglichkeit, Menschen auch außerhalb von Seminaren und Fortbildungen zu erreichen.

Ein Ende des Kabelchaos

Podcast-Host ist Projektmitarbeiter Fabian Heindl. Interessant sei Europa für junge Leute vor allem dann, erklärt er, wenn sie die Politik unmittelbar betreffe. Was tatsächlich sehr viel öfter vorkommt, als häufig angenommen. Schließlich geht nicht nur die berüchtigte Vorschrift zur Krümmung der Gurke auf EU-Recht zurück, sondern auch die gerade eingeführte Vereinheitlichung von Ladekabeln, die das Kabelchaos zu Hause erheblich reduziert. Europa ist nun mal längst Teil des Alltags.

Im Projekt gehe es allerdings nicht darum, der EU unkritisch und unreflektiert zu begegnen, so Heindl. Demokratie lebe ja auch von der Kritik. Was die Schülerinnen und Schüler von den Lehrkräften vielmehr lernen sollen, ist, europäische Entscheidungen zu hinterfragen, Positionen abzuwägen und eigene Vorschläge zu entwickeln. Politische Mündigkeit also statt stupides Auswendiglernen.

„Planspiele bewirken ganz viel“

Teilnehmerin Lilly Schmidt wünscht sich, dass so viele Studierende wie möglich Gelegenheit bekommen, die Arbeit der EU vor Ort zu erleben. „Studierende wissen oft gar nicht, wie viel Potenzial die EU als Thema in der Schule bereithält. Viele scheuen sich, das Thema zu behandeln, kennen sich schlecht aus und verkennen dabei die Relevanz.“ Die Brüssel-Exkursion habe ihr gezeigt, wie viel sich durch unmittelbare Erfahrungen lernen lasse. „Schulbücher geben nicht so viel her“, sagt sie. Oft reduziere sich Lernen auf theoretisches Wissen. „Dabei kann man zum Beispiel mit einem Planspiel ganz viel bewirken, da es komplexe Entscheidungsprozesse innerhalb der EU erfahrbar macht.“

Sie weiß schon jetzt: Wenn sie künftig unterrichtet, will sie ihren Schulklassen mehr bieten als die üblichen Fakten zu Europäischen Verträgen und Institutionen. Die Schüler sollen verstehen, wie sehr europäische Entscheidungen ihr Leben beeinflussen. „Denn“, sagt Lilly Schmidt: „Viele Jugendliche wissen gar nicht, was die EU alles für sie tut.“

Studierende mit europäischen Flaggen

Exkursion im Rahmen des Projekts „EU goes School“

© ESG-LAB

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