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Neues Zentrum für Tiermedizin: Richtfest am LMU-Campus Oberschleißheim

05.03.2026

Mit Zentralgebäude, Mensa und Bibliothek wächst der Campus der Tierärztlichen Fakultät. Die Neubauten bündeln Studium, Forschung und Verwaltung.

Akkordeonmusik hallt durch den Betonbau. Bauzäune stehen noch vor dem Gebäude, Kabel und Rohdecken sind zu sehen – und doch wirkt es, als könnte hier bald der Betrieb beginnen: Die Fenster sind eingesetzt, die Heizung läuft und drinnen ist es trotz der kalten Temperaturen entsprechend warm. Zwischen Baugeländern und Betonpfeilern haben sich zahlreiche Gäste versammelt: Vertreterinnen und Vertreter der Universität, der Politik, der Bauverwaltung, dazu Architektinnen, Bauarbeiter und Mitarbeitende der Fakultät.

Auf dem Campus der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in Oberschleißheim wird das Richtfest für zwei Neubauten gefeiert: ein zentrales Lehr- und Bürogebäude mit Mensa sowie eine Bibliothek.

Personen links nach rechts: Markus Böck (Erster Bürgermeister der Gemeinde Oberschleißheim), Thomas Jenkel (Amtsleiter des Staatlichen Bauamts München 2), Uli Wiedemann, Peter Tzingouglou, Prof. Dr. Reinhard Straubinger (Dekan der Tierärztlichen Fakultät), Christian Berreiter (MdL Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr), Prof. Dr. Benedikt Grothe (Vizepräsident für Natur- und Lebenswissenschaften der LMU), Daniel Heyer (Leitender Architekt, Bodamer Faber Architekten, Stuttgart), Wolfgang Müller (Geschäftsführer, Georg Reisch GmbH & Co KG, Bad Saulgau)

Fertigstellung ist für 2027 geplant

Das Bauvorhaben ist Teil der weiteren Entwicklung des Tiermedizin-Campus. Für die beiden Gebäude hat der Freistaat Bayern Gesamtkosten von rund 75,5 Millionen Euro genehmigt. Die Bauarbeiten begannen im November 2024, der Spatenstich erfolgte im Februar 2025. Wenn alles weiter nach Plan läuft, sind die Gebäude im Mai 2027 fertig.

Im größeren der beiden Gebäude entstehen Verwaltung, Unterrichtsräume und eine Mensa. Hier befinden sich dann auf knapp 9.000 Quadratmetern Nutzfläche Büros, Seminarräume, ein Skills Lab für praktische Übungen der Studierenden sowie zwei Hörsäle mit insgesamt etwa 500 Plätzen. Die Mensa soll täglich bis zu 1.500 Essen ausgeben können und bietet 346 Sitzplätze sowie weitere 98 Plätze in einer Cafeteria.

Daneben entsteht eine Bibliothek mit rund 3.400 Quadratmetern Fläche. Geplant sind eine Lehrbuchsammlung mit etwa 100.000 Büchern und Zeitschriften, rund 150 Einzelarbeitsplätze sowie Räume für Gruppenarbeit.

„Heute feiern wir einen weiteren Meilenstein für die Tierärztliche Fakultät der LMU“, sagt Thomas Jenkel, Leiter des Staatlichen Bauamts München II, zur Begrüßung. Das Projekt sei zudem eines der ersten größeren Bauvorhaben des Freistaats an der LMU, das an einen Totalunternehmer vergeben wurde, der Planung und Bau aus einer Hand übernimmt.

Auch Bayerns Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Christian Bernreiter, verweist auf den schnellen Baufortschritt. „Nur gut ein Jahr nach dem ersten Spatenstich feiern wir heute bereits Richtfest: Das ist beeindruckend schnell – die gute Zusammenarbeit von Nutzer, Bauamt und Totalunternehmer macht’s möglich“, sagt er. Das Zentralgebäude mit Hörsälen, Mensa und Dekanat sowie die Bibliothek würden künftig zum zentralen Treffpunkt auf dem Campus Oberschleißheim.

Wissenschaftsminister Markus Blume erklärte anlässlich des Richtfests, der LMU-Campus in Oberschleißheim werde „das Zentrum für moderne Tiermedizin in Europa“. Mit dem neuen Zentralgebäude und der Bibliothek entstünden beste Bedingungen für Spitzenforschung und Ausbildung.

Auch aus Sicht der Universität ist der Ausbau des Standorts zentral. Für die Hochschulleitung steht vor allem die Entwicklung des Standorts Oberschleißheim im Mittelpunkt. „Forschung braucht Infrastruktur“, sagt LMU-Vizepräsident Benedikt Grothe. Räume für Lehre, Bibliotheken oder Mensa seien grundlegende Voraussetzungen für den Universitätsbetrieb – würden im Alltag aber oft unterschätzt. Gerade bei steigenden Studierendenzahlen und immer aufwendigerer Forschung müsse die Universität genügend Platz für Studium, Austausch und Verwaltung bereitstellen.

Auch der Dekan der Tierärztlichen Fakultät, Reinhard Straubinger, spricht von einem wichtigen Schritt für die Fakultät. Über viele Jahre war sie auf mehrere Standorte verteilt. Ein Teil der Einrichtungen befand sich an der Königinstraße beim Englischen Garten – ein traditionsreicher Standort, der jedoch zunehmend an seine räumlichen Grenzen stieß. Lehrveranstaltungen, Forschung und Verwaltung lagen weit auseinander, viele Wege zwischen den Einrichtungen gehörten für Studierende und Mitarbeitende zum Alltag.

Der Campus soll die Fakultät an einem Ort zusammenführen

Der Campus in Oberschleißheim soll diese Situation grundlegend verändern. Bereits in den vergangenen Jahren sind hier mehrere Gebäude entstanden, darunter Tierkliniken und Forschungsgebäude der Fakultät. Die neuen Gebäude bündeln künftig große Teile von Studium, Forschung und Verwaltung an einem Ort. Für Studierende und Lehrende bedeutet das vor allem eine deutlich einfachere Organisation des Studien- und Arbeitsalltags – und mehr Raum für Lehre und Forschung.

Richtfest in Oberschleißheim

Auch für Oberschleißheims Bürgermeister Markus Böck ist der wachsende Campus ein wichtiges Projekt für die Gemeinde. Die Universität bringe immer mehr Forschung und akademisches Leben nach Oberschleißheim. Darauf sei man stolz, sagt Böck. Das bringe zwar auch neue Herausforderungen, etwa beim Verkehr oder beim Wohnraum. Aber natürlich entstünden zugleich spürbare Impulse für die Gemeinde, die Oberschleißheim stärker zu einem Ort von Wissenschaft und Forschung machten.

Der kirchliche Segen wird noch im Gebäude gesprochen. Ein katholischer und eine evangelische Geistliche sprechen gemeinsam ein Gebet und segnen das neue Haus. Anschließend wechseln die Gäste nach draußen auf die Baustelle. Zwei Poliere sprechen vom Kran aus den traditionellen Richtspruch. Dabei loben sie Bauleute und Handwerker. Nach jedem Vers wird, wie es die Tradition des Richtfests will, ein Glas Wein geleert. Zum Abschluss werfen alle die Gläser auf den Kiesboden, wo sie mit einem lauten Knall zerbersten. Über ihnen hängt inzwischen der mit Tannengrün geschmückte Kranz über dem Neubau.

Mit dem hochgezogenen Richtkranz erreicht das Richtfest seinen traditionellen Höhepunkt – ein kurzer Moment, in dem die Baustelle stillzustehen scheint und alle Blicke nach oben gehen. Drinnen beginnt derweil schon der Richtschmaus – für die geladenen Gäste, vor allem aber für Bauarbeiter, Handwerkerinnen und alle, die dieses Gebäude überhaupt erst möglich gemacht haben. Auf sie warten unter anderem Schweinsbraten mit Knödeln.

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