Soziologie: Abschlussarbeit mit „BestMasters“-Award ausgezeichnet
24.03.2026
Für ihre Masterarbeit zur sozialen Mobilität erhält Pia Schöttke den renommierten „BestMasters“-Award des Wissenschaftsverlags Springer.
24.03.2026
Für ihre Masterarbeit zur sozialen Mobilität erhält Pia Schöttke den renommierten „BestMasters“-Award des Wissenschaftsverlags Springer.
Was bedeutet sozialer Aufstieg für das eigene Leben? Dieser Frage geht die Soziologin Pia Schöttke in ihrer ausgezeichneten Masterarbeit nach. Sie untersucht, welche Auswirkungen sozialer Aufstieg auf das Erleben, die Weltbeziehungen und das Lebensglück der Betroffenen hat. Ausgangspunkt ist eine weit verbreitete gesellschaftliche Annahme: Leistung und Anstrengung führen automatisch zu einem besseren Leben.
Auf Grundlage von drei narrativ-biografischen Interviews analysiert Schöttke, wie sozial Aufgestiegene ihre Herkunftsmilieus, neue soziale Kontexte sowie die damit verbundenen Brüche und Irritationen verarbeiten.
Theoretisch verbindet die Studie zwei zentrale Ansätze der Soziologie: die Resonanz- und Entfremdungstheorie von Hartmut Rosa sowie Pierre Bourdieus Habitus- und Feldkonzept. Dadurch wird soziale Mobilität nicht nur über Kapitalformen und soziale Positionen betrachtet, sondern auch über Erfahrungen von Resonanz, Entfremdung und Lebensqualität.
Die Ergebnisse zeigen, dass soziale Aufwärtsmobilität häufig mit tiefgreifenden Habituskonflikten, Selbstzweifeln und bruchhaften Transformationsprozessen einhergeht. Statt automatisch zu einem „guten Leben“ zu führen, kann der Anpassungsdruck im Aufstiegsmilieu ein erhebliches Entfremdungspotenzial erzeugen.
PD Dr. Yves Jeanrenaud vom Institut für Soziologie der LMU, der die Arbeit betreut hat, bezeichnet sie als einen herausragenden Beitrag zur Analyse sozialer Ungleichheit im Kontext moderner Leistungsversprechen. Besonders hebt er die Verbindung unterschiedlicher theoretischer Perspektiven, die methodische Reflexion der narrativ-biografischen Interviews sowie die Weiterentwicklung des Habituskonzepts durch den Begriff der „habituellen Anverwandlung“ hervor.
Für ihre Arbeit wurde Pia Schöttke mit dem BestMasters-Award des Wissenschaftsverlags Springer ausgezeichnet. Die Publikation erscheint im April 2026 im Springer-Verlag.
Für Schöttke steht die Auszeichnung auch für „weibliche Sichtbarkeit im soziologischen Diskurs sowie für eine verstärkte Sensibilisierung gegenüber sozialem Aufstieg und Chancengleichheit“. Gesellschaftlich definierter (Bildungs-)Erfolg sei in weiten Teilen ein Produkt von Sozialisation. „Wird diese Determinierung durchbrochen, sollten die Extrameilen sozialer AufsteigerInnen nicht maskiert, sondern als Leistung anerkannt werden“, so Schöttke. Zugleich plädiert sie dafür, Schule, Universität und Beruf stärker als Orte der Förderung und Entwicklung unabhängig vom sozialen Hintergrund zu gestalten.
Mit der Reihe „BestMasters“ zeichnet Springer jährlich herausragende Masterarbeiten aus, die an renommierten Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden sind und von Gutachterinnen und Gutachtern zur Veröffentlichung empfohlen wurden.