Streichung von Entwicklungshilfen kann Konflikte erhöhen
15.05.2026
LMU-Ökonom Uwe Sunde hat im Rahmen einer internationalen Studie untersucht, welchen Effekt die Streichung von Hilfsgeldern auf Konflikte in instabilen Regionen hat.
15.05.2026
LMU-Ökonom Uwe Sunde hat im Rahmen einer internationalen Studie untersucht, welchen Effekt die Streichung von Hilfsgeldern auf Konflikte in instabilen Regionen hat.
Kinder warten am 12. August 2025 in einer Suppenküche im Stadtteil Al-Fitaihab in Omdurman, Sudan, auf eine kostenlose Mahlzeit. | © IMAGO / Xinhua
Wie wirkt es sich auf instabile Regionen aus, wenn Entwicklungshilfe plötzlich stark zurückgefahren wird? Dieser Frage ist ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von LMU-Ökonom Uwe Sunde in einer Studie nachgegangen. Die Ergebnisse sind aktuell im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Die Forschenden haben dafür untersucht, welche Folgen die vollständige Schließung der amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID (United States Agency for International Development) für Konflikte und Gewalt in afrikanischen Regionen hat, die bisher besonders stark von US-Geldern abhängig waren.
Ob Entwicklungshilfe Konflikte eindämmt oder eher befeuert, wird in Fachkreisen stark debattiert. Grundsätzlich können die Hilfen Konflikte auf zwei gegensätzliche Arten beeinflussen: Einerseits können die Gelder wirtschaftliche Bedingungen und Einkommen verbessern und dadurch Anreize für gewalttätige Auseinandersetzungen verringern. Gleichzeitig können die zusätzlichen Ressourcen, die durch die Entwicklungshilfe in schwache Regionen fließen, Verteilungskämpfe und Konflikte erst auslösen.
Uwe Sunde, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der LMU, und seine Kolleginnen und Kollegen konnten durch den Stopp von USAID, dem größten nationalen Geber humanitärer Hilfen weltweit, beispielhaft empirisch analysieren, ob Konflikte zunehmen, wenn schwachen Regionen kurzfristig die Förderung entzogen wird.
Mit unserer Studie geben wir keine Antwort darauf, ob Entwicklungshilfe grundsätzlich sinnvoll ist, um Konflikte zu vermeiden, oder nicht. Ganz deutlich hat sich allerdings gezeigt, was geschieht, wenn einer instabilen Region, die bisher Hilfen erhalten hat, diese Gelder plötzlich entzogen werden: Sobald die Ressourcen fehlen, intensivieren sich die Konflikte.Uwe Sunde, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der LMU
„Mit unserer Studie geben wir keine Antwort darauf, ob Entwicklungshilfe grundsätzlich sinnvoll ist, um Konflikte zu vermeiden, oder nicht“, betont Sunde. „Ganz deutlich hat sich allerdings gezeigt, was geschieht, wenn einer instabilen Region, die bisher Hilfen erhalten hat, diese Gelder plötzlich entzogen werden: Sobald die Ressourcen fehlen, intensivieren sich die Konflikte.“
Die Forscherinnen und Forscher wiesen nach, dass sich in stark von den USA geförderten Regionen zehn Monate vor und nach dem Stopp der US-Gelder die Wahrscheinlichkeit für Konflikte um durchschnittlich 6,5 Prozent erhöhte im Vergleich zu Regionen, die zuvor keine oder wenige US-Hilfen erhalten hatten. Die Wahrscheinlichkeit für Proteste und Aufstände erhöhte sich ebenso wie die Anzahl von Kämpfen und damit im Zusammenhang stehenden Todesfällen. „Diese Effekte hielten über die Zeit an“, erklärt Uwe Sunde. Die Intensität von Protesten und Aufständen stieg unmittelbar, während sich größere Auseinandersetzungen über Monate intensivierten. Zusätzlich zeigte sich, dass die Effekte der Streichungen in Regionen mit stärkeren, politisch inklusiveren Institutionen substanziell geringer waren.
Die Ergebnisse der Studie sind relevant für die Gestaltung und den Zeitplan zukünftiger Veränderungen in der Entwicklungshilfe.
Dominic Rohner, Uwe Sunde, Oliver Vanden Eynde, Austin L. Wright, Jing Rong Zeng: „Aiding Peace or Conflict? The impact of USAID cuts on violence.” In: Science 2026