VWL-Alumnus Milojević: Wirtschaft verstehen, Gesellschaft gestalten
05.10.2026
In Etappen denken, statt gleich das große Ziel anzustreben – das ist für LMU-Absolvent Filip Milojević das Erfolgsrezept. Jetzt promoviert er am MIT.
05.10.2026
In Etappen denken, statt gleich das große Ziel anzustreben – das ist für LMU-Absolvent Filip Milojević das Erfolgsrezept. Jetzt promoviert er am MIT.
Gerade ist Filip Milojević dabei, sein neues Zuhause in Cambridge einzurichten, wo er in einigen Jahren seine Dissertation am dortigen Massachusetts Institute of Technology (MIT) vollenden wird.
Wie kommt man als gerade 24-Jähriger an eine der Top-Universitäten der Welt?
Denn der LMU-Alumnus hat keineswegs von vornherein seinen wissenschaftlichen Werdegang an internationalen Spitzenuniversitäten gesehen und sozusagen vom Start weg das „big picture" im Blick gehabt. Er setzt sich lieber Etappenziele – eine Strategie, die sich bewährt hat. „Professorin Claudia Steinwender, die damals meine Mentorin war, sagte zu mir: ‚Denk jetzt nicht an das Ziel, sondern erst einmal an den nächsten Schritt.‘“ Genau dieses Prinzip hat er verinnerlicht und es war rückblickend entscheidend für seinen Erfolg – da ist er sicher.
Professorin Claudia Steinwender, die damals meine Mentorin war, sagte zu mir: ‚Denk jetzt nicht an das Ziel, sondern erst einmal an den nächsten Schritt.‘Filip Milojević
Als großen Vorteil sieht er rückblickend zudem, dass er bereits sehr früh im Studium in die Forschung einsteigen konnte. Zum Beispiel im Rahmen des Munich Honors Program in Economics, mit dem die Fakultät für Volkswirtschaftslehre der LMU herausragenden Bachelor-Studierenden ermöglicht, Zusatzqualifikationen zu erwerben. „Wir haben in einer Gruppe von etwa 15 Studierenden gelernt, wissenschaftliche Paper zu lesen und zu verstehen, wir haben sie diskutiert und schließlich eine Präsentation gehalten“, erinnert er sich.
In einem Schwerpunktseminar im zweiten Studienjahr entwickelte er überdies mit zwei Mitstudierenden eine eigene Forschungsfrage im Themenkomplex Innovationsökonomik – das Team untersuchte mehrere Monate lang, welchen Einfluss CO2-Steuern auf die Patententwicklung in Schweden haben: Ergebnis war ein Forschungspaper, das mit dem LMU-Forschungspreis für exzellente Studierende ausgezeichnet wurde. Spätestens hier war ihm klar, dass er weitermachen wollte, mindestens bis zum Master.
Dabei war der Beginn seines Studiums an der LMU 2020 eine Herausforderung: Die Corona-Krise steuerte auf ihren Gipfelpunkt zu und zwang die universitäre Lehre in den Online-Orkus: Ein direkter Kontakt mit anderen Studierenden und Professorinnen und Professoren war nicht länger möglich.
„Das war für uns zu Beginn des Studiums sozusagen die Normalität“, erinnert er sich. „Erst in späteren Semestern, als die Beschränkungen zurückgenommen waren, haben wir gemerkt, dass der direkte Austausch mit anderen jungen Menschen unersetzlich ist.“
Gerade die Professorinnen und Professoren mit ihren internationalen Lebensläufen haben in mir den Wunsch geweckt, ins Ausland zu gehen und zu sehen, wie dort gelehrt und geforscht wird.Filip Milojević
Im Rückblick war es für ihn eine wichtige Erfahrung, denn „aus der LMU ist ein Netzwerk entstanden, das mich bis heute in meinen Werten und in meinen Ideen prägt.“ Die LMU habe ihn, so sagt er, zu einem sehr offenen Menschen gemacht. „Gerade die Professorinnen und Professoren mit ihren internationalen Lebensläufen haben in mir den Wunsch geweckt, ins Ausland zu gehen und zu sehen, wie dort gelehrt und geforscht wird.“
Schon früh im Bachelor-Studium legte Milojević ein Erasmus-Austauschjahr an der University of Warwick im Vereinigten Königreich ein: 2023, nach seinem Bachelor-Abschluss als Jahrgangsbester an der LMU, wechselte er für ein Masterstudium an die London School of Economics. Anschließend forschte er als Pre-Doctoral Researcher an der University of Chicago.
Der Bewerbungsprozess für eine Förderung hilft super, über sich zu reflektieren – was sind meine Werte, meine Ziele und Motive? Und das ganz unabhängig davon, ob ich das Stipendium bekomme. Es hilft einfach sehr, die Selbstwahrnehmung zu stärken.Filip Milojević
Bei seinem Engagement, voranzukommen, haben Milojević auch Stipendien geholfen, darunter unter anderem ein Deutschland-, ein DAAD-Stipendium sowie ein Stipendium des Max-Weber-Programms und nicht zuletzt ein ERP Stipendium von der Studienstiftung des deutschen Volkes. „Ich kann nur allen empfehlen: Bewerbt euch!“ Denn Milojević kennt die Frage, die man sich in diesem Fall selbst stellt: Bin ich denn überhaupt gut genug? Habe ich überhaupt eine Chance? „Der Bewerbungsprozess für eine Förderung hilft super, über sich zu reflektieren – was sind meine Werte, meine Ziele und Motive? Und das ganz unabhängig davon, ob ich das Stipendium bekomme. Es hilft einfach sehr, die Selbstwahrnehmung zu stärken“, erzählt er, der während seines Studiums zudem noch in einer Tankstelle, als Hiwi und Teaching Assistant gearbeitet hat.
Froh ist er zudem auch über die Unterstützung seitens seiner Dozentinnen und Dozenten, die ihn mit wichtigen Tipps unterstützt hätten.
In der Forschung interessiert ihn insbesondere, wie digitale Plattformen unser Verhalten prägen und wie man sie sinnvoll reguliert. Der Ausgangspunkt dafür ist auch sein persönlicher Background. „Meine Eltern sind von Serbien nach Deutschland gekommen, ich bin hier in einer sehr privilegierten Gesellschaft mit einem funktionierenden Staat aufgewachsen.“ Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, habe er erfahren, wenn er im Sommer die Großeltern in Serbien besucht hat. „Diese Diskrepanz hat mich sehr motiviert, zu verstehen, wann Regeln funktionieren und wann nicht.“
Heute stellt sich diese Frage besonders in der digitalen Welt. In Chicago hat Milojević mit Koautoren etwa untersucht, warum das australische Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige innerhalb weniger Monate bröckelte: Ein leicht zu umgehendes Verbot hält nur, wenn genügend Jugendliche mitziehen. Am MIT will er nun herausarbeiten, wie sich Plattformen und Algorithmen in digitalen Märkten so gestalten lassen, dass die Interessen von Nutzern, Unternehmen und Staat nicht gegeneinander laufen. Dafür kombiniert er verhaltensökonomische Ansätze mit Methoden des maschinellen Lernens, etwa um zu messen, wohin unsere Aufmerksamkeit auf Plattformen wandert und was das mit uns macht. Zunehmend interessiert ihn dabei auch, wie Künstliche Intelligenz selbst menschliche Entscheidungen verändert.
Für Filip Milojević ist es wichtig, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und junge Leute zu inspirieren, im Alltag genauso wie später in Forschung und Lehre – ob in Europa oder international. Eine solche Karriere kann er sich gut vorstellen, vielleicht sogar als Professor in den USA oder Deutschland. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt möchte er sich erst mal der nächsten Etappe widmen: der Promotion.