Waldbrände: „Der Klimawandel bereitet den Brennstoff“
17.08.2026
LMU-Geographin Andrea Böhnisch erklärt, warum europaweit Wälder brennen und welche Rolle der Klimawandel dabei spielt.
17.08.2026
LMU-Geographin Andrea Böhnisch erklärt, warum europaweit Wälder brennen und welche Rolle der Klimawandel dabei spielt.
Ein Waldbrand wütet in der Nacht vom 26. Juli 2026 in La Adrada in der spanischen Provinz Ávila. | © IMAGO / Anadolu Agency
Frau Böhnisch, in diesem Sommer wüten weltweit zerstörerische Waldbrände. Welche Faktoren müssen zusammenkommen, damit solche Feuer entstehen können?
Andrea Böhnisch: Der Grundstein kann bereits im Winter gelegt worden sein, wie in Spanien und Frankreich: Der Winter war relativ feucht und mild, deshalb konnte schon recht früh im Jahr viel Vegetation aufgebaut werden, die dann in den ersten Hitzewellen des Sommers in großem Umfang abgestorben ist. Im Zusammenspiel von Hitze und Trockenheit führen hohe Temperaturen in der Atmosphäre zu einer höheren Verdunstung und Boden und Vegetation trocknen dadurch noch einmal stärker aus. Wenn unter solchen Vorbedingungen viel Biomasse abstirbt, ist sehr viel brennbares Material vorhanden.
Kommt dann auch noch Wind hinzu, durch den sich Feuer massiv ausbreiten, ist das Risiko für große Brände sehr hoch. In der Forschung bezeichnen wir eine derartige Kombination aus mehreren Einzelereignissen als „compound event“. Ein typisches Feuerwetter mit hoher Gefahr für intensive Brände wäre also heiß, trocken und windig. Dann fehlt nur noch ein Funken für die Entzündung.
Der Klimawandel wirkt in erster Linie über das Wetter, indem er die meteorologischen Bedingungen vor und während der Brände verändert. Er bereitet sozusagen den Brennstoff.Andrea Böhnisch, Department für Geographie der LMU
Wie verändert der Klimawandel die Problematik?
Der Klimawandel wirkt in erster Linie über das Wetter, indem er die meteorologischen Bedingungen vor und während der Brände verändert. Er bereitet sozusagen den Brennstoff. Wir sehen neben generell höheren Temperaturen dabei eine Häufung bestimmter Wetterlagen, die besonders in den Sommermonaten auftreten: Hochdruckgebiete liegen dann über Tage oder Wochen fast ortsfest über Mitteleuropa oder ziehen langsam von West- nach Osteuropa. Darunter bilden sich mitunter Hitzeglocken: Durch Absinken erwärmt sich die Luft weiter und begünstigt höhere Verdunstung, sodass ein sich selbst verstärkendes System entstehen kann, das zu noch trockeneren und wärmeren Bedingungen, auch im Boden, führt.
Außerdem verändern sich in vielen Regionen durch den Klimawandel die Niederschlagsmuster: Es gibt trockenere Sommer und feuchtere Winter. Wenn diese dann auch noch milder sind, weil es generell wärmer wird, passiert das bereits Angesprochene: Früh im Jahr kann sich mehr Vegetation aufbauen, die in trockenen, heißen Sommern abstirbt und brennbare Biomasse bildet.
Durch den Klimawandel steigen also die Chancen, dass ein Funke tatsächlich zu einem Feuer führt und es zu häufigeren Bränden kommen kann – aber nicht unbedingt muss, denn es braucht einen Auslöser dafür.
Klimatologisch lässt sich sagen, dass sich die Wetterlagen und Klimabedingungen häufen, die Feuerwetter begünstigen. Auch in Deutschland wird dies häufiger der Fall sein.Andrea Böhnisch, Department für Geographie der LMU
Inwiefern erhöht der Klimawandel das Risiko für große Waldbrände in Gebieten, in denen sie bislang nicht in dieser Dimension vorkamen?
Klimatologisch lässt sich sagen, dass sich die Wetterlagen und Klimabedingungen häufen, die Feuerwetter begünstigen. Auch in Deutschland wird dies häufiger der Fall sein. Das reicht aber nicht, um Risiken genau vorherzusagen. Die hängen nämlich auch vom Vegetationstyp ab und davon, wie gesund Ökosysteme wie Wälder sind. Ich glaube, da muss man kleinräumiger differenzieren.
Generell sind Regionen widerstandsfähiger gegenüber Feuer, in denen es gelingt, Wasser und Feuchtigkeit in den Böden zu halten. Das bedeutet nicht, dass sie überhaupt nicht brennen können, aber sie sind bei Weitem nicht so gefährdet wie eine komplett ausgetrocknete Landschaft mit viel brennbarem Material.
Wie wir es auch in Bayern in diesem Sommer erlebt haben, ist es gerade im Gebirge zudem schwierig, mit Löschmannschaften Brandherde zu erreichen. In unwegsamem Gelände braucht es dann Hubschrauber und Flugzeuge. Hinzu kommt, dass die Ökosysteme in Deutschland und natürlich auch das Management nicht zwangsweise gut an Brände angepasst sind. Zum Beispiel in Bayern würde ich die Problematik in dieser Dimension noch als neu bezeichnen.
Es wird deutlich heißer und tendenziell auch trockener, womit die klimatischen Voraussetzungen im Sommer immer häufiger eine hohe Waldbrandgefahr begünstigen. In Deutschland betrifft das vor allem den Westen und Südwesten sehr stark.Andrea Böhnisch, Department für Geographie der LMU
LMU-Geographin Dr. Andrea Böhnisch | © www.heidi-fotostudio.de
Was kommt auf Europa und auf Deutschland zu: Ist damit zu rechnen, dass größere Waldbrände zum Sommer in Zukunft dazugehören?
Ja. Es wird deutlich heißer und tendenziell auch trockener, womit die klimatischen Voraussetzungen im Sommer immer häufiger eine hohe Waldbrandgefahr begünstigen. In Deutschland betrifft das vor allem den Westen und Südwesten sehr stark. In Bayern ist vor allem der Norden, aber auch der Alpenraum von diesen klimatischen Voraussetzungen betroffen.
Es zeigt sich, dass sogenannte compound events, also zum Beispiel ein zugleich heißes, trockenes und windiges Wetter, Europa tendenziell weiträumig betreffen und die Brandgefahr in verschiedenen Regionen synchron auftritt. Das kann relevant sein bezüglich der europaweiten Kapazitäten für die Bekämpfung von Bränden oder auch den Zugang zu Löschwasser vor dem Hintergrund einer weitverbreiteten Wasserknappheit, wie wir sie etwa jetzt sehen.
Neu in Europa sind auch Hinweise, dass sich in der aufsteigenden heißen Luft Feuergewitter bilden können: Die Brände schaffen sich ihr eigenes Wetter, dynamisch angetrieben vom Feuer.
Wie können sich Gesellschaften auf die Gefahren einstellen?
Das meteorologische Risiko und seine Auswirkungen auf die Vegetation sind das eine. Es gibt aber auch einen Punkt, der sich direkter beeinflussen lässt, denn Brände brauchen Auslöser. Und die haben in stark genutzten Landschaften wie in Europa leider sehr oft mit dem Menschen, seinem Handeln und seiner Infrastruktur zu tun.
In Zukunft wird es nötig sein, sich europaweit abzustimmen und darauf zu schauen, wie Länder, die jetzt schon viel mit Bränden zu tun haben, damit umgehen. Da geht es um Strukturen, Managementpläne für Ökosysteme, aber auch darum, wie die Bevölkerung sich in gefährdeten Gebieten verhält. Jeder kann der Funke sein, der den Brand entzündet.
Dr. Andrea Böhnisch forscht an der Fakultät für Geowissenschaften der LMU zu Dürre, Hitze und compound events.