News

Wissenschaft für alle: Große Neugier und keine Angst vorm Scheitern

22.06.2026

Die LMU zeigt beim AHA Super Science Summer Club auf dem Zamanand Festival, wie Wissenschaft für alle Menschen zugänglich wird.

Besucherinnen und Besucher des Zammanand-Festivals schlendern am AHA Super Science Summer Club vorbei

LMU beim AHA Super Science Summer Club

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gaben an den Wissensinseln und auf der Bühne Einblicke in ihre Forschung. | © LMU/LC Productions

„Oh Gott, was ist das?”, fragt eine ältere Dame und schaut etwas entsetzt auf den Bildschirm vor sich. In 40-facher Vergrößerung krabbelt dort gerade eine Köcherfliegenlarve in einer mit Wasser gefüllten Petrischale herum und wühlt sich durch kleine Steinchen und Pflanzenteile. „Es ist wunderschön”, sagt LMU-Student Nico Höppner. „Ansichtssache”, sagt die Dame. Doch dann fängt Höppner an zu schwärmen. Davon dass Plankton fast alles sein kann: Tiere, Pflanzen, Bakterien, Viren, Pilze, Köcherfliegenlarven – Hauptsache, es schwebt unter Wasser, unfähig gegen die Strömung anzukommen. „Dann bin ich vielleicht auch ein Plankton”, sagt die Dame jetzt, deutlich angetan.

Höppner ist molekularer Zellbiologe. Er weiß, wie wichtig Plankton für die Menschheit ist, dass die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs nur existiert, weil eben diese winzigen Wasserorganismen sie für uns herstellt. Nach diesem Tag, und das ist das Schöne, weiß das nicht mehr nur Höppner. Denn mitten auf der Ludwigstraße sind an einem Wochenende Ende Juni knapp 400 Quadratmeter für Forschende und Studierende reserviert, darunter auch Vertreterinnen und Vertreter der LMU. Auf dem Zamanand Festival zeigen sie, wie viel Spaß Wissenschaft machen kann, wenn man sie verständlich erklärt: Bühne frei für den AHA Super Science Summer Club.

LMU auf dem Zamanand Festival: DNA aus Heidelbeeren, Solarenergie im Kasperltheater

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Clusters e-conversion und vom Deutschen Museum gaben vor Ort Einblicke in ihre Forschung und erklärten, wie Solarenergie funktioniert. | © LMU/LC Productions

„Ist nicht so staubig, wie man denkt”, sagt Theresa Baumann vom Department Kunstwissenschaften. Zusammen mit ihren Kolleginnen Natalia Drescher und Sophie Gröte steht sie an der Wissensinsel „Dahoam”. Wer möchte, kann hier barocke Deckengemälde und verlorene Orte durch die VR-Brille erkunden. Nebenan verteilt Andreas Brachmann von der Fakultät für Biologie Heidelbeeren, um anschließend ihre DNA zu extrahieren. „Jetzt zerquetschen?” ruft ein kleiner Junge mit Baseballcap, nachdem er zwei Heidelbeeren in einen verschließbaren Kunststoffbeutel gelegt hat. „Noch nicht”, sagt Brachmann und fügt dem Beutel eine Mischung aus Wasser, Spülmittel und Salz hinzu. Zellmembranen bestehen hauptsächlich aus Lipiden, also Fetten. Das Spülmittel löst die Zell- und Kernmembranen auf und legt die DNA-Moleküle frei, das Salz sorgt dafür, dass sie sich bündeln. Jetzt wird das Gebräu in ein Glas geschüttet und die letzte Zutat hinzugefügt: Spiritus. Plötzlich lösen sich weiße Fäden aus der Flüssigkeit heraus: Die DNA ist da. „Zauberei", sagt die Mutter des Jungen. „Wissenschaft”, sagt Brachmann.

„Wir wollen zeigen, dass Wissenschaft überall eine Rolle spielt”, sagt Christopher Egle, wissenschaftlicher Leiter des Science Communication Hubs AHA. Sogar im Kasperltheater. Nicht, weil Wissenschaftler alle Kasperl wären, erklärt Silke Mayerl-Kink vom Deutschen Museum und Exzellenzcluster e-conversion auf der Bühne. Sondern, weil beide, Kasperl und Wissenschaftler, eine Superkraft hätten: „Eine große Neugier und keine Angst vorm Scheitern.” Und dann fängt das Puppenspiel auch schon an. Zusammen mit Frau Photon erklärt das Kasperl den Kindern im Publikum jetzt, wie Solarenergie funktioniert und dass Licht so schnell ist, dass es nur eine Sekunde braucht, um die Erde siebeneinhalb Mal zu umrunden.

Neues Level erreicht: Tic Tac Toe im Quantenuniversum

LMU-Wissenschaftler Harald Lesch spricht über das Thema Zukunftsenergien.

Gegen Abend hörten sich viele Besuchende den Vortrag von LMU-Astrophysiker Harald Lesch über Zukunftsenergien an. | © LMU/LC Productions

Ein paar Meter weiter haben Elena Geimer und Kashish Singh vom Exzellenzcluster MCQST das Spiel Tic Tac Toe zu einer kleinen Reise durch das Quantenuniversum umfunktioniert. Hier gibt es neben den bekannten Kreuzen und Kreisen auch sogenannte Superposition-Teilchen, die eine ganz bestimmte Eigenschaft von Quantensystemen aufweisen: Sie können sich gleichzeitig in verschiedenen Zuständen befinden. Für eine Runde Tic Tac Toe bedeutet das: Zwei Symbole werden gleichzeitig an unterschiedliche Positionen gelegt, am Ende entscheidet ein Würfel, welche Position die wahre ist und bestehen bleibt. „Das Ergebnis ist zufällig, da wird es mit der Strategie schwierig", sagt Geimer. Und plötzlich ist sie ganz spürbar, die Macht der Quanten.

„Neugier ist der Beginn von Wissenschaft”, sagt Moderatorin Andrea Lauterbach. Genau deshalb wären solche niedrigschwelligen Angebote so wichtig. „Hier haben alle die Möglichkeit, mit Themen in Kontakt zu kommen, die sie sonst nie erlebt hätten.”

Zurück auf der Bühne sagt Lauterbach jetzt den nächsten Gast an. Harald Lesch, Professor für Astrophysik an der LMU, spricht über das Thema Zukunftsenergien. Darüber, wie wichtig es ist, die Wissenschaft und all ihre Ergebnisse wirklich ernst zu nehmen – in der Politik, aber auch sonst. Gerade in München und Umgebung gäbe es viele renommierte Institutionen, darunter auch die LMU. Man müsse einfach nur fragen, sagt er. „Wir antworten gerne.”

  1. Bühne mit Publikum
  2. Bildschirm mit Mikroskop-Aufnahme

Auch das Kasperl darf nicht fehlen: Er stellt die Fragen an Frau Photon und ihren Laborkollegen zum Thema Solarenergie.

© LMU/LC Productions

Plankton unter dem Mikroskop: Biologe Nico Höppner zeigt, welche Schätze sich unter Wasser verbergen.

© LMU/LC-Productions

Tic Tac Toe im Quantenuniversum: Physikerin Elena Geimer legt ein Superposition-Teilchen.

© LMU/LC Productions

Newsletter LMU aktuell

Der monatliche Newsletter LMU aktuell informiert über Aktuelles aus Forschung sowie Uni und Campus:

Newsletter LMU aktuell abonnieren

Newsletter der vergangenen Monate ansehen

Wonach suchen Sie?