Historische und Allgemeine Sprachwissenschaft (Bachelor/Hauptfach)

Beschreibung des Studienfachs

Im 2009 wurden die ehemaligen Magisterfächer Albanologie, Allgemeine Sprachwissenschaft und Indogermanistik wurden zu einem einzigen Bachelorfach \\"Allgemeine und Indogermanische Sprachwissenschaft\\" (AIS) fusioniert. Mit dem Ausstieg 2019 der Albanologie aus dem bisherigen Bachelorfach AIS wurde das Fach zu \\"Historische und Allgemeine Sprachwissenschaft\\" umbenannt und das Lehrangebot zur historischen und allgemeinen Sprachwissenschaft dementsprechend erweitert. Es können Schwerpunkte in der historischen, typologischen oder theoretischen Sprachwissenschaft gesetzt werden.

Informationen zu den beteiligten Fächern:

Indogermanistik: www.indogermanistik.uni-muenchen.de Allgemeine Sprachwissenschaft: www.ats.uni-muenchen.de Gegenstand, Fragestellung und Lernziele

Das übergreifende Ziel der Sprachwissenschaft als Forschungsdisziplin besteht darin, die auffälligen und offenbar einzigartigen Eigenschaften der menschlichen Sprache besser zu verstehen und zu erklären. Ein solches Verständnis kann und soll gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven erfolgen: durch die Analyse der inneren Elemente und Strukturen einer Einzelsprache aus synchroner Sicht, durch formelle und funktionale Darstellungen von Sprachwandel über tiefere und flachere Diachronien, durch den Vergleich sprachübergreifender Strukturen, durch die Erforschung unbewusster und intuitiver Kenntnisse sprachlicher Strukturen durch psychologische Experimente, durch die quantitative Auswertung des Sprachgebrauchs auf der Basis von Korpora oder durch die instrumentelle Messung von Prozessen im Vokaltrakt oder im Gehirn während der Sprachproduktion und -perzeption.

Der Bachelorstudiengang „Historische und Allgemeine Sprachwissenschaft“ (120 ECTS-Punkte) beabsichtigt in diesem Rahmen eine umfangreiche Ausbildung in den Inhalten und Methoden der linguistischen Analyse und eine spezialisierte Ausbildung sowohl in der Analyse des Sprachwandels als auch im Bereich der Typologie. Als Inhalte dieser Ausbildung sollen Fähigkeiten und Fertigkeiten in folgenden Bereichen vermittelt werden: bei der Beschaffung und Recherche sprachlicher Daten und bei der Vermittlung von Forschungsergebnissen an ein breites oder akademisches Publikum.

Gegenstand des Studiengangs ist die Weitergabe von Grundkenntnissen auf der Ebene der Sprachanalyse bzw. -beschreibung (Phonetik und Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik, Pragmatik). Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Historischen Sprachwissenschaft und der Untersuchung der am frühesten bezeugten indogermanischen Sprachen (wie z.B. Sanskrit, Altgriechisch, Latein, altgermanische Sprachen). Dazu treten sprachtypologische Untersuchungen auf Basis der Vielfalt weltweit belegter Sprachen. Zu den Lernzielen am Ende des Studiums gehören der sichere Umgang mit den Fachtermini und Argumentationsweisen der Sprachwissenschaft sowie die Vertrautheit mit Gesetzmäßigkeiten und Erscheinungsformen des Sprachwandels, der Entwicklung von Sprachfamilien (insbesondere der Indogermanischen) und die Vertrautheit mit den Universalia und Besonderheiten sprachlicher Strukturen typologisch unterschiedlicher Sprachen.

Tätigkeits- und Berufsfelder

Der BA \\"Historische und Allgemeine Sprachwissenschaft\\" ist ein stärker forschungsorientierter Studiengang. Primäres Studienziel ist die wissenschaftliche Qualifikation für einen auf dem Bachelor aufbauenden, forschungsorientierten Masterstudiengang. So soll ein wissenschaftlicher Nachwuchs herangebildet werden, der für die Übernahme zukünftiger Forschungs- und Lehrtätigkeit innerhalb der Sprachwissenschaft geeignet ist.

Absolventinnen anschließender linguistischer Masterstudiengänge haben in den vergangenen Jahren erfolgreich verschiedene Stellen in Wissenschaft und Forschung (z.B. Doktorandenstipendien im In- und Ausland, Assistentenstellen und wissenschaftliche Mitarbeiterstellen in Drittmittelprojekten) besetzen können. Alternativ dazu sind AbsolventInnen des BA HiAS zum Studium verschiedener nicht-sprachwissenschaftlicher Masterstudiengänge qualifiziert.

Als mögliche Berufsfelder für Absolventen des Faches außerhalb der Forschung sind beispielsweise die IT-Branche und digitale Sprachverarbeitung, Werbeagenturen, sowie Bibliotheks-, Presse- und Verlagswesen zu nennen. Die genauen Berufsperspektiven sind dabei stark von der Wahl des Masterstudiengangs abhängig. Im Falle einer schwerpunktmäßigen Beschäftigung mit Sprachen, die als Nationalsprachen bestimmter Staaten fungieren (z.B. Albanisch), können darüber hinaus Tätigkeiten im Bereich des Diplomatischen Dienstes, der Wirtschaft (Handel und Industrie) sowie bei internationalen Organisationen ins Auge gefasst werden. Selbst unabhängig von solcher arealer oder kultureller Schwerpunktsetzung im Studium ist ein Übergang in solche fachfremde Berufsfelder nach den Erfahrungen des letzten Jahrzehnts immer wieder relativ leicht erfolgt.

Erwünschtes Profil

Studienbewerberinnen und -bewerber sollen sich gerade in einem stärker forschungsorientierten Fach von vornherein darüber im klaren sein, dass der Studiengang ungeachtet seines curricularen Aufbaus besonders hohe Anforderungen an die Lern- und Arbeitsbereitschaft sowie an die Selbständigkeit und Eigenverantwortung der Studierenden stellt. Erwartet wird von den Studierenden die Bereitschaft, sich mit großen Datenmengen auseinanderzusetzen, sich in auch schwierigere wissenschaftliche Literatur einzuarbeiten und Mut zu eigenständigen Lösungsansätzen zu entwickeln. Spezielle Sprachvorkenntnisse werden nicht verlangt, sind aber natürlich willkommen.

Fakten auf einen Blick

Studiengang
Historische und Allgemeine Sprachwissenschaft (Bachelor)
Abschlussgrad
Bachelor of Arts (B.A.)
Fachtyp
Hauptfach
Regelstudienzeit
6 Fachsemester

Bewerbung und Zulassung

Formale Studienvoraussetzung
Hochschulzugangsberechtigung
Zulassungsmodus 1. Semester
Freie Studiengänge
Zulassungsmodus höheres Semester
Freier Zugang
Link zum Fach
https://www.indogermanistik.uni-muenchen.de/studium/info_bachelor/index.html

Ihr Weg zum Studienplatz

Der Studiengang im Detail

Der Studiengang ist modular aufgebaut und interdiziplinär ausgerichtet. Er wird von drei Säulen getragen.

Fachübergreifende und linguistisches Grundwissen vermittelnde Sockelkurse zu den Gebieten Phonetik / Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik / Soziolinguistik / Rhetorik; diese Sockelkurse werden gemeinsam von den BA-Fächern AIS, Finnougristik und Phonetik und Sprachverarbeitung bestritten und haben fachspezifische Zusatzveranstaltungen an ihrer Seite. Dazu kommen verpflichtende Einführungen in die Historische Sprachwissenschaft, Allgemeine Sprachwissenschaft und Indogermanistik.

Sprachausbildung; jedes Studienjahr steht ein großes Sprachangebot zur Verfügung, in dem die Studierenden zwischen vielen unterschiedlichen alten (z.B. Latein) und modernen Sprachen (z.B. Finnisch) aus vielen verschiedenen Sprachfamilien wählen können.

Wissenschaftlich vertiefende Veranstaltungen zu den in den Sprachkursen gelernten Sprachen oder zu übergreifenden Themen; z. B. zur historischen Sprachwissenschaft des Lateinischen, Altgriechischen, oder Indoiranischen; zu den Digital Humanities; zu den Sprachen der Welt im Überblick, zu Fragen der linguistischen Beschreibung oder der kognitiven Sprachwissenschaft; zu theoretischen Fragestellungen der Sprachwissenschaft.

Studierende können hinsichtlich der zu wählenden Sprachen, Sprachfamilien und Sprachareale sowie der wissenschaftlichen Fragestellung Schwerpunkte setzen und damit ihre Orientierung auf ein anschließendes spezialisierendes Masterstudium und ggf. weiter eine Promotion vorbereiten:

typologischer Schwerpunkt: grammatische Strukturen in den Sprachen der Welt historischer Schwerpunkt: Auseinanderentwicklung natürlicher Sprachen (insbesondere der indogermanischen); Empfohlener Studienverlauf

Legende: P=Pflichtmodul / -veranstaltung; WP=Wahlpflichtmodul / -veranstaltung; V=Vorlesung; Ü=Übung; T =Tutorium; TÜ=Tafelübung; PS=Proseminar

1. Fachsemester (= 1. Studienjahr, erste Hälfte) P1 Grundlagen der Erforschung menschlicher Sprache (6 ECTS) P1.1 Einführung in die Erforschung der menschlichen Sprache (TÜ, 2 ECTS, 1-2 SWS) P1.2 Sockel Phonetik (V, 3 ECTS, 2 SWS) P1.3 Informationskompetenz (T, 1 ECTS, 1 SWS) P2 Grundlagen der historischen Sprachwissenschaft (6 ECTS) P2.1 Einführung in die historische Sprachwissenschaft (TÜ, 3 ECTS, 2 SWS) P2.2 Vertiefung Einführung in die historische Sprachwissenschaft (Ü, 3 ECTS, 2 SWS)

Aus den Wahlpflichtmodulen WP 1 bis WP 72, WP 77 bis 89, WP 94 bis 104, WP 108 bis 120 und WP 125 bis 137 sind insgesamt sechs Wahlpflichtmodule zu wählen. Dabei soll im 1., 2., 3., 4., 5. und 6. Fachsemester jeweils ein Wahlpflichtmodul gewählt werden.

WP 1, 36: Akkadisch WP 2, 37, 77, 94: Albanisch WP 3, 39, 79, 95: Arabisch WP 4, 40, 80, 96: Bulgarisch WP 5, 41: Klassisches Chinesisch WP 6, 42, 81, 97: Estnisch WP 7, 43, 82, 98: Finnisch WP 8, 44: Altgriechisch WP 9, 45, 83, 99: Neugriechisch WP 10, 46, 84, 100: Hebräisch WP 11, 47: Hethitisch WP 12, 48, 85, 101: Altindische Sprachen (z.B. Sanskrit) WP 13, 49, 86, 102: Moderne indische Sprachen (z.B. Kannada, Hindi-Urdu, Telegu) WP 14, 50, 87, 103: Isländisch WP 15, 51: Katalanisch WP 16, 53, 89, 104: Latein WP 17, 54: Mittelägyptisch WP 18, 55, 108, 125: Persisch WP 19, 56, 109, 126: Polnisch WP 20, 57, 110, 127: Portugiesisch WP 21, 58, 111, 128: Rumänisch WP 22, 59, 112, 129: Russisch WP 23, 60, 113, 130: Serbisch-Kroatisch WP 24, 61, 114, 131: Slovakisch WP 25, 62, 115, 132: Slovenisch WP 26, 63: Sumerisch WP 27, 64, 116, 133: Tschechisch WP 28, 65, 117, 134: Türkisch WP 29, 66, 118, 135: Ukrainisch WP 30, 67, 119, 136: Ungarisch WP 31, 68: Usbekisch WP 32, 69: Indigene Sprachen der Amerikas (z.B. Quechua, Nahuatl) WP 33, 70: Romanische Regional- und Minderheitensprachen (z.B. Galizisch) WP 34, 71: Weitere uralische Sprachen (z.B. Chantisch, Mansisch) WP 35, 72, 120, 137: Zentralasiatische Sprachen (z.B. Mongolisch, Mandschurisch) WP 38, 78: Altnordisch WP 52, 88: Koptisch 2. Fachsemester (= 1. Studienjahr, zweite Hälfte) P3 Grundlagen der indogermanischen Sprachwissenschaft (6 ECTS) P3.1 Grundfragen und Methoden der Indogermanistik (TÜ, 3 ECTS, 3 SWS) P3.2 Vertiefung Grundfragen und Methoden der Indogermanistik (Ü, 3 ECTS, 2 SWS) P4 Grundlagen der allgemeinen und typologischen Sprachwissenschaft (6 ECTS) P4.1 Sockel Grundzüge der Sprachwissenschaft (V, 3 ECTS, 2 SWS) P4.2 Vertiefung Grundzüge der Sprachwissenschaft (TÜ, 3 ECTS, 2 SWS) 3. Fachsemester (= 2. Studienjahr, erste Hälfte) P5 Morphologie (6 ECTS) P4.1 Sockel Morphologie (V, 3 ECTS, 2 SWS) P4.2 Vertiefung Morphologie (TÜ, 3 ECTS, 2 SWS)

Deutsch; in Einzelfällen kann die Unterrichtssprache Englisch sein.

Master Vergleichende Indoeuropäische Sprachwissenschaft (VIS) / Comparative Indo-European Linguistics (CIEL) Master Cultural and Cognitive Linguistics (CCL) Master Albanologie