Neogräzistik (Master/Hauptfach)

Beschreibung des Studienfachs

Die Byzantinistik befasst sich als Kulturwissenschaft mit allen Äußerungen und Aspekten der Kultur des Byzantinischen Reiches. Zeitlich umgreift sie die Spanne von Konstantin d. Gr. mit der Einweihung seiner neuen Reichshauptstadt Konstantinopel (300 n.Chr.) bis zur Eroberung dieser Stadt durch die Osmanen 1453. Geographisch sind die Kernländer des Reiches Kleinasien, Thrakien und Griechenland, doch greift das Reich nicht selten über diese Länder hinaus: so sind z.B. auch Armenien, Syrien, Nordafrika oder Süditalien lange Zeit wichtige Provinzen. Von daher überschreitet die Byzantinistik den angegebenen zeitlichen oder geographischen Raum, wenn sie sich etwa mit der Entstehung des Reiches aus dem Imperium Romanum beschäftigt, dessen Nachfolge der in Konstantinopel residierende Kaiser der Idee nach angetreten hat, oder wenn sie nach den Einflüssen in Ost und West fragt, denen das Reich unterworfen war, besonders aber, wenn sie die Frage nach den Wirkungen des Byzantinischen Reiches und seiner Kultur auf die Umwelt oder Nachwelt stellt - sei es in Spanien, in Aachen, bei den Balkanvölkern oder in Moskau, um die Wirkungsbreite dieser Kultur wenigstens anzudeuten. Auch die literarische Wechselwirkung zwischen West und Ost, besonders zwischen Italien und Byzanz, und dann auch zwischen Byzanz und den ehemaligen Teilen seines Reichs, die unter venezianischer Herrschaft stehen, spielt eine wichtige Rolle.

Die Byzantinistik ist seit der Einrichtung des Lehrstuhls an der Münchner Universität in Lehre und Forschung als Gesamtfach breit angelegt. Innerhalb der großen Teilgebiete

Byzantinische Philologie und Literatur Byzantinische Geschichte

werden die Einzelbereiche wie Sprache, Literatur, Theologie, Philosophie, allgemeine Geschichte, Kirchen-, Rechts-, Kunstgeschichte, Geschichte der Naturwissenschaften, Realiengeschichte, Hilfswissenschaften (Kodikologie, Paläographie, Sigillographie, Numismatik) u.a. mehr nicht immer durch ein umfassendes Lehrangebot abgedeckt, so dass sich der Besuch von Lehrveranstaltungen aus anderen Studienfächern empfiehlt, zusätzlich zum eigenständigen Erarbeiten von Kenntnissen in diesen Bereichen. Die Byzantinistik umfasst außerdem das Fach Neugriechisch mit Sprachunterricht und Literaturgeschichte. Seit 1960 werden die Frühchristliche und byzantinische Kunstgeschichte und seit 1995 die Neogräzistik (Literaturwissenschaft - Sprache und Kultur seit Beginn des 19. Jahrhunderts) besonders gepflegt. Seit WS 1999/2000 ist die Neogräzistik als eigenständiger Studiengang an der LMU vertreten.

Stand und Geschichte

Der weltweit älteste Lehrstuhl des Faches befindet sich in München; er wurde 1897 eingerichtet; sein Inhaber war der Begründer der Byzantinistik als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin, Karl Krumbacher. Die Byzantinistik verdankt ihre Entstehung der Begeisterung des Humanismus für alles Griechische, eine Begeisterung, die noch nicht zwischen \"klassisch\" und \"nachklassisch\" unterschied, und für die der Weg zur Antike natürlicherweise über Byzanz führte. Auch die Theologie beider Konfessionen - jeweils aus unterschiedlichem Interesse - trug ihren Teil bei. Hinzuweisen ist auf die Blüte byzantinischer Studien in Frankreich seit Mitte des 17. Jahrhunderts, bis die Aufklärung mit ihrer Ansicht vom tausendjährigen Verfall des Oströmischen Reichs eine Abwertung einleitete, wogegen sich gerade deutsche Gelehrte wandten.

Krumbachers Ausgangspunkt war, dass die byzantinische Kultur eine eigenständige Weltkultur sei; diese Erkenntnis bestimmte die weitere Entwicklung des Faches. In der Folge wurde auch die byzantinische Archäologie und Kunstgeschichte in die Forschung und Lehre einbezogen; die Forschungsschwerpunkte wurden erweitert um Diplomatik, Verwaltungsgeschichte, Kaiserideologie und um die verschiedenen Aspekte des Verhältnisses zwischen Byzanz und seinen Nachbarstaaten - Abendland, slavische Welt, Orient.

In neuerer Zeit hat man, ausgehend von modernen Fragestellungen, der Byzantinistik auch methodisch neue Wege erschlossen, indem versucht wird, die \"Realitäten\" des byzantinischen Lebens und deren Strukturen zu erfassen, sei es in der Kaiserideologie, im Verfassungsleben, in der Theologie, im Mönchtum usw.

Fakten auf einen Blick

Studiengang
Neogräzistik (Master)
Abschlussgrad
Master
Fachtyp
Hauptfach
Regelstudienzeit
4 Fachsemester

Bewerbung und Zulassung

Zulassungsmodus 1. Semester
Freie Studiengänge
Zulassungsmodus höheres Semester
Freier Zugang
Besondere Zulassungsvoraussetzungen

Bitte wegen einer Überprüfung der fachlichen Qualifikationsvoraussetzungen Kontakt zum Fach aufnehmen!

Ihr Weg zum Studienplatz