Ethnologie (Bachelor/Hauptfach)

Beschreibung des Studienfachs

Ethnologie ist eine beschreibende und vergleichende, sowie reflexive und theoretisch orientierte Kultur- und Sozialwissenschaft. Ihr Arbeitsgebiet umfasst sowohl fremdkulturelle Kontexte, als auch die eigene Gesellschaft, einschließlich der Konstruktion und Dekonstruktion des Eigenen und des Fremden. Ihr Ziel ist, ein Verständnis von dynamischen kulturellen und gesellschaftlichen Prozessen, von Handlungskontexten und Sinnstiftungen herzustellen. Im Gegensatz zur wachsenden Differenzierung und Spezialisierung anderer Wissenschaften richtet sich die Perspektive der Ethnologie besonders auf die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Teilgebieten von Kultur und Gesellschaft. Methodisch zeichnet sich die Ethnologie durch die Feldforschung aus, die eine längerfristige Teilnahme am Leben der untersuchten Gruppen einschließt.

Fachgeschichtlich bedingt hat sich die Ethnologie (ehemals Völkerkunde) zunächst mit außereuropäischen, früher als schriftlos und nicht-staatenbildend betrachteten Gesellschaften befasst. Dieses traditionelle Feld wurde im Laufe der Entwicklung des Faches auf alle Gesellschaften und alle Formen menschlicher Lebensbewältigung, -führung und -gestaltung erweitert. Somit ist das Blickfeld der heutigen Ethnologie weder zeitlich noch räumlich begrenzt. Die Selbstreflexion hinsichtlich Begriffen, Theorien und Methoden führt die Ethnologie zu einer kritischen Sicht der eigenen Kultur und Gesellschaft. Die Ethnologie besitzt starke Berührungspunkte mit philologisch orientierten Kultur- und Regionalwissenschaften, unterscheidet sich von diesen aber durch den Praxisbezug ethnologischer Methoden, im speziellen durch dialogische Feldforschungsmethoden wie die teilnehmende Beobachtung, sowie ihren stärker vergleichenden Ansatz.

Forschung und Lehre des Instituts für Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München decken sowohl regional als auch thematisch alle großen Gebiete der Ethnologie ab. Regionale und thematische Schwerpunkte ergeben sich durch die aktuellen Forschungsgebiete des Lehrpersonals. Derzeit sind dies insbesondere die Regionen Südasien (Pakistan und Indien), die Amerikas (insbesondere Lateinamerika) und Ozeanien sowie die thematischen Schwerpunkte Migration, Diaspora und Transnationalismus, Sozialethnologie, Religionsethnologie, Politische Anthropologie, Wirtschaftsethnologie, Ethik und Ethiken, Genderforschung, Museumsethnologie, Ethnologie der Informations- und Kommunikationstechnologien, und das in den letzten Jahren mit großem Erfolg aufgebaute moderne Gebiet der Visuellen Anthropologie.

Tätigkeits- und Berufsfelder

Insgesamt erfährt das Fach Ethnologie im Zuge der Globalisierung gerade in jüngster Zeit eine sichtlich wachsende Nachfrage und Praxisorientierung. Das steigende Interesse von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit zeigt die gesellschaftspolitische Relevanz der Disziplin. Eine im Jahr 2003 im Auftrag des Instituts erstellte Verbleibsstudie zum damaligen Magisterstudiengang hat ergeben, dass die meisten AbsolventInnen der Ethnologie (Magister) im Feld der Publizistik sowie bei Print- und elektronischen Medien beschäftigt waren, gefolgt von den Bereichen Bildung und Migrationsberatung. Die überwältigende Mehrheit der Absolventen gab an, dass das in ihrem Ethnologiestudium Erworbene bei Bewerbungen sowie der Durchführung ihrer jeweiligen Tätigkeit ausschlaggebend war und ist. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren lediglich 6,3% der befragten Absolventen des Münchner Instituts für Ethnologie arbeitsuchend. Nichtsdestotrotz gilt für die Ethnologie, wie für die meisten sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten Fächer, dass die universitäre Ausbildung nicht auf ein spezifisches, außerhalb der akademischen oder musealen Laufbahn akzeptiertes und nachgefragtes Berufsbild hinausläuft. Ein vor etwa 15 Jahren in den USA begonnener Trend, der Europa längst erreicht hat, verändert diese Sachlage jedoch allmählich. Mittlerweile stellen v.a. transnationale Konzerne und Unternehmensberatungsfirmen Ethnologen als Ethnologen ein. Weiterhin bleiben auch die Entwicklungszusammenarbeit sowie generell Berufe, in denen interkulturelle Kompetenz gefordert ist, wichtige Betätigungsfelder. Im Vergleich zum bisherigen Magister-Studiengang wird der geplante BA-Studiengang deutlich praxisorientierter konzipiert. Integrierte Praktika und/oder Studienforschungen sollen den Studierenden ausreichend Orientierungsmöglichkeiten bieten. Angesichts des extrem breiten Beschäftigungsspektrums das sich Absolventen der Ethnologie heute bietet, ist die Ermutigung zum kreativen und eigeninitiativen Einsatz der im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse nach wie vor eines der zentralen Studienziele.

Erwünschtes Profil

Studierende der Ethnologie sollten Interesse am direkten Kontakt und der intensiven Auseinandersetzung mit Menschen aus fremden Kulturen haben. Dies setzt eine grundsätzliche Offenheit gegenüber anderen Lebensweisen, Normen und Wertesystemen aber auch allgemeine kommunikative Fähigkeiten und Reflektionsvermögen voraus. StudentInnen der Ethnologie sollten zudem eine hohe Motivation zum eigenverantwortlichen Lernen und die Bereitschaft zur umfassenden Lektüre mitbringen. Dazu sind gute analytische Fähigkeiten, sehr gute deutsche Sprachkenntnisse sowie zumindest sehr gute englische Lesekenntnisse erforderlich. Bewerber sollten zudem die Bereitschaft zum Erlernen mindestens einer außereuropäischen Sprache haben.

Fakten auf einen Blick

Studiengang
Ethnologie (Bachelor)
Abschlussgrad
Bachelor
Fachtyp
Hauptfach
Regelstudienzeit
6 Fachsemester

Bewerbung und Zulassung

Formale Studienvoraussetzung
Hochschulzugangsberechtigung
Zulassungsmodus 1. Semester
Freie Studiengänge
Zulassungsmodus höheres Semester
Freier Zugang
Link zum Fach
https://www.ethnologie.uni-muenchen.de/index.html

Ihr Weg zum Studienplatz

Der Studiengang im Detail

Modulübersicht (empfohlener Studienplan) Beginn Wintersemester (regulär) 1. Semester (WiSe) Nr. Titel Typ Prüfung ECTS \n P 1 Einführung in die Ethnologie \n P 1.1 Einführung in die Ethnologie V GOP 6 \n P 1.2 Grundfragen und Geschichte der Ethnologie PS HA 4 \n P 1.3 Einführung in die Ethnologie (Tutorium) T 2 \n P 2/I Technikenmodul \n P 2.1 Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens Ü (ÜA) 3 \n Aus WP 1 und WP 2 ist ein Wahlpflichtmodul zu wählen*: \n WP 1/I Europäische Sprachen \n WP 1.1 Europäische Sprache Teil I Ü (KL) 3 \n WP 2/I Außereuropäische Sprachen \n WP 2.1 Außereuropäische Sprache Teil I Ü (KL/M) 3 \n Nebenfach 12 \n ECTS Haupt- + Nebenfach 18+12 \n 2. Semester (SoSe) Nr. Titel Typ Prüfung ECTS \n P 2/II Technikenmodul \n P 2.2 Wissensch. Schreiben und Präsentieren Ü (ÜA) 3 \n P 3/I Ethnologie systematisch \n P 3.1 Politikethnologie TÜ KL/HA 3 \n P 3.2 Wirtschaftsethnologie TÜ KL/HA 3 \n P 4/I Ethnologie regional \n P 4.1 Ethnologie regional A (Proseminar) PS HA 4 \n P 4.2 Ethnologie regional A (Übung) Ü 2 \n Aus WP 1 und WP 2 ist ein Wahlpflichtmodul zu wählen*: \n WP 1/II Europäische Sprachen \n WP 1.2 Europäische Sprache Teil II Ü (KL) 3 \n WP 2/II Außereuropäische Sprachen \n WP 2.2 Außereuropäische Sprache Teil II Ü (KL/M) 3 \n Nebenfach 12 \n ECTS Haupt- + Nebenfach 18+12 \n 3. Semester (WiSe) Nr. Titel Typ Prüfung ECTS \n P 3/II Ethnologie systematisch \n P 3.3 Sozialethnologie TÜ KL 3 \n P 3.4 Religionsethnologie TÜ KL 3 \n P 4/II Ethnologie regional \n P 4.3 Ethnologie regional B (Proseminar) PS HA 4 \n P 4.4 Ethnologie regional B (Übung) Ü 2 \n P 5/I Methodenmodul \n P 5.1 Ethnologische Feldforschung V (KL) 3 \n Aus WP 1 bis WP 4 ist ein Wahlpflichtmodul zu wählen*: \n WP 1/I Europäische Sprachen \n WP 1.1 Europäische Sprache Teil I Ü (KL) 3 \n WP 2/I Außereuropäische Sprachen \n WP 2.1 Außereuropäische Sprache Teil I Ü (KL/M) 3 \n WP 3/I Außereuropäische Zweitsprachen \n WP 3.1 Außereuropäische Zweitsprache Teil I Ü (KL/M) 3 \n WP 4/I Außereuropäische Sprachen für Fortgeschrittene \n WP 4.1 Außereuropäische Sprache Teil III Ü (KL/M) 3 \n Nebenfach 12 \n ECTS Haupt- + Nebenfach 18+12 \n 4. Semester (SoSe) Nr. Titel Typ Prüfung ECTS \n P 5/II Methodenmodul \n P 5.2 Beobachtung und ethnographisches Interwiew Ü (ÜA) 3 \n P6 Regionale und systematische Fragestellungen \n Aus P 6.0.1 bis P 6.0.4 sind 12 ECTS Punkte zu wählen: \n P 6.0.1 Regionale Fragestellungen S HA 6 \n P 6.0.2 Teilbereiche der Ethnologie A (Vorlesung) V HA 2 \n P 6.0.3 Teilbereiche der Ethnologie A (Übung) Ü 4 \n P 6.0.4 Teilbereiche der Ethnologie B S HA 6 \n Aus WP 1 bis WP 4 ist ein Wahlpflichtmodul zu wählen*: \n WP 1/II Europäische Sprachen \n WP 1.2 Europäische Sprache Teil II Ü (KL) 3 \n WP 2/II > Außereuropäische Sprachen \n WP 2.2 Außereuropäische Sprache Teil II Ü (KL/M) 3 \n WP 3/II Außereuropäische Zweitsprachen \n WP 3.2 Außereuropäische Zweitsprache Teil II Ü (KL/M) 3 \n WP 4/II Außereuropäische Sprachen für Fortgeschrittene \n WP 4.2 Außereuropäische Sprache Teil IV Ü (KL/M) 3 \n Nebenfach 12 \n ECTS Haupt- + Nebenfach 18+12 \n 5. Semester (WiSe) Nr. Titel Typ Prüfung ECTS \n P 7 Theorien und Konzepte \n P 7.1 Theorien und Konzepte S HA 6 \n P 7.2 Klassische Werke der Ethnologie Ü HA 6 \n Aus WP 5 und WP 6 ist ein Wahlpflichtmodul zu wählen*: \n WP 5 Praxismodul ethnologische Forschungspraxis (Einführung) \n WP 5.1 Forschungsvorbereitung S HA 4 \n WP 5.2 Sondierungen des Forschungsfeldes Ü 2 \n WP 6 Praxismodul ethnologische Berufsfelder (Sondierung) \n WP 6.1 Praktikumsvorbereitung S HA 4 \n WP 6.2 Sondierungen des Praktikums Ü 2 \n Nebenfach 12 \n ECTS Haupt- + Nebenfach 18+12 \n 6. Semester (SoSe) Nr. Titel Typ Prüfung ECTS \n P 8 Abschlussmodul \n P 8.1 Bachelorarbeit BA 12 \n P 8.2 Kolloquium K (T) 3 \n Aus WP 7 und WP 8 ist ein Wahlpflichtmodul zu wählen*: \n WP 7 Praxismodul ethnologische Forschungspraxis \n WP 7.1 Ethnologische Forschung F PB 12 \n WP 7.2 Reflexionen ethnologischer Forschungspraxis S 3 \n WP 8 Praxismodul ethnologische Berufsfelder \n WP 8.1 Ethnologische Berufsfelder S PB 12 \n WP 8.2 Reflexionen ethnologischer Berufsfelder Ü 3 \n Summe ECTS 30 \n

* Jedes Wahlpflichtmodul kann im Verlauf des Studiums nur einmal gewählt werden.

Legende:

GOP = Grundlagen- und Orientierungsprüfung (Klausur), K = Klausur, M = Mündliche Prüfung, H = Hausarbeit, Ü = Übungsaufgaben, PB = Projektbericht, T = Thesenpapier (Referat), BA = Bachelorarbeit,

/ = oder

( ) = nicht benotet, bewertet mit „bestanden / nicht bestanden“