Germanistik (Bachelor/Hauptfach)

Beschreibung des Studienfachs

Der Bachelorstudiengang Germanistik beinhaltet die Vermittlung grundlegender Kenntnisse im Bereich der deutschen Sprache und Literatur im historischen und systematischen Zusammenhang. Er umfasst das Studium in den drei Fachteilen „Neuere deutsche Literatur", „Germanistische Linguistik" und „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters (Germanistische Mediävistik)". lm Zentrum stehen die sprach-bzw. literaturwissenschaftlich fundierte Textanalyse und die Anwendung wissenschaftlicher Methoden. Sprach- und literaturwissenschaftliche Ansätze werden durch medien- und kulturwissenschaftliche Perspektiven erweitert. Zudem werden zentrale Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens und des professionellen Umgangs mit Texten vermittelt. Das Stufenmodell des Studiengangs ermöglicht es den Studierenden, sich im Studienverlauf zunehmend in einem Fachteil zu spezialisieren. In diesem Fachteil wird vertieft wissenschaftliches Arbeiten geübt und mit der Anfertigung der Bachelorarbeit auf eigenständiges forschendes Arbeiten vorbereitet.

Die „Neuere deutsche Literatur“ behandelt die deutschsprachige Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Dies umfasst die Erforschung der Literaturgeschichte und -geschichtsschreibung mit ihren Periodisierungs- und Epochenfragen sowie Probleme der Gattungsgeschichte, der Beziehungen zwischen literarischen und außerliterarischen Phänomenen, also das Verhältnis des Textes zu geistes- und ideengeschichtlichen, soziokulturellen, politischen, ökonomischen, medialen und philosophischen Kontexten, die Beschäftigung mit historischen Disziplinen wie der Rhetorik, Poetik und der philosophischen Ästhetik und die Reflexion auf die eigenen Methoden und deren Geschichte, etwa von der Hermeneutik zur Rezeptionsästhetik oder von strukturalistischen zu poststrukturalistischen Ansätzen. In der Auseinandersetzung mit den Methoden und Modellen erarbeitet sich die Neuere deutsche Literaturwissenschaft schließlich nicht nur ein Instrumentarium der Texterschließung, sondern öffnet sich über Fachgrenzen hinaus für theoretische Impulse, etwa aus der Diskursanalyse, der Semiotik, der Systemtheorie und der Kultur- und Medientheorie.

Die „Germanistische Linguistik“ behandelt die deutsche Sprache unter verschiedenen Perspektiven. Im Vordergrund stehen das Laut- und das Schriftsystem der Sprache (Phonologie und Orthographie), der Aufbau von Wörtern und Wortformen (Morphologie), von Wortgruppen und von Sätzen (Syntax); die Bedeutung von Wörtern und Sätzen (Semantik); die Bedeutung sprachlicher Äußerungen in spezifischen Gebrauchssituationen (Pragmatik); satzübergreifende Phänomene (Textlinguistik); der Wortschatz und der Bestand fester Wendungen (Lexikographie, Lexikologie und Phraseologie). Untersucht werden vor allem die gegenwärtige Standardsprache, die Dialekte des Deutschen und frühere Stufen der deutschen Sprache. Die sprachgeschichtliche Forschung befasst sich vornehmlich mit den Veränderungen in der Sprache über bestimmte Zeiträume hinweg (Erforschung des Sprachwandels, Etymologie etc.). Es werden auch Fragen nach der gesellschaftlichen Bedingtheit (Soziolinguistik) oder nach der mentalen Repräsentation von Sprache (Psycholinguistik) gestellt.

Die „Germanistische Mediävistik“ beschäftigt sich mit dem Gesamtbereich der deutschsprachigen Textüberlieferung und Literatur von deren Anfängen um 800 bis in die Frühe Neuzeit. Sie verknüpft dabei theoretisch-systematische mit literaturgeschichtlichen Fragestellungen. Besonderes Interesse findet die Analyse deutschsprachiger Texte im Kontext ihrer historisch-anthropologischen Voraussetzungen sowie ihrer fremden kulturellen (sozialen, kommunikativen, diskursiven, medialen, wissenshistorischen) Bedingungen und Implikationen. Literaturwissenschaftlich-komparatistischen Perspektiven etwa auf die lateinische, provenzalische, altfranzösische oder altnordische Literatur kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Problemstellungen der Sprachgeschichte (diachrone Linguistik) oder der Buch- und Schriftgeschichte (Kodikologie, Paläographie) treten in ihrem Bezug zu literaturwissenschaftlichen Fragestellungen in den Blick. Die Erschließung der Formen, Funktionsbedingungen und -möglichkeiten der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ist eine komplexe Aufgabe des Spannungsausgleichs zwischen wissenschaftlichem Begriffsapparat und Gegenstand – einem Gegenstand nämlich, der durch kulturelle wie ästhetische Alterität gleichermaßen faszinieren kann.

Tätigkeits- und Berufsfelder

Die sich zunehmend ausdifferenzierende Informations- und Wissensgesellschaft verlangt insbesondere nach Arbeitnehmern und selbständigen Unternehmern, die Informationen und Wissen professionell verarbeiten – d.h. recherchieren, strukturieren und präsentieren – können. Germanisten sind als ausgewiesene Medienprofis für diese Beschäftigungsfelder und die absehbaren Entwicklungen in diesen Feldern bestens vorbereitet. Anpassungen an neue Entwicklungen können speziell in den Veranstaltungen zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen vorgenommen werden. Absolventen germanistischer Teilfächer finden bereits seit langem in studiennahen und studienfernen Beschäftigungsfeldern ihren Platz. Neben Bereichen der Literatur- und Kulturvermittlung, Verlagen, Medien/PR/Werbung und (Erwachsenen-)Bildung werden Sprach- und Literaturwissenschaftler aufgrund ihrer umfangreichen Schlüsselqualifikationen auch in Bereichen des Personalwesens, des Projektmanagements, der (Unternehmens-)Beratung und des öffentlichen Dienstes eingesetzt. Freiberufliche Tätigkeiten gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Ergänzend zum Studium werden begleitende Praktika in den angestrebten Berufsfeldern dringend empfohlen.

Erwünschtes Profil

Allgemeine Voraussetzungen für ein Germanistikstudium sind das tiefgehende Interesse an deutscher Sprache und Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, die Bereitschaft zu wissenschaftlich-methodischem Umgang mit deutscher Sprache und Literatur, ein umfassendes historisches Interesse, die (Bereitschaft zur) Kenntnis europäischer Kulturtraditionen, ein sicherer Umgang mit Rechtschreibung und Zeichensetzung des Deutschen und natürlich anhaltend passionierte Lust am gründlichen Lesen von Literatur, v.a. der deutschen, aber auch der europäischen von der Antike bis zur Gegenwart. Ein Bachelor-Studiengang verlangt aufgrund der hohen Prüfungszahl, der straffen Struktur und der Tatsache, dass alle Noten von Beginn des Studiums an in die Abschlussnote einfließen, ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Disziplin der Studierenden.

Fakten auf einen Blick

Studiengang
Germanistik (Bachelor)
Abschlussgrad
Bachelor of Arts (B.A.)
Fachtyp
Hauptfach
Regelstudienzeit
6 Fachsemester

Bewerbung und Zulassung

Formale Studienvoraussetzung
Hochschulzugangsberechtigung
Zulassungsmodus 1. Semester
Freie Studiengänge
Zulassungsmodus höheres Semester
Freier Zugang
Link zum Fach
https://www.germanistik.uni-muenchen.de

Ihr Weg zum Studienplatz

Der Studiengang im Detail

Der Bachelor-Studiengang 'Germanistik' ist durch seinen modularen Aufbau und die Unterteilung des Studiums in drei Phasen übersichtlich strukturiert (aber nicht „verschult“). Ein geisteswissenschaftliches Studium verlangt eine gewisse Struktur, um historischen Überblick und methodologische Grundkenntnisse zu vermitteln. Es verlangt aber auch Freiräume, damit die erlernten methodologischen Grundlagen der sprach- oder literaturwissenschaftlichen Analyse ausreichend geübt bzw. vertieft werden können. Die Module sind in allen Teilfächern so aufeinander abgestimmt, dass sie vom Allgemeinen zum Konkreten, vom schulischen Grundwissen zum akademischen Fachwissen, von den Grundlagen zu den Forschungsfragen und hin zum wissenschaftlichen und professionellen Arbeiten mit Texten bzw. Sprache führen.

In der Basisphase im ersten Studienjahr werden alle drei Teilfächer studiert. Im Vordergrund steht der Überblick über das Fach und das Erlernen der wissenschaftlichen Methoden. In der Aufbauphase im zweiten Studienjahr werden zwei Teilfächer nach freier Wahl studiert. Diese Phase dient der Vertiefung – die erlernten Methoden werden angewendet und ggf. erweitert. In der Abschlussphase im dritten Studienjahr wird ein Teilfach vertieft studiert, in dem auch die Bachelor-Arbeit verfasst wird. Diese Phase dient der thematischen Spezialisierung in einem Teilfach. Außerdem werden in eigenen Veranstaltungen Schlüsselqualifikationen erworben, die gleichermaßen für den Studienabschluss (insbesondere die BA-Arbeit), weitere konsekutive Studiengänge aber auch für die zukünftige Berufstätigkeit relevant sind.

Weitere, detaillierte Informationen: https://www.germanistik.uni-muenchen.de/studium_lehre/studiengaenge/bach_germ

Studienstruktur

Basisphase (Semester 1-2)

Teilfach 1 Basismodul
Einführungsseminar** 4 SWS, 9 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Teilfach 2 Basismodul
Einführungsseminar** 4 SWS, 9 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Teilfach 3 Basismodul
Einführungsseminar** 4 SWS, 9 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Aufbauphase (Semester 3-4)

Teilfach 1 Aufbaumodul 01
Proseminar 2 SWS, 6 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Teilfach 2 Aufbaumodul 01
Proseminar 2 SWS, 6 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Teilfach 1 Aufbaumodul 02
Proseminar 2 SWS, 6 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Teilfach 2 Aufbaumodul 02
Proseminar 2 SWS, 6 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

Abschlussphase (Semester 5)

Spezialisierungsmodul
Fortgeschrittenenseminar 2 SWS, 6 ECTS
Vorlesung 2 SWS, 3 ECTS

SQ
Vermittlungskomp. Vorlesung (2 SWS, 3 ECTS) (WS = 5.FS)
Infokompetenz Vorlesung & Übung (2 SWS 6 ECTS) (WiSe/SoSe = 5./6. FS)
IT-Kompetenz Übung (2 SWS 6 ECTS) (WiSe/SoSe -> 5./6. FS)

Abschlussphase (Semester 6)

Vorbereitungsmodul für das Abschlussmodul
Forschungsübung 2 SWS, 6 ECTS
Lektürekurs 2 SWS, 3 ECTS

Abschlussmodul
Bachelorarbeit 10 Wochen, 12 ECTS
Disputation 30 Minuten, 3 ECTS

* SQ = Ausgewiesener Bereich für Schlüsselqualifikationen
** Die Einführungsseminare der Germanistischen Linguistik sind unterteilt in eine Einführungsvorlesung und ein Einführungsseminar, die in einem Semester zu studieren sind.

Angebote zur Studienorientierung

Fachstudienberatung Germanistik

Prüfungsamt für Geistes- und Sozialwissenschaften

Prüfungsangelegenheiten, Prüfungsanmeldung, Semesteranrechnungsbescheide