Philip Ermacora

Während seines Freiwilligen Sozialen Jahres wollte Philip Ermacora Kindern helfen, die aufgrund von familiären Schwierigkeiten nicht bei ihren Eltern leben konnten. Doch ohne juristisches Wissen fühlte er sich machtlos. Also begann er an der LMU, Jura zu studieren. Mit seinem Verein nutzt er dieses Wissen nun, um Studierende, Dozierende und Praktiker zu vernetzen. Das Deutschlandstipendium hat ihn motiviert, diesen Weg auch nach dem Studium weiterzugehen.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr hat das Leben von Philip Ermacora nachhaltig beeinflusst. „Ich wollte nach der Schule nicht sofort studieren, sondern erst noch Erfahrungen sammeln“, erzählt er. Da er gerne mit Kindern arbeitete und Spanisch lernen mochte, entschied sich der damals 19-Jährige für ein Kinderheim in Quito, Ecuador. Dort half der gebürtige Münchner bei der Betreuung von Kindern mit schwierigem familiären Hintergrund, bei Familienzusammenführungen und Adoptionen sowie bei juristischen Angelegenheiten und Behördengängen.

Schnell wurde Philip bei seiner Arbeit jedoch desillusioniert. „Ich habe viele tragische Geschichten erlebt“, erinnert er sich. Einmal sollte beispielsweise ein Kind aus dem Heim zu seiner Großmutter ziehen. Das scheiterte jedoch daran, dass die Mutter des Kindes nicht zur Unterzeichnung der Papiere vor Gericht geladen werden konnte – weil keine Adresse angegeben war. „Dabei wusste jeder im Heim, wo sie wohnt.“ Das Kind musste deshalb im Heim bleiben, anstatt zur Familie zurückzukehren. Solche bürokratischen Hürden erlebte er viele.

„Ohne rechtliche Kenntnisse und Fähigkeiten habe ich mich während dieser Zeit oft machtlos gefühlt“, sagt der 24-Jährige. Der Gedanke, den Kindern nicht noch umfassender helfen zu können, bedrückte ihn. Das war der Moment, in dem er beschloss, Jura zu studieren. Seitdem arbeitet er diesem Gefühl der Ohnmacht entgegen. „Im Laufe meines Studiums habe ich versucht, mir die internationale Perspektive zu erhalten, und mich zum Beispiel für einen Schwerpunkt im Europa- und Völkerrecht entschieden.“

Nachhaltigkeit in der juristischen Ausbildung verankern

Auch im Studium setzte sich Philip für eine nachhaltige Entwicklung ein. Daher war er Mitbegründer des Vereins RuN – Recht und Nachhaltigkeit. Sein AG-Leiter und zwei Gründungsmitglieder des späteren Vereins hatten damals eine Sonderveranstaltung zum sogenannten Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts organisiert – ein Beschluss, der als Meilenstein des Klimaschutzes in Deutschland gilt. Für Philip und sieben andere Kommilitoninnen und Kommilitonen war dies der Impuls, das Thema Nachhaltigkeit stärker im Recht zu verankern. „Das war damals noch ein überschaubarer Bereich in der juristischen Ausbildung“, erläutert er.

Ziel des Vereins ist es, den Austausch zwischen Studierenden, Professorinnen und Professoren sowie Vertretern aus der Praxis zu stärken. „Dazu veranstalten wir Vortragsreihen oder Podiumsdiskussionen“, erklärt Philip. Zuletzt etwa zu Themen wie dem Recht auf Reparatur, Nachhaltigkeit im Kaufrecht, dem Lieferkettengesetz oder der Frage, wie weit der Staat zum Klima- und Umweltschutz verpflichtet ist. „Dabei wollen wir auch beleuchten, welche beruflichen Möglichkeiten es für Klimajuristinnen und Klimajuristen gibt.“ Aktuell gründen die 55 Mitglieder einen Dachverband.

Das Deutschlandstipendium war für Philip eine große Bestätigung, dass sein Engagement als Vorstandsvorsitzender gewürdigt wird – und eine Motivation, sich trotz Examensvorbereitung weiterhin einzubringen. Wenn die Noten gut genug sind, möchte er sich auch während der Promotion engagieren. Er hofft, durch die Stipendienverleihung und die Vernetzung mit den anderen Geförderten neue Mitstreiter zu finden. „Die Relevanz von Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist durch das aktuelle Weltgeschehen leider etwas aus dem Blick geraten – obwohl sie natürlich nach wie vor enorm wichtig ist“, sagt er.

Entbürokratisierung als Vorwand, um Umweltauflagen auszuhöhlen

Beruflich interessiert Philip „das Wissenschaftliche an Jura“. Promovieren möchte er daher am liebsten über Compliance und Entbürokratisierung am Beispiel der Umweltcompliance. „Die Europäische Union möchte zum Beispiel die Lieferkettensorgfaltspflichtenrichtlinie, die Taxonomieverordnung und die Berichterstattungspflichten ‚entschlacken‘“, erklärt er. Das könne zulasten der Umwelt gehen. Er ist überzeugt, dass es auch nachhaltigere Wege zur Entbürokratisierung gibt.

Philip selbst versucht, seinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Nur einen „dunklen Fleck“ gibt es in seiner Biografie, wie er augenzwinkernd sagt: „Skifahren ist eine große Leidenschaft von mir.“ Vor ein paar Jahren machte er sogar eine Skilehrerausbildung. „Aber inzwischen gehe ich lieber wandern, klettern oder mountainbiken.“

Fördern Sie mit dem Deutschlandstipendium

Das Deutschlandstipendium an der LMU lebt von der Unterstützung von Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen. Ihre steuerlich absetzbare Spende in Höhe von 150 Euro pro Monat wird von der Bundesregierung verdoppelt und kommt ohne Abzüge bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten an. So können sich junge Menschen auch in Krisenzeiten wie diese ohne Geldsorgen um die Zukunftsfragen unserer Gesellschaft kümmern.

Kontakt

Programmkoordination Deutschlandstipendium

Alejandra Riedmiller

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