Sonderanträge bei der Bewerbung

Bei der Bewerbung für zulassungsbeschränkte Studiengänge können Sonderanträge wie Härtefallantrag und Nachteilsausgleiche bezüglich Note und Wartezeit gestellt werden.

Härtefallantrag

Ein Härtefallantrag dient dazu, bei der Bewerbung um einen zulassungsbeschränkten Studienplatz besondere Umstände geltend zu machen, die eine sofortige Zulassung zum Studium oder einen Studienortwechsel erfordern. Eine Nichtzulassung zum gewünschten Studiengang würde dabei eine außergewöhnliche Härte bedeuten.

Für Studiengänge mit Voranmeldeverfahren, Studienorientierungsverfahren oder Eignungsfeststellungsverfahren gibt es keine Möglichkeit, einen Härtefallantrag zu stellen, da diese nicht zulassungsbeschränkt sind. Allerdings können Sie einen Antrag auf Nachteilsausgleich bezüglich der Durchführung der Eignungsfeststellung stellen (z. B. die Bearbeitungszeit betreffend).

Wann liegt eine außergewöhnliche Härte vor?

Ein Härtefall liegt vor, wenn es in der eigenen Person liegende gesundheitliche, soziale oder familiäre Gründe gibt, die eine sofortige Aufnahme des Studiums zwingend erforderlich machen, zum Beispiel:

  • Erkrankungen mit einer Tendenz zur Verschlimmerung, die eine sofortige Aufnahme des Studiums erfordern
  • Eingeschränktes Berufsfeld aufgrund der Behinderung oder chronischen Erkrankung
  • Fehlende Möglichkeiten einer sinnvollen Überbrückung der Wartezeit aufgrund der Behinderung oder chronischen Erkrankung
  • Besondere familiäre oder soziale Umstände, die eine sofortige Zulassung erfordern (Darstellung und Nachweise der Situation z. B. durch Meldebescheinigungen, Heiratsurkunde, Betreuungs- und Arbeitsverträge etc.)

Bewerbung und Nachweise

Der Härtefallantrag wird im Zuge des normalen Bewerbungsverfahrens gestellt. Hierfür ist bei gesundheitlicher Beeinträchtigung - neben einem prägnanten und sachlichen Begründungsschreiben - ein aktuelles fachärztliches Gutachten erforderlich, das bestimmten formalen und inhaltlichen Anforderungen entsprechen muss. Es soll:

  • Aussagen über Entstehung, Schwere, Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung sowie den prognostizierten Krankheitsverlauf enthalten.
  • auch für medizinische Laien nachvollziehbar sein.

Hilfreich kann zudem die Vorlage des Schwerbehinderten-Ausweises und des Feststellungsbescheids des Versorgungsamts sein.

Bei der Bewerbung für einen örtlich zulassungsbeschränkten Studiengang sind einfache Kopien der Nachweise erforderlich. Ist der Studiengang bundesweit zulassungsbeschränkt, sind unbedingt beglaubigte Kopien einzureichen.

Härtefallquote

Bezüglich der Anerkennung eines Härtefalls werden strenge Maßstäbe angelegt. Nur zwei Prozent der Studienplätze werden über diese Vorabquote vergeben, ohne dass weitere Auswahlkriterien wie Abiturnote oder Wartezeit beachtet werden. Die Anerkennung eines Härtefalls garantiert also nicht, dass Sie einen Studienplatz zugesprochen bekommen, da die Quote bereits ausgeschöpft sein kann.

Bei der Bewerbung in ein zulassungsbeschränktes höheres Semester existiert keine gesonderte Quote, allerdings findet bei einer nachgewiesenen außerordentlichen Härte eine vorrangige Zulassung statt (Art. 6 Abs. 2 BayHZG).

Studieninteressierte mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, die sich über die Vorabquoten „Qualifizierte Berufstätige“ oder „Zweitstudium“ bewerben, haben zusätzlich die Möglichkeit, einen Härtefallantrag zu stellen.

Im Rahmen der gesonderten Quote für Nicht-EU/Nicht-EWR-Bürger:innen ist keine Härtefallregelung vorgesehen.

Antrag auf Nachteilsausgleich bei der Bewerbung

Ferner gibt es die Möglichkeit, Nachteile während der Schulzeit, die zur Hochschulzugangsberechtigung führte, durch eine Anpassung der Durchschnittsnote beziehungsweise der Wartezeit auszugleichen.

Einen Antrag auf Verbesserung der Durchschnittsnote können Sie stellen, wenn nicht selbst zu vertretende Umstände (z. B. eine länger andauernde Krankheitsphase) zu einer Leistungsbeeinträchtigung im Laufe der Oberstufe geführt haben. Als Nachweis wird neben Schulzeugnissen und medizinischen Gutachten auch ein Schulgutachten benötigt, um die Situation und die entstandenen Konsequenzen im Schuljahresverlauf nachvollziehen zu können. Neben gesundheitlichen Umständen kann auch eine Schwangerschaft innerhalb der letzten drei Jahre vor Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung sowie besondere familiäre Umstände wie die Pflege bedürftiger Verwandter oder die Versorgung minderjähriger Kinder geltend gemacht werden. Auch die Zugehörigkeit zu einem relevanten Sportkader zählt zu den begründeten Umständen.

Die genannten Begründungen können außerdem beim Antrag auf Nachteilsausgleich bezüglich der Wartezeit wirksam sein. Die Verzögerung des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung muss mit entsprechenden fachärztlichen Gutachten und einer Bestätigung der Schule nachgewiesen werden.

Unter gewissen Umständen können Sie im Laufe des Studiums zudem einen Nachteilsausgleich bei Prüfungen einfordern.

Weitere Informationen

  • Bei weiteren Fragen bezüglich der Sonderanträge (Härtefall, Nachteilsausgleich durch Verbesserung der Durchschnittsnote oder Verbesserung der Wartezeit) informieren Sie sich bitte im Dokument „Ergänzende Informationen zur Bewerbung“ der Stiftung für Hochschulzulassung. Dort finden Sie neben einer detaillierten Erklärung des jeweiligen Sonderantrags auch eine Beschreibung der erforderlichen Nachweise, den Ablauf der Antragstellung sowie Beispiele für begründete und unbegründete Anträge. Die Kriterien der Stiftung werden auch an der LMU München bei der Bewertung von Härtefallanträgen und Anträgen auf Nachteilsausgleich für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge herangezogen.
  • Für weitere offene Fragen zur Bewerbung, zum Härtefallantrag, zur Zulassung allgemein oder für eine Orientierungsberatung wenden Sie sich bitte an den Studien-Informations-Service (SIS) der Zentralen Studienberatung oder bei behinderungsspezifischen Fragen an die Beratungsstelle für Studierende mit Beeinträchtigung der Zentralen Studienberatung.

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