Munich History Lecture
Welchen Beitrag kann die moderne Geschichtswissenschaft zur Erklärung der Welt leisten? Dies ist die Leitfrage der im Sommersemester 2011 etablierten Munich History Lecture.
Welchen Beitrag kann die moderne Geschichtswissenschaft zur Erklärung der Welt leisten? Dies ist die Leitfrage der im Sommersemester 2011 etablierten Munich History Lecture.
© Katharina Kainz
Die Vorlesungsreihe will den spezifischen Beitrag der Geschichtswissenschaft zum Verständnis drängender Gegenwartsprobleme und Zukunftsfragen sichtbar und nutzbar machen. Sie durchleuchtet das historische Werden zentraler Entwicklungen bei der Entstehung der modernen Welt, wie die Grundlagen Europas und der Globalisierung, den Formenwandel von Krieg und Frieden, die Bedingungen von Wohlstand und Wirtschaftskrisen, die Ursachen von Massenverbrechen und Genoziden oder die Formierung multilateraler Regime und Ordnungssysteme. Zu diesen Themen nehmen herausragende, international bekannte Historiker und Historikerinnen aus dem Aus- und Inland Stellung.
Die Veranstaltungen richten sich an Lehrende und Studierende der LMU sowie an eine breitere Öffentlichkeit.
Möchten Sie eine persönliche Einladung zu den Veranstaltungen der Munich History Lecture erhalten? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail.
Targeting Civilians and Remembering War
Mit Unterstützung der Gerda Henkel-Stiftung werden die Vorlesungen der Reihe MUNICH HISTORY LECTURE ab dem Jahr 2017 aufgezeichnet und im L.I.S.A. Wissenschaftsportal gesammelt zur Verfügung gestellt:
L.I.S.A. Dossier: Munich History Lecture
Die Veranstaltungen werden ganz oder teilweise in Bild und Ton aufgezeichnet. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich damit einverstanden, dass dieses Material für Dokumentationszwecke und im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der LMU eingesetzt werden darf.
19.01.2026: The Decline of the Humanities? A Conversation with Mary Beard
World-renowned classicist Mary Beard sat down with LMU professor John Weisweiler to test the case for and against a supposed decline of the humanities. What do the humanities contribute to a vibrant democracy in an era of funding pressure and growing distrust of universities?
19.05.2025: Contending with crises: The jews of medieval germany in the fourteenth century
Medieval Jewish communities in what is now Germany flourished in the 12th and 13th centuries, settling in towns and villages that grew as part of medieval urban expansion. By the late 13th and into the 14th century, however, rising animosity led to persecution, pogroms, and expulsions. Despite these hardships, survivors and exiles from other regions continually sought to resettle – sometimes in new places, but often in former Jewish communities. While this history is typically framed through persecution, Jews not only endured these crises but also developed their own strategies to navigate them. This talk explores these coping mechanisms, with a focus on family life, gender roles, and cultural creativity.
29.01.2024: Ethik und Erinnerung: Das Ringen um das Holocaust-Gedächtnis
Deutschland spielte eine Schlüsselrolle in der Abkehr von nationalistischen Erinnerungskulturen und der Entwicklung des Holocaust-Gedenkens als selbstkritisches Erinnerungsmodell für Europa und den Westen. Die Verschiebung globaler Machtverhältnisse und die Entwicklung digitaler Medien haben einem neuen anti-kolonialen Erinnerungsparadigma zur Durchsetzung verholfen. Nationalismus, Holocaust-Gedenken und anti-koloniale Erinnerung werden bisweilen als miteinander inkompatible Alternativen wahrgenommen, aber das entspricht nicht den erinnerungspolitischen Tatsachen. Die Frage ist indes, wie sich Holocaust-Gedenken und anti-koloniale Erinnerung auf regionalen, nationalen und transnationalen Ebenen verantwortlich und wirkungsmächtig miteinander verbinden lassen.
13.05.2024: Zweierlei Anfechtungen: Über die deutsche "Erinnerungskultur" und ihre Feinde
Die Herausbildung eines selbstkritischen Umgangs mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik war ein schwieriger, jahrzehntelang immer wieder von Skandalen begleiteter Prozess – und zugleich konstitutiv für die Entwicklung unserer liberalen Demokratie. Seit ein paar Jahren jedoch sieht sich diese vermeintlich fest etablierte Ethik des Erinnerns erneut
wachsenden Angriffen ausgesetzt: zunächst vor allem von der Rechten, inzwischen aber auch von postkolonialer Seite. Droht das große Vergessen?
03.06.2024: From the planetary to the global, and other lost histories of the 20th century
In 2023, the appointment of an ‘oilman’ to lead one of the most important climate change conferences of our time, COP28, raised some controversy. But it was not the first time that oilmen have taken the lead in international environmental governance. In this leture, Professor Glenda Sluga returns to this lost history of the involvement of ‘oilmen’ in the earliest examples of international environmental governance in order to recover the extent and significance of early 1970s’ debates focused on the ‘planetary’.
18.11.2024: Wie Kriege enden – how wars end
Frieden schaffen – aber wie? Kaum eine Frage erscheint gegenwärtig so aktuell und zugleich
so kontrovers. Welche Lehren lassen sich aus der Geschichte von Krieg und Kriegsbeendigung ziehen? Welche Phasen durchlaufen bewaffnete Konflikte, ehe sie zu einem stabilen Ende finden? Wann und wie entsteht ein »reifer Moment« für den Friedensschluss? Welche Akteure sind für die Friedensfindung entscheidend, und welche Mittel müssen sie einsetzen? Was muss berücksichtigt werden, damit aus einem Waffenstillstand ein tragfähiger Friedensschluss wird? Margaret MacMillan und Jörn Leonhard blicken auf die Kriege der jüngeren Vergangenheit und machen historische Erkenntnisse für das Verständnis unserer Gegenwart fruchtbar.
09.01.2023: Ein Streit um Kaisers Bart? Vom Nutzen und Nachteil der Hohenzollern-Debatte
Aus den materiellen Forderungen, die von den »Chefs des Hauses Hohenzollern« seit Beginn der 1990er Jahre an die öffentliche Hand gestellt wurden, entwickelte sich zunächst eine abgelegene Gutachter-Kontroverse, seit 2019 eine hitzig geführte Debatte, in der sich historische, juristische, politische und publizistische Linien überschneiden. Die juristische Ausgangsfrage, ob und wie wirkungsvoll ein gewisser preußischer Prinz den Nationalsozialismus unterstützt hatte, wurde bald zu einem emotional aufgeladenen Streit, der in Comedy-Shows, Fachzeitschriften, historischen Seminaren, Abiturprüfungen, auf CNN und in der New York Review of Books ausgetragen wurde und unterdessen auch Filmemacher interessiert. Der Vortrag thematisiert verschiedene Zeitschichten und Mitspieler in einem Streit, der über hundert Jahre alt und längst nicht beendet ist.
In Kooperation mit: Institut für Zeitgeschichte, München
24.04.2023: Die Schattenseiten der Europäischen Revolutionen von 1989
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die brandgefährlichen Revolutionen, die in jenem bedeutsamen Jahr über Osteuropa hinwegfegten, routinemäßig als der große Sieg der liberalen Demokratie über den Kommunismus sowjetischer Prägung gefeiert. Die jüngsten Entwicklungen in Polen, Ungarn und anderswo auf dem Kontinent – die sich alle auf unterschiedliche Weise auf 1989 berufen – sollten uns jedoch veranlassen, die Auswirkungen dieses schicksalhaften Jahres in Mitteleuropa aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mit etwas Abstand erscheint das Erbe des » revolutionären Herbstes « gemischter und prekärer, und dieser Vortrag greift einige der dunkleren Schattenseiten des Erbes auf.
In Kooperation mit: KFG "Universalismus und Partikularismus in in der europäischen Zeitgeschichte"
09.05.2022: Kadmos und die Macht der Ruinen. Neues aus dem siebentorigen Theben
Theben war eine der blühendsten Städte im archaischen Griechenland. Seine Bewohner und Besucher hatten monumentale Ruinen einer fernen Vergangenheit vor Augen, die allenthalben Erzählungen über den legendären Stadtgründer Kadmos befeuerten. Im Zusammenwirken mit einer dynamischen Entwicklung des urbanen Raumes, seiner Heiligtümer und politischen Organisation entstanden dabei neue lokale Sinn- und Orientierungsangebote, die von der Kadmeia aus weit in die griechische Kultur hineinwirkten.
04.07.2022: Die totale Zukunft. Charlotte Beradt und Reinhart Koselleck zu Traumerfahrung der 1930er Jahre
Wie verändern sich Zeiterfahrungen beim Übergang von der Demokratie zur Diktatur? Die von Charlotte Beradt in den ersten Jahren des Dritten Reichs gesammelten Träume zeigen, wie angesichts von Terror und Anpassungsdruck im NS-Alltag die Wahrnehmung politischer Wirklichkeit in die Träume abwanderte. Nur in Traumbildern enthüllte sich auch der Sog künftiger Gewalt. Gehört also zu den Machttechniken totaler Beherrschung der Versuch, die Zukunft zu versiegeln, bis hin zur Aufhebung geschichtlicher Zeit in den Lagern?
Informationen zu Veranstaltungen aus den Jahren 2011 bis 2020 erhalten Sie auf Anfrage im Dekanat.