- Sprache:
- Ge’ez (Altäthiopisch)
- Herkunftsort:
- Daga Estifanos (eine kleine Insel im Tana-See in Äthiopien)
- Entstehungszeit:
- ca. 1400
- Transkription:
- ወናሁ መጽአ በትእልፊተ ቅዱሳን ከመ ይግበር ፍትሐ ላዕሌሆሙ ወያኅጒሎሙ ለረሲዓን ወይትዋቀስ ኲሎ ዘሥጋ በእንተ ኲሉ ዘገብሩ ወረሰዩ ላዕሌሁ ኀጥአን ወረሲዓን።
- Übersetzung
- Und siehe, er ist mit Myriaden von Heiligen gekommen, damit er Gericht über sie halte. Und er wird vertilgen die Frevler, und er wird alles Fleisch überführen wegen aller (Dinge), mit denen sie, die Sünder und Frevler, gegen ihn gehandelt und gefrevelt haben.
Methodische Hinweise:
Das Schriftsystem des Ge’ez wurde in seiner heutigen Form im vierten Jahrhundert unserer Zeit während der Regentschaft von König Ezana von Aksum ausgebildet. Jedoch lassen deutlich ältere Steininschriften vermuten, dass Ge’ez ursprünglich eine Schrift ohne Vokale war. Diese frühe Form gebrauchte nur Konsonanten und verlangte den Lesenden ab, die fehlenden Vokale zu ergänzen. Erhaltene Inschriften aus dieser vorvokalischen Zeit zeigen, dass die Schrift schon lange existierte, bevor Vokalhinweise hinzugefügt wurden. Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Übersetzung christlicher Schriften der Hauptkatalysator für die Vokalisierung der Ge’ez-Schrift war. Dafür wurde ein Sieben-Vokal-System geschaffen, durch das die Schrift in ein silbisches Schriftsystem überführt wurde, also ein Schriftsystem, bei dem die Zeichen nicht einzelne Laute – wie in einem Alphabet –, sondern Silben darstellen. Mit der Zeit wurde diese modifizierte Ge’ez-Schrift von anderen wichtigen äthiopischen Sprachen übernommen, darunter Amharisch, Tigrinya und die Guarage-Sprachen, wofür nur kleine Anpassungen nötig waren, um ihre jeweiligen phonetischen Profile abbilden zu können.
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