Norwegen (Bergen)

© Svein Skare, CC BY-NC-ND
Sprache:
Altnordisch
Herkunftsort:
Norwegen (Bergen)
Entstehungszeit:
Um 1200
Transkription:
Þorkell myntari sendir þer pipar
Übersetzung:
Münzmeister Þorkell schickt dir Pfeffer
Methodische Hinweise:

Die Runen sind ein phonographisches Schriftsystem und waren im germanischen Sprachgebiet vom zweiten Jahrhundert bis teilweise in das 15. Jahrhundert nach Christus in Gebrauch. Üblicherweise wurden Runen auf Kleinobjekte aus Metall, Knochen oder Holz geritzt sowie in Form von Gedenkinschriften in Stein geschlagen. Die ältesten Inschriften wurden im sogenannten Älteren Futhark verfasst: Diese Runenreihe besteht aus 24 Zeichen und bildet die Phonem-Graphem-Beziehung, also die Korrespondenz von Laut zu Zeichen, in der frühen Phase ziemlich genau ab.

Während der Wikingerzeit (750–1050) reduziert sich die Reihe des Älteren Futharks vermutlich aufgrund von Lautwandelphänomenen zu einer kürzeren, nur noch aus 16 Zeichen bestehenden Runenreihe, dem sogenannten Jüngeren Futhark. Diese Entwicklung – nämlich die Reduzierung des Zeicheninventars bei gleichzeitiger Erweiterung des Lautinventars, speziell der Vokallaute – ist einzigartig in der Geschichte der Schriftsysteme. Aufgrund dieses Ungleichgewichts zwischen der begrenzten Anzahl verfügbarer Runenzeichen und der größeren Zahl darzustellender Laute werden sukzessive neue Schriftzeichen und Diakritika eingeführt, um sowohl Altnordisch als auch Latein während des skandinavischen Mittelalters (1050–1500) besser abbilden zu können.

Das hier dargestellte Objekt N 631 gehört zum Corpus der mittelalterlichen Runeninschriften aus Bergen, die nach einem Brand des alten Handelsquartiers entdeckt wurden. Die Inschriften, die hauptsächlich auf kleinen hölzernen Runenstäbchen überliefert sind, stellen einen einzigartigen Beleg für die Verbreitung von Schriftlichkeit in der mittelalterlichen Gesellschaft Skandinaviens dar. Ihre Inhalte reichen von Besitzerinschriften, die hauptsächlich Personennamen enthalten, über christliche Gebete, kurze Nachrichten, Gedichte sowie erotische Texte. N 631 ist eine Art Handelsbrief eines Münzmeisters namens Þorkell, der den Empfänger über den Versand von Pfeffer informiert.

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