Iran

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Sprache:
Persisch
Herkunftsort:
Wahrscheinlich im Iran
Entstehungszeit:
vor 1236; kopiert 1412
Transkription:
va maǧmūʿ-i īn abʿād nuh ast, si buʿd az ān abʿād-i ṣuġrā va abʿād-i laḥnī ḫwānand, va ān buʿd-i AD va buʿd-i va buʿd-i AB buvad, va šiš dīgar abʿād-i buzurg ḫwānand čūn nisbat-i A nisbat-i misl va suls ast va hamčunīn bar īn nisbat B va ǦY va D va HYb [...]
Übersetzung
Und die Gesamtheit dieser Intervalle beträgt neun. Drei davon nennt man „kleinere Intervalle“ oder „melodische Intervalle“. Dies sind die Intervalle AD, und AB. Die anderen sechs werden „größere Intervalle“ genannt, weil das Verhältnis von A zu dasjenige von 4:3 ist. Ebenso stehen in diesem Verhältnis B zu , Ǧ zu Y, D zu , H zu YB [...].
Methodische Hinweise:

Das gewählte Bild mit dem dazugehörigen Text steht exemplarisch für das gesamte Projekt, das die zweisprachige Handschriftentradition der beiden musikwissenschaftlichen Werke von Ṣafī ad-Dīn al-Urmawī (gestorben 1294) in transkultureller Perspektive untersucht. Sie haben die Musiktheorie für die nächsten zweihundert Jahre stark beeinflusst, was sich durch zahlreiche arabische Abschriften, persische Übersetzungen sowie Kommentare in beiden Sprachen nachweisen lässt. Sie wurden außerdem in anderen originalen musiktheoretischen Werken, wie denen von Ibn Ġaybī, gest. 1453, and aš-Širāzī, gest. 1311, retextualisiert.

Die übergeordnete Forschungsfrage bezieht sich auf philologische Praktiken: Wo, wie, wann und von wem wurde welches von al-Urmawīs beiden Werken in welcher Sprache und in welchem gesellschaftlichen Kontext rezipiert, adaptiert und umgewandelt? Andere wichtige Fragen entstehen durch die zweisprachige Überlieferungsgeschichte: Gibt es Unterschiede in der Verbreitung und Rezeption der Handschriften in Abhängigkeit zu ihrer jeweiligen Sprache? Gibt es Hinzufügungen oder Auslassungen im Text? Und wie verhalten sich diese Aspekte in Bezug auf die Materialität der Handschriften?

Ein Beispiel für diesen methodischen Zugang stammt aus einer der persischen Übersetzungen des Kitāb al-Adwār („Buch über die Kreise”). Das Diagramm zeigt musikalische Intervalle innerhalb einer Doppeloktave. Die Noten sind mithilfe von abǧad-Numeralen (Buchstaben, die als Zahlen benutzt werden) bezeichnet, wohingegen die Namen der Intervalle auf Arabisch zwischen die Bögen geschrieben sind. Der Begleittext, der die Intervalle beschreibt, ist zwar auf Persisch, weist aber – neben persischen Lehnübersetzungen (abʿād-i buzurg, „größere Intervalle”) – arabische Fachbegriffe auf (buʿd, „Intervall”). Es scheint, dass der Übersetzungsprozess dazu beitrug, eine musikalische Fachsprache auf Persisch zu etablieren. Eine gute Arbeitshypothese!

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