Indien (Ostindien: Andhra Pradesh)

© Photo taken with the courtesy of the Telangana State Archaeology Museum
Sprache:
Prakrit-Variante (Übergangsform zwischen Sanskrit und den modernen indischen Sprachen)
Herkunftsort:
Indien (Ostindien: Andhra Pradesh)
Entstehungszeit:
Spätes 3. Jahrhundert
Transkription:
siddham· || namo bhagavatos sarvvajñāyā || vijayakkhaṁdhāvārā dhaṁṇakaḍāto māhārājā asamedhayājiakkhayahiraṁṇakoḍippadāyiḥ ikkhākūṇaṁ raṁño sirī-ehavalacāntamūlavaṁmmā aṇavetī ettha pithuṁḍe sābhittāṇehi mahāvihārasa avaraddāre cātusāle amhehi kāritaṁ etassa ya khaṇḍaplate pullasaṇṭhappasa cātusāle āgaṁtukavatthavvāṇa pavvayitāṇaṁ vissāmaṇatthaṁ raño ehalavatthamāṇavatthavehi pavvayitehi avaraddāraseliyehi aryyayakkhapamuhehi aṇuṭṭhiya sāsanaṁ kāritaṁ
Übersetzung
Erfolg! Verehrung dem Erhabenen, dem Allwissenden!
Aus dem siegreichen königlichen Hauptquartier zu Dhaṇṇakaḍa erlässt der ruhmreiche König Ehavalacāntamūlavamma aus der Dynastie der Ikṣvākus, der Mahārāja, Vollzieher des Pferdeopfers und Spender unerschöpflicher Zehnmillionen von Gold(stücken), (folgenden) Erlass:
„Hier in Pithuṇḍa haben wir am Westtor des Großen Klosters eine quadratische Anlage errichten lassen. Zum Zweck der Instandsetzung seiner beschädigten und verfallenen (Teile) sowie zur Erholung der Entsagenden, die (künftig) eintreffen oder (bereits) in dem quadratischen Klosterbezirk wohnen, wird (folgender) königlicher Erlass verkündet, auszuführen von den auf dem Grundstück König Ehavalas ansässigen Entsagenden der Avaraddāraseliya unter der Führung des Āryayakkha.“:
Methodische Hinweise:

So beginnt die Inschrift auf einer Kupferplatte des späten dritten Jahrhunderts unserer Zeit, die in dem Dorf Patagandigudem, gelegen im modernen Andhra Pradesh, gefunden wurde. Geschrieben in der Brāhmī-Schrift (die Mutter zahlreicher moderner indischer Schriften) und einer Varietät des Prakrit (der Sprachstufe zwischen dem Sanskrit und den meisten modernen indischen Sprachen), ist es das früheste Beispiel eines wichtigen Genres indischer Inschriften: königliche Landschenkungen auf Kupferplatten.

Das Epigraph erhellt ganz wesentlich die sonst schwer durchschaubaren Feinheiten der Verwaltungsstrukturen sowohl staatlicher als auch Buddhistischer Institutionen im antiken Indien. Es enthält auch wertvolle Informationen über früher indische Religionspraktiken, indem es etwa die Fluidität der religiösen Identität hervorhebt: Die Aufzeichnung beginnt mit einer Widmung an den Buddha, und die Schenkung geht an ein buddhistisches Kloster, während der König seine Verbundenheit mit der orthodoxen brahmanischen („hinduistischen“) Tradition durch den Beinamen „Vollzieher des Pferdeopfers“ zum Ausdruck bringt – eines der bedeutendsten Opfer, die in den Veden (den ältesten und heiligsten Schriften des Brahmanentums) vorgeschrieben werden. Das Studium dieser und Tausender anderer früher indischer Inschriften erfordert ein hochspezialisiertes Fachwissen und zahllose Stunden der Bildentzifferung, des Suchens nach epigraphischen und literarischen Parallelen und des Abwägens aller möglichen Interpretationen. Diese mühevolle Arbeit ist jedoch essenziell, um einen wichtigen Faktor der klassischen Antike besser zu verstehen, dessen Relevanz in westlichen Kreisen oft unterschätzt wird.

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