- Sprache:
- Klassisches Chinesisch
- Herkunftsort:
- China (in der Nähe von Changsha)
- Entstehungszeit:
- Das Grab wurde 168 v. Chr. versiegelt; das Kapitel selbst wird jedoch allgemein als mindestens ein Jahrhundert älter vermutet (um 250 v. Chr.)
- Transkription:
- 書不盡言,言不盡意。
Shū bù jìn yán, yán bù jìn yì. - Übersetzung
- Schriften erschöpfen die Worte nicht; Worte erschöpfen die Bedeutung nicht.
Methodische Hinweise:
Der Ausspruch wird Konfuzius (ca. 551–479 vor Christus) zugeschrieben und findet sich in einem Kapitel des Yìjīng 易經 (Buch der Wandlungen), das über die Ursprünge dieses Werkes reflektiert und außerdem erläutert, welche umfassendere Bedeutung für das Verständnis und Vorhersehen der sich ständig verändernden Natur der Welt es hat. Das Bild stammt aus dem frühesten zuverlässigen Zeugnis dieses Kapitels, einem Seidenmanuskript, das in einem Grab in der Nähe von Changsha gefunden wurde. Das Grab wurde 168 vor Christus versiegelt; das Kapitel selbst wird jedoch allgemein mindestens ein Jahrhundert älter geschätzt. Ob die Zuschreibung, es stamme von Konfuzius, verlässlich ist, lässt sich nicht feststellen. Die moderne Forschung neigt dazu, sie mit Skepsis zu betrachten.
Zusätzliche Informationen: Die chinesische Schrift entstand als logografische Schrift (Logogramm: Schriftzeichen für eine bedeutungstragende Einheit eines Wortes), die ursprünglich viele piktografische Elemente enthielt (Piktografie: Bilderschrift), die konkrete Objekte und Handlungen darstellten. Im Zug der Schriftentwicklung wurden diese Formen zunehmend abstrakter, und viele Schriftzeichen wurden entlehnt, um gleichlautende (homophone) Wörter zu schreiben. Zur Zeit der Entstehung des Manuskripts hatte das Schriftsystem bereits eine Form angenommen, die der heutigen Schrift stark ähnelt, und viele seiner piktografischen Ursprünge waren nur noch schwer zu erkennen. Das Zeichen für das erste Wort, „Schrift“ (shū 書), stellte beispielsweise ursprünglich eine Hand dar, die einen Pinsel hält. Dieser Ursprung ist nach wie vor schwach erkennbar, wenn auch vielleicht nur für diejenigen, die mit älteren Formen des Zeichens vertraut sind und wissen, dass das Schreiben mit Pinsel und Tusche im frühen China die Standardpraxis war.
Wie viele andere alte Sprachen wurde auch das Chinesische in scriptio continua geschrieben, also ohne Interpunktion oder klare Markierungen zur Trennung einzelner Wörter (tatsächlich wurde der Begriff des „Wortes“ weitgehend von dem des „Schriftzeichens“ überlagert). Dennoch tauchen gelegentlich Textmarker auf. Ein solches visuelles Hilfsmittel, das im Beispiel zu sehen ist, ist das Wiederholungszeichen. Es besteht aus zwei kurzen vertikalen Strichen, die nach dem vierten Zeichen yán 言 („Wort“) platziert sind und die Wiederholung des vorangegangenen Zeichens anzeigen.
Klicke hier, um zum Spiel zurückzukehren!