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Auf den Spuren eines neuen Virus

02.08.2021

Alexander Leunig entdeckte als Medizinstudent Immunzell-vermittelte Thrombosen bei COVID-Patienten. Er wird dafür mit dem LMU-Forschungspreis für exzellente Studierende ausgezeichnet.

„Forschung begeistert mich sehr“: Alexander Leunig

Als das Coronavirus im chinesischen Wuhan ausbrach, war der Medizinstudent Alexander Leunig gerade in Singapur. „Wir redeten darüber, was in China passierte, und ahnten, dass der Erreger auch nach Singapur kommen und sich weiter ausbreiten würde. Aber noch wusste niemand, was es genau war“, erinnert er sich.

Im Januar 2020 flog Alexander Leunig zurück nach München. Er forschte damals in einem kardiologischen Labor an der Münchner Uniklinik im Rahmen seiner Doktorarbeit bei Professor Steffen Massberg grundlagenwissenschaftlich zu Thrombozyten in der Milz. Als Anfang 2020 die Corona-Fälle in Deutschland anstiegen und viele Patienten ins Münchner Uniklinikum geflogen wurden, gehörte Leunig mit seinem Doktorvater und dem Team am Institut zu den ersten Medizinerinnen und Medizinern in Deutschland, die diese neue Krankheit zu ihrem Forschungsgegenstand machten.

Leunig interessierte sich früh für die Rolle der Immunzellen im Zusammenhang mit Blutgerinnseln bei COVID-Patienten. „Methoden komplett neu zu etablieren ist in der medizinischen Forschung langwierig und schwierig“, erzählt er. „Wir wollten deswegen versuchen, die Methoden, die mein Betreuer schon zur Erforschung von Herzinfarkt oder Schlaganfall etabliert hatte, auch bei der Untersuchung von COVID-Erkrankungen anzuwenden.“

Neue Verfahren um eine neue Krankheit zu erforschen

Der Anfang war schwierig und mitunter aufreibend: „Niemand wusste am Anfang, wie tödlich dieses Virus wirklich ist“, erinnert sich Leunig. „Wir waren mit die ersten an der Uniklinik, die angefangen haben, bei COVID-Patientinnen und -Patienten Blut grundlagenwissenschaftlich zu untersuchen. Alle Beteiligten waren sehr unterstützend, zum Beispiel mit Anträgen. Und plötzlich ging es dann auch sehr schnell.“ Alexander Leunig und sein Team analysierten die Blutproben von Patientinnen und Patienten, die in Großhadern behandelt wurden. „Wir sahen an den Betroffenen in München, dass bei COVID-Patienten oft Blutgerinnsel entstanden, und hörten ähnliche Berichte aus Italien. Genau das wollten wir erforschen und uns dafür alle möglichen Aspekte im Blut- und Gerinnungssystem genauer anschauen.“

Schon früh war bekannt, dass eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu schweren Lungenentzündungen führen kann. Die Mechanismen des nachfolgenden Atemversagens und von Komplikationen aufgrund von Nieren- und Myokardbeteiligung waren allerdings noch kaum erforscht. Leunigs Untersuchungen mündeten bald in einer ersten Publikation: Zusammen mit seinen Co-Autoren konnte er zeigen, dass bei COVID-19-Patienten charakteristische Immunzell-vermittelte Thrombosen in verschiedenen Organsystemen – Lunge, Herz und Niere – auftreten. „Mit diesen Erkenntnissen konnte er bereits sehr früh in der COVID-19-Pandemie einen entscheidenden wissenschaftlichen Beitrag zum Verständnis dieser neuartigen Krankheit liefern“, so Studiendekan Martin Fischer.

In einem weiteren Paper lieferten Leunig und seine Co-Autoren den Beweis, dass die (Immuno-)Thrombose in Lungen spezifisch bei SARS-CoV-2-Infektionen auftritt – und in dieser Form zum Beispiel nicht bei schweren Influenza-Verläufen zu finden ist.

Internationales Echo

Auf die Auswertung seiner Daten und seine Analysen folgte ein internationales Echo: Leunigs Erkenntnisse wurden unter anderem von NEJM Journal Watch aufgegriffen; das Paper, das Alexander Leunig zusammen mit seinem Betreuer, dem Post-Doc Dr. Leo Nicolai, als Erstautor verantwortet, wurde als Paper of the Month des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung ausgezeichnet. Leunigs Kollegen und Betreuer setzten sich dafür ein, dass seine Arbeit nun auch mit dem Forschungspreis für exzellente Studierende der LMU gewürdigt wird.

Derzeit befindet sich Alexander Leunig, der vor seinem Studium in München bereits einen Bachelor in Mathematik und Physik an der renommierten Columbia University in New York abgeschlossen hatte, im letzten medizinischen Ausbildungsjahr. Der Forschung will er auf jeden Fall weiter treu bleiben. „Forschung begeistert mich sehr“, sagt er. Weitere Publikationen zu seinem Themenfeld sind schon in Vorbereitung. Nach dem Studium will er deshalb zunächst weiter an der Uniklinik forschen und in der Patientenversorgung arbeiten. Unter anderem möchte er mehr darüber herausfinden, wie man eine COVID-Infektion medizinisch behandeln kann. „Darüber wissen wir immer noch viel zu wenig“, sagt Leunig. Auch die Rolle von Thrombosen bei Vektor-Impfstoffen wie etwa Astra Zeneca würde er gerne genauer erforschen. Es wartet also auch nach dem Studium viel Arbeit auf ihn.

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