MUG-Preise für Dissertationen und Habilitationen
26.06.2026
Die Münchener Universitätsgesellschaft verleiht in diesem Jahr acht Förderpreise an LMU-Nachwuchsforscherinnen und -forscher für ihre herausragenden Promotions- und Habilitationsprojekte.
26.06.2026
Die Münchener Universitätsgesellschaft verleiht in diesem Jahr acht Förderpreise an LMU-Nachwuchsforscherinnen und -forscher für ihre herausragenden Promotions- und Habilitationsprojekte.
Jedes Jahr zeichnet die Münchener Universitätsgesellschaft (MUG) Nachwuchsforschende aus den verschiedensten Fachbereichen mit Förderpreisen für ihre herausragenden Promotionen und Habilitationen aus. In diesem Jahr reicht die Themenvielfalt von tödlichen Katzenkrankheiten über die Geschichte der bayerischen Landstände bis zu Hochtemperatur-Supraleitern.
Carola Metzner-Nebelsick
Professorin Carola Metzner-Nebelsick, Vizepräsidentin für Geistes- und Kulturwissenschaften der LMU und Mitglied der Preisjury:
„Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung. Mit ihren herausragenden wissenschaftlichen Leistungen haben sie nicht nur ihre jeweiligen Fachgebiete bereichert, sondern auch eindrucksvoll gezeigt, wie Forschung neue Erkenntnisse schafft, gesellschaftliche Herausforderungen und naturwissenschaftliche Fragestellungen auf höchstem Niveau adressiert. Die Verleihung der Promotions- und Habilitationspreise würdigt ihr außergewöhnliches Engagement, ihre Kreativität und ihre wissenschaftliche Exzellenz. Die LMU darf sich glücklich schätzen, solche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in ihren Reihen zu haben.“
Professor Peter Höppe, erster Vorsitzender der Münchener Universitätsgesellschaft: „In der nun über 100-jährigen Historie der MUG gibt es eine lange Tradition der Vergabe von Förderpreisen für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Preise sollen Anreize für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der LMU zu besonderen Leistungen geben, aber auch Anerkennung für besondere Leistungen ausdrücken. Ich wünsche allen Preisträgerinnen und Preisträgern viel Erfolg bei Ihren weiteren wissenschaftlichen Karrieren.“
Katharina Zwicklbauer | © privat
Dr. Katharina Zwicklbauer, Tierärztliche Fakultät, erhält einen Promotionsförderpreis für ihre Arbeit „Untersuchungen zu klinischen, labordiagnostischen, virologischen und immunologischen Parametern bei Katzen mit feliner infektiöser Peritonitis während und nach antiviraler Therapie“.
Für Millionen von Katzenbesitzerinnen und -besitzern weltweit war eine Diagnose der durch Coronaviren verursachten felinen infektiösen Peritonitis (FIP) lange gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Bis vor wenigen Jahren gab es keine wirksame Therapie. Katharina Zwicklbauer hat mit ihrer Dissertation einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, das zu ändern.
In ihren Studien konnte sie zeigen, dass der antivirale Wirkstoff GS-441524 Katzen mit FIP vollständig und dauerhaft heilen kann, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Für betroffene Tierhalterinnen und -halter ist das eine lebensverändernde Botschaft.
Die Arbeit geht dabei weit über die Tiermedizin hinaus. FIP ähnelt in ihrem klinischen Erscheinungsbild und ihrem Verlauf einem Krankheitsbild bei Kindern, das im Zusammenhang mit SARSCoV-2 bekannt wurde. Katharina Zwicklbauer hat ihre Forschung deshalb in enger Zusammenarbeit mit dem Haunerschen Kinderspital der LMU durchgeführt. Diese Brücke zwischen Tier- und Humanmedizin zeigt, wie veterinärmedizinische Forschung auch dem Menschen zugutekommen kann.
Sebastian Thomas Kunte | © privat
Dr. Sebastian Thomas Kunte, Tierärztliche Fakultät, wird für seine Dissertation „Untersuchung der relativen zellulären Glukoseaufnahme von Mikrogliazellen im regulären Hirnmilieu“ ausgezeichnet.
Demenz und Morbus Alzheimer gehören zu den größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie — kurz PET — können heute bereits Stoffwechselveränderungen im Gehirn aufspüren, lange bevor strukturelle Schäden sichtbar werden. Welche Zellen im Gehirn zu diesen Signalen beitragen und welche Rolle sie dabei spielen, war bislang jedoch kaum verstanden.
Sebastian Kunte war im Zuge seines Dissertationsprojekts an der Etablierung einer neuen Methodik — dem sogenannten Single-Cell-Radiotracing — beteiligt, um eine Momentaufnahme des Zuckerstoffwechsel einzelner Hirnzelltypen im lebenden Organismus zu messen. Sein zentrales Ergebnis ist überraschend: Mikrogliazellen, die Immunzellen des Gehirns, verändern ihren Stoffwechsel drastisch, sobald sie aus ihrem natürlichen Umfeld herausgelöst werden. Unter Laborbedingungen zeigen sie daher ein völlig anderes Bild als im lebenden Organismus.
Zuverlässige Aussagen über den Hirnstoffwechsel sind also nur möglich, wenn man die Zellen in ihrem natürlichen Umfeld betrachtet. Diese Erkenntnisse sind wichtig, um die Ergebnisse diagnostischer Verfahren besser zu verstehen und neue therapeutische Ansatzpunkte für Morbus Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen zu identifizieren.
Silvia Castro | © privat
Dr. Silvia Castro, Volkswirtschaftliche Fakultät, erhält einen Promotionspreis für ihre Dissertation „Managing Culture“.
Im Zuge ihrer Doktorarbeit untersuchte Silvia Castro unter anderem, wie Kultur und soziale Normen die Gesundheitsentscheidungen von Frauen prägen. Der Schwerpunkt lag dabei auf Menstruationsgesundheit – ein in den Wirtschaftswissenschaften nach wie vor vergleichsweise vernachlässigtes Thema, obwohl es rund die Hälfte der Bevölkerung über weite Teile ihres Erwachsenenlebens betrifft.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand ein Feldexperiment in einer Textilfabrik in Bangladesch. Das Experiment stellte eine einfache Frage: Warum messen Frauen speziell für die Menstruation entwickelten Produkten nur einen geringen Wert bei und greifen nicht darauf zurück, selbst wenn diese Produkte verfügbar und erschwinglich sind?
Der Grund dafür sind Stigmatisierung und Scham. Sie sind nicht nur eine Begleiterscheinung von Armut oder Ressourcenknappheit, sondern wirken als eigenständige Hindernisse. Sie bestehen auch dann fort, wenn Produkte leicht erhältlich sind, da deren Beschaffung in der Öffentlichkeit mit sozialen Kosten verbunden ist. Um zu prüfen, ob sich diese Kosten senken lassen, führte Castro eine bewusst zurückhaltende Maßnahme ein: moderierte Gruppendiskussionen, um das Thema zu enttabuisieren. Der Effekt war erheblich. Die Frauen waren bereit, mehr für Damenbinden zu zahlen, und griffen vermehrt auf innovative Produkte zurück.
Die Studie macht erstmals systematisch sichtbar, wie Scham und Stigma als strukturelle Hindernisse wirken, und zeigt zugleich konkrete Wege zu deren Überwindung auf. Damit liefert sie nicht nur einen wissenschaftlichen Beitrag zur Entwicklungsökonomik, sondern auch handlungsleitende Erkenntnisse für Politik, NGOs und Unternehmen in einkommensschwachen Ländern.
Leon Bollmann | © privat
Dr. Leon Bollmann, Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik, erhält einen Promotionspreis für seine Dissertation „Szegö-type asymptotics for the free Dirac operator“.
Mit seiner Dissertation hat Leon Bollmann wichtige Fortschritte in einem anspruchsvollen Forschungsgebiet an der Schnittstelle von Pseudodifferentialoperatoren, Spektraltheorie und Mathematischer Physik erzielt, den sogenannten Szegö-Asymptotiken. Das Themenfeld gewann neue Bedeutung, nachdem die lange offene Widom-Vermutung 2013 durch A . V. Sobolev bewiesen worden war und damit auch mathematische Erklärungen für Verstärkungen von Oberflächengesetzen für Verschränkungsentropien quantenmechanischer Systeme möglich wurden.
Bollmann erweiterte die Arbeiten von Sobolev auf matrixwertige Symbole und schuf damit die Grundlage für Anwendungen auf relativistische quantenmechanische Systeme. Zudem gelang es ihm erstmals, den Mechanismus hinter Verstärkungen von Termen niedrigerer Ordnung in den Szegö-Asymptotiken zu erklären. Dafür entwickelte er eine neue Methode, die besonders gewürdigt wurde. Die Arbeit erschließt neues mathematisches Terrain und dürfte laut Einschätzung der Gutachter das Forschungsgebiet nachhaltig prägen.
Tonio Mitto | © privat
Dr. des. Tonio Mitto, Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften, erhält einen Promotionspreis für seine Dissertation „Die historisch-literarische Bilingue Zamim Ene und ihre Rolle bei der Rezeption Nebukadnezars I. in der mesopotamischen Gelehrtentradition“.
Zamim Ene ist eine bedeutende zweisprachige Komposition aus dem alten Mesopotamien, überliefert in den Sprachen Sumerisch und Akkadisch. Im Mittelpunkt stehen die Taten des babylonischen Königs Nebukadnezar I. Für seine Dissertation konnte Tonio Mitto den bekannten Textbestand dieser zentralen mesopotamischen Komposition von 59 auf 108 Zeilen fast verdoppeln und identifizierte einen Großteil der herangezogenen Handschriften selbst. Damit erschloss er den Großteil des Materials, auf dem seine Untersuchungen zum Entstehungskontext des Werks und seiner späteren Rezeption beruhen. Darüber hinaus entwarf er eine systematische Methode zur Datierung spätbabylonischer Tafeln, die erstmals Tausenden bislang nicht einzuordnenden Schriftzeugnissen einen historischen Kontext geben kann.
Laut seiner Gutachter setzte Tonio Mitto dabei neue Maßstäbe in der altorientalistischen Philologie und zählt trotz seines jungen Alters bereits zu den einflussreichen Forschern der internationalen Assyriologie. Die drei Gutachter aus München und Jerusalem bezeichneten die Arbeit als „Referenzpunkt für die Keilschriftphilologie“. Mit mehr als 2.100 digitalen Editionen und 14 Fachaufsätzen gelangen Mitto zudem wichtige Entdeckungen, darunter die Identifizierung des mesopotamischen Autors Rīmūt-Gula sowie der bislang spätesten datierten nicht-astronomischen Tafel aus Mesopotamien. Beide Funde sind von nachhaltiger Bedeutung für die Erforschung antiker Autorschaft und Schriftkultur. Tonio Mitto gilt als Wissenschaftler, der die Altorientalistik langfristig prägen dürfte.
Henning Schlömer | © privat
Dr. Henning Schlömer, Fakultät für Physik, erhält einen Promotionspreis für seine Dissertation „Exploring the low-temperature regime of doped Hubbard models: Theoretical insights leveraging quantum simulation“.
Im Zentrum der Dissertation von Henning Schlömer stehen mehrere wissenschaftliche Durchbrüche auf dem Gebiet stark korrelierter Quantensysteme und der Hochtemperatur-Supraleitung. Kurz nach der Entdeckung neuer nickelbasierter Hochtemperatur-Supraleiter leistete er wesentliche Beiträge zu deren Verständnis und entwickelte eine der ersten überzeugenden mikroskopischen Erklärungen für die Supraleitung in diesen Materialien.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Untersuchung sogenannter Spin-Ladungs-Stripes, komplexer Ordnungsphänomene in Quantensystemen. Schlömer zeigte, wie sich diese Strukturen gezielt in Quantensimulatoren erzeugen und experimentell nachweisen lassen. Die im Fachmagazin Nature veröffentlichten Ergebnisse gelten als wichtiger Meilenstein des Fachgebiets. Darüber hinaus entwickelte er eine neue Messmethode, mit der supraleitende Korrelationen in solchen Systemen erstmals direkt untersucht werden können.
Zudem schlug Schlömer eine neue theoretische Beschreibung der sogenannten Pseudolücke in kupferbasierten Supraleitern vor. Sein Ansatz liefert konkrete Vorhersagen, die in künftigen Experimenten mit Quantensimulatoren überprüft werden können. Schlömer verbindet numerische Simulationen, analytische Theorie und moderne Verfahren des maschinellen Lernens.
Kai Rejeski | © LMU Klinikum
PD Dr. Kai Rejeski, Medizinische Fakultät, wird für seine Habilitationsschrift „T-Zell basierte Immuntherapien in hämatologischen Neoplasien: Pathophysiologie und Risikomodelle von Immuntoxizität und Ansprechen“ ausgezeichnet.
Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit steht die integrative Analyse des komplexen Zusammenspiels von Effektivität und Nebenwirkungen neuartiger T-Zell-basierter Immuntherapien, insbesondere der revolutionären CAR-T-Zelltherapie. Rejeski hat dabei ein innovatives Forschungsparadigma etabliert: Statt Wirksamkeit und Toxizität isoliert zu betrachten, entwickelt er mechanistisch fundierte, klinisch anwendbare Modelle, die beide Dimensionen gemeinsam erfassen und vorhersagen.
Ein zentrales Beispiel ist die Entwicklung des mittlerweile international etablierten CAR-HEMATOTOX Score zur Vorhersage von Zytopenien und Infektionen nach der CAR-T-Zelltherapie. Dieses Risikomodell verbindet klinische Parameter mit biologischen Mechanismen und stellt einen großen Fortschritt hinsichtlich der personalisierten Steuerung dieser Therapien dar.
In seiner Arbeit adressiert er ein hochaktuelles und klinisch äußerst relevantes Forschungsfeld an der Schnittstelle von Immunologie, Hämatologie und datengetriebener Modellierung und leistet grundlegende Beiträge zum Verständnis und zur Vorhersage von Therapieerfolgen und Immuntoxizität.
Seit Februar 2025 leitet er die Arbeitsgruppe für Präzisionsimmuntherapie an der Medizinischen Klinik III des LMU Klinikums.
Markus Christopher Müller | © privat
PD Dr. Markus Christopher Müller, Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften, erhält einen Preis für seine Habilitationsschrift „Land und Freiheit. Landschaft, Landstände und Landesfreiheiten in Bayern, Salzburg und Tirol 1520 bis 1300“.
Die bisherige Forschung leitete die Geschichte der bayerischen Landstände aus einer 1514 gedruckten Sammlung der Landesfreiheiten ab und verortete ihre Ursprünge bereits im frühen 14. Jahrhundert. Markus C. Müller widerspricht dieser Sicht in seiner Habilitationsschrift.
Auf Grundlage einer umfassenden Quellenanalyse untersucht er die Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte von Landesfreiheiten und Privilegien und zeichnet die Verfassungsentwicklung in Bayern, Salzburg und Tirol neu nach. Dabei zeigt er, dass sich die landschaftliche Verfasstheit vor allem im 15. Jahrhundert herausbildete und die Landstände erst am Ende des 15. sowie zu Beginn des 16. Jahrhunderts institutionalisiert wurden. Zugleich arbeitet Müller „Land“ und „Freiheit“ als zentrale Kategorien zeitgenössischer politischer Aushandlungsprozesse heraus.
Seine Studie verbindet die Diskussion grundlegender methodischer Fragen mit der sorgfältigen Auswertung zahlreicher bislang unbeachteter Archivquellen und entwickelt daraus weitreichende Thesen zur Politik- und Verfassungsgeschichte der Regionen im Heiligen Römischen Reich. Seine Ergebnisse korrigieren die bisherige Forschung grundlegend und führen sie zugleich weiter.